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IG Metall droht mit Warnstreiks: Gewerkschaft bei VW-Tarifrunde kompromissbereit

IG Metall droht mit Warnstreiks : Gewerkschaft bei VW-Tarifrunde kompromissbereit

Hannover (rpo). Im VW-Tarifkonflikt ist die Gewerkschaft zu Einschnitten bei den Arbeitskosten bereit. IG-Metall-Verhandlungsführer Hartmut Meine erklärte bei der vierten Verhandlungsrunde in Hannover: "Wir werden anfangen, bei Kostenentlastungen Kompromissmöglichkeiten auszuloten." Gleichzeitig drohte er aber mit Warnstreiks ab November, falls es bis zum Ende der Friedenspflicht am 28. Oktober kein Ergebnis gebe.

Am 28. Oktober findet auch die nächste Runde der Tarifverhandlungen statt. Meine erinnerte daran, dass es bei der Absicherung der Arbeitsplätze in der vorigen Runde zwar eine Annäherung gegeben habe. "Wir sind in vielen Detailfragen der Arbeitsplatzsicherung noch auseinander", fügte er hinzu. Der Preis, den VW dafür verlange, sei zu hoch. VW will die Personalkosten bis 2011 um 30 Prozent oder 2 Milliarden Euro reduzieren. "Das ist nicht akzeptabel", sagte Meine, der auch IG-Metall-Bezirksleiter in Hannover ist.

VW-Verhandlungsführer Josef Fidelis Senn äußerte die Erwartung, dass die Verhandlungen zu den Kostenkürzungen "in diesen Punkten konkret werden können". Nach seinen Angaben wurden vier der sieben Punkte aus der Vorschlagsliste des Unternehmens schon angesprochen. Er nannte aber keine Details. Der VW-Konzern, dessen Gewinn in der letzten Zeit massiv eingebrochen war, verlangt unter anderem eine Nullrunde für zwei Jahre und ein neues Vergütungssystem, das die Lohnkosten senkt.

Der zweite Vorsitzender der IG Metall, Berthold Huber, hat sich unterdessen optimistisch über die aktuellen Tarifverhandlungen bei VW geäußert. "Ich gehe davon aus, dass in den Verhandlungen in Wolfsburg für die 103.000 VW-Beschäftigten in Westdeutschland eine Beschäftigungssicherung erreicht wird", sagte Huber dem "Tagesspiegel" (Freitagsausgabe).

Da die unmittelbaren Arbeitskosten nur "zwischen 15 und 18 Prozent" von den Gesamtkosten eines Automobils ausmachen, gehe es "teilweise an den Realitäten vorbei, wenn immer auf den Arbeitskosten herumgeritten wird", sagte er. Dagegen seien "vor allem auch die Entwicklungs- und Vertriebskosten von großer Bedeutung".

Gewerkschaft will langfristige Arbeitsplatzgarantien

Die IG Metall fordert eine langfristige Arbeitsplatzgarantie für die 103.000 Beschäftigten der sechs westdeutschen VW-Standorte. Daneben wollte sie vier Prozent mehr Lohn und Gehalt für diese Beschäftigten durchsetzen. Von dieser Erhöhung ist die Gewerkschaft aber schon abgerückt, sollte VW einer Arbeitsplatzgarantie zustimmen. Die Verhandlungen zogen sich bis in den Abend hin.

Die VW-Führung will neben den Nullrunden und einem neuen Vergütungssystem nicht mehr alle Auszubildenden übernehmen, sondern nur noch so viele, wie der Konzern benötigt.

Die Tarifverträge waren Ende September ausgelaufen. Die gesamte VW-Gruppe einschließlich Audi und anderer Töchter beschäftigt in Deutschland mehr als 176.000 Menschen. Die 103.000 westdeutschen VW-Arbeiter verdienen 20 Prozent mehr als Beschäftigte, die nach dem Metall-Flächentarifvertrag bezahlt werden.

(afp)