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Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer darf weiter streiken

Urteil : Bahn scheitert mit Streik-Verbot

Die Bahn ist vor dem Frankfurter Arbeitsgericht mit dem Versuch gescheitert, den Streik verbieten zu lassen. Das heißt: Auch heute müssen Millionen Bahnfahrgäste wegen des Lokführerstreiks umplanen. Nur ein Drittel der Züge fährt.

Es ist der zweite Tag des Ausstands, der insgesamt mehr als vier Tage dauern soll. Die Lokführer setzen ihren bundesweiten Streik bei der Deutschen Bahn fort. Bahnfahrer müssen sich auch am Freitag auf viele Zugausfälle in Nordrhein-Westfalen einstellen. Die Bahn will erneut mit einem Ersatzfahrplan einen Teil des Zugverkehrs aufrechterhalten.

Die Bahn hatte am Donnerstag vergeblich versucht, den Streik verbieten zu lassen. Das Frankfurter Arbeitsgericht lehnte einen Antrag der Bahn auf eine einstweilige Verfügung ab. Laut Urteil verstößt der Arbeitskampf nicht gegen die Friedenspflicht und ist auch verhältnismäßig. Die Forderungen seien nicht widerrechtlich.

Ersatzfahrplan funktioniert

Am Donnerstag waren in NRW etwa 70 Prozent der Züge ausgefallen. Die übrigen 30 Prozent seien aber stabil nach einem Ersatzfahrplan gefahren, sagte ein Bahn-Sprecher in Düsseldorf. Vereinzelt setzte die Bahn auch Busse ein. Etwa zwischen Münster und Rheine. Auf diesem Teilstück fuhr der Regionalexpress 7 nicht.

An den Bahnhöfen sei die Situation auch während des abendlichen Berufsverkehrs entspannt gewesen, sagte der Sprecher. In NRW seien von den Streiks etwa eine Million Reisende im Regional- und mehrere Zehntausend im Fernverkehr betroffen. Für den Freitag gelte der Ersatzfahrplan wie am Donnerstag.

Auch am Morgen war es an den Bahnhöfen im Land vergleichsweise ruhig geblieben. Offenbar hatten sich die meisten Berufspendler rechtzeitig um Alternativen gekümmert. Im Hauptbahnhof Köln zum Beispiel waren weniger Menschen unterwegs als gewöhnlich. Die Züge, die abfuhren, waren nicht vollständig ausgelastet. Die nicht genutzten Bahnen stehen nach Angaben des Sprechers in Depots an ihrem letzten Ankunftsort und blockieren nicht die Strecken.

Die Straßen in NRW waren am Morgen zwar voll, ungewöhnlich viele oder lange Staus registrierten Polizei und Straßen NRW nach eigenen Angaben jedoch nicht. Auf den Autobahnen gebe es Staus an den üblichen Stellen, aber keine Besonderheiten, sagte eine Sprecherin der Landesleitstelle Verkehr in Duisburg. Im abendlichen Berufsverkehr meldete der WDR gegen 19.00 Uhr Staus von 170 Kilometern Länge auf den Autobahnen in NRW.

Taxifahrer profitieren kaum vom Streik

Die Taxifahrer in Köln profitierten kaum von den Ausfällen bei der Bahn: Am Taxistand vor dem Hauptbahnhof klagten einige Fahrer, dass kaum Kunden mit der Bahn ankämen und sie deshalb lange für die nächste Fahrt warten müssten. Die Online-Plattform "Pendlerportal" dagegen, auf der sich Berufspendler zu Fahrgemeinschaften zusammenfinden können, hat nach Angaben der Anbieter in den vergangenen Tagen Zuwächse verzeichnet. Die Zahl der angemeldeten Nutzer sei seit vergangener Woche um 62 Prozent gestiegen, berichteten der Kreis Paderborn und die Städteregion Aachen als Mitbetreiber.

Der Streik soll nach jetzigem Plan der GDL bis Montag um 4.00 Uhr dauern. Wenn es dabei bleibt, dürfte auch für viele Fußballfans am Wochenende die Anreise schwierig werden. Sämtliche Sonderzüge fielen aus, sagte der Bahnsprecher. Betroffen wäre in NRW vor allem das mit 80 000 Zuschauern ausverkaufte Westderby Dortmund gegen Gladbach.

Private Verkehrsunternehmen wie NordWestBahn, eurobahn und HKX wurden nicht bestreikt. Die Deutsche Bahn rät ihren Fahrgästen, sich auf ihrer Internetseite über die Ersatzfahrpläne zu informieren. Im Güterverkehr stehen die Züge schon seit Mittwoch still. Die GDL will das gesamte Zugpersonal bei Verhandlungen vertreten. Außerdem fordert die Gewerkschaft für die Beschäftigten mehr Geld und eine kürzere Arbeitszeit.

(lnw)