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Not der Kollegen "eiskalt ausgenutzt": Gewerkschaft attackiert Opel-Führung

Not der Kollegen "eiskalt ausgenutzt" : Gewerkschaft attackiert Opel-Führung

Die IG Metall hat dem Management des kriselnden Autoherstellers Opel nach dem beschlossenen Abzug der Astra-Produktion aus Deutschland Skrupellosigkeit und Planlosigkeit vorgeworfen.

"Opel hat kein Kostenproblem, sondern ein Führungsproblem", sagte der Frankfurter IG-Metall-Bezirksleiter Armin Schild der "Süddeutschen Zeitung". Die Situation an der Spitze des US-Mutterkonzerns General Motors (GM) sei extrem unübersichtlich. "Ich habe noch nie ein Unternehmen kennengelernt, wo es so wenig Vertrauen in die Führung gegeben hat", erklärte Schild.

Opel hatte am Donnerstag entschieden, den Kompaktwagen Astra aus dem Stammwerk Rüsselsheim abzuziehen und ab 2015 nur noch im britischen Ellesmere Port und im polnischen Gliwice zu produzieren. Die Zukunft der Werke Rüsselsheim und Bochum ist damit unsicher. Der Standort Bochum könnte vor dem Aus stehen.

Dass die Belegschaft in Ellesmere Port für den Zuschlag des Astra unter Druck Lohnkürzungen akzeptierte, sei ein schlimmer Vorgang, sagte Schild, der auch im Opel-Aufsichtsrat sitzt. Opel habe die Existenzangst der Kollegen "eiskalt ausgenutzt" und mit der Angst der Menschen spekuliert. "Mit herbei gepressten Arbeitnehmer-Beiträgen kann man kein Unternehmen führen", erklärte der Gewerkschafter. Über Wochen seien alle europäischen Standorte mit Schließung bedroht worden. "Dass irgendwann der Schwächste umfällt, ist klar", sagte er.

IG Metall bekräftigt Entschlossenheit

Die Aussage von Opel-Chef Karl-Heinz Stracke, dass Ellesmere Port und Gliwice die "Eckpfeiler" der europäischen Produktion würden, sei unprofessionell und eine Provokation für die Belegschaften in Rüsselsheim und Bochum. "Das sagt viel über die Führungskultur bei Opel aus", sagte Schild.

Schild verlangte von der Opel-Mutter GM einen Plan, der die Spekulationen um Werksschließungen beende. "Wenn die Unternehmensstrategie nicht bald eindeutig geklärt wird, droht eine Abwärtsspirale", erklärte er. Alle vier heimischen Standorte, auch Bochum, müssten aber erhalten bleiben. Neben Rüsselsheim und Bochum betreibt Opel auch Fabriken in Eisenach und Kaiserslautern.

"Das Unternehmen wird nicht gegen, sondern nur mit den deutschen Belegschaften zu retten sein", sagte Schild. Er bekräftigte die Entschlossenheit der Gewerkschaft und die Solidarität unter den Opel-Kollegen im Kampf für die deutschen Werke. "Wer Bochum schließen will, wird auf den Widerstand der ganzen IG Metall stoßen - in allen Opel-Standorten", erklärte Schild.

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Der Betriebsrat in Bochum fürchtet, dass Rüsselsheim als Ersatz für den Astra die Zafira-Produktion aus Bochum bekommen könnte. Am Montag gibt es eine Betriebsversammlung in Bochum, bei der die Belegschaft klare Worte von Stracke erwartet. Auch Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) will teilnehmen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: 2012: Der Opel Astra GTC

(APD)