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Neuer Skandal um Hauptstadt-Flughafen: Geht dem Flughafen BER bis 2015 das Geld aus?

Neuer Skandal um Hauptstadt-Flughafen : Geht dem Flughafen BER bis 2015 das Geld aus?

Eine Korruptionsaffäre um den Flughafen BER setzt Flughafenchef Hartmut Mehdorn weiter unter Druck: Der wegen Korruptionsverdacht suspendierte Technikchef Jochen Großmann soll unkontrolliert Aufträge verteilt haben. Außerdem droht dem Projekt ein finanzieller Engpass.

Die Fertigstellung des Flughafens im Südosten Berlins hat sich wegen diverser Bau- und Planungsskandale um Jahre verzögert, ein Eröffnungstermin steht nicht fest. Insider befürchten der "Wirtschaftswoche" zufolge, dass dem Flughafenprojekt Anfang 2015 das Geld ausgehen könnte. Spätestens dann brauche Mehdorn weitere 1,1 Milliarden Euro. Es sei jedoch unklar, ob die EU-Kommission die Auszahlung neuer Beihilfen des Bundes, Berlins und Brandenburgs rechtzeitig genehmige. Auch sonst reißen die Skandale um den Hauptstadt-Flughafen nicht ab.

Eine Korruptionsaffäre um den Airport BER setzt derzeit Flughafenchef Hartmut Mehdorn unter Druck: Der wegen Korruptionsverdacht suspendierte Technikchef Jochen Großmann soll nahezu unkontrolliert lukrative Aufträge zur Umplanung der zentralen Entrauchungsanlage des Terminals auslösen und verteilen können, berichtete das Nachrichtenmagazin "Spiegel" am Sonntag vorab. Was Mehdorn darüber wusste, dürfte am Montag auch den BER-Aufsichtsrat auf seiner Sondersitzung beschäftigen.

Großmann habe bereits in der Zeit, als er nur als Berater am BER tätig war, lukrative Aufträge verteilen können, heißt es im "Spiegel". Den Zuschlag hätten Unternehmen erhalten, mit denen Großmanns Dresdner Unternehmensgruppe Gicon langjährige Geschäftsbeziehungen gepflegt habe. Interne Unterlagen der Flughafengesellschaft legen laut "Spiegel" zudem den Verdacht nahe, dass auch andere Vergabeverfahren Ungereimtheiten aufwiesen, die Mehdorn seit Herbst vorigen Jahres bekannt gewesen seien. So habe die Arbeitsgemeinschaft Transparenz in vertraulichen Quartalsberichten bereits 2013 eine Reihe von Verstößen moniert. Unter anderem sollen Aufträge in Höhe von 2,7 Millionen Euro ohne Ausschreibung vergeben worden sein.

Das Magazin "Focus" berichtete am Wochenende über Details, nach denen die Chefetage um Mehdorn gewusst haben könnte, dass Großmann Auftrag für die Entrauchungsanlage für mehrere Millionen Euro an eine Cottbusser Firma vergab, mit der er wirtschaftlich verbandelt war. Der vom ihm Anfang des Jahres gefeuerte Planer der Entrauchungsanlage, Alfredo di Mauro, habe indes Mehdorn am 7. März 2014 eine Kostenkalkulation von nur 207.200 Euro für ein Leistungspaket für die Anlage vorgelegt.

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Ein Flughafensprecher wies die Vorwürfe gegen Mehdorn gegenüber beiden Magazinen zurück. Der Korruptionsfall Großmann dürfte auch Thema bei der für Montag angesetzten Sondersitzung des BER-Aufsichtsrats sein. Im Vorfeld erklärte allerdings Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD), der dem Gremium angehört, dass bis zu konkreten Entscheidungen die Ergebnisse der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen abgewartet werden sollen.

Laut "Spiegel" werfen die Ermittler Großmann vor, bei einer Auftragsvergabe an den niederländischen Planungskonzern Arcadis 500.000 Euro Schmiergeld gefordert zu haben. Dem "Focus" zufolge ging bei der Staatsanwaltschaft Cottbus noch eine weitere, anonyme Anzeige gegen Großmann ein.

Mehdorn kündigte im "Focus" an, den Korruptionsskandal in einer Sonderkommission aufklären zu lassen: Die "Taskforce" aus "internen Aufklärern", externen Juristen, Korruptionsexperten und einem Vertreter der Anti-Korruptionsorganisation Transparency International soll bis zur Aufsichtsratssitzung am 30. Juni einen Bericht vorlegen.

Hier geht es zur Infostrecke: Hauptstadtflughafen: So oft wurde die Eröffnung des BER schon verschoben

(DEU)