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GDL und Kita: Ein Land versinkt im Streik

Von der GDL bis zur Kita : Ein Land versinkt im Streik

Arbeitskämpfe bei der Bahn, der Post, den Kitas, im Geldtransportwesen, an der Berliner Charité – es scheint so, als seien die befürchteten "britischen Verhältnisse" auch hierzulande längst Realität. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Arbeitskämpfe bei der Bahn, der Post, den Kitas, im Geldtransportwesen, an der Berliner Charité — es scheint so, als seien die befürchteten "britischen Verhältnisse" auch hierzulande längst Realität. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Die Bundesarbeitsrichter formulierten es in einer Entscheidung 1984 so: Tarifverhandlungen ohne Streikrecht seien nichts anderes als "kollektives Betteln". Damit ist die Marschrichtung klar: Das Recht auf Arbeitskampf ist hierzulande ein hohes Gut. Und doch sieht es zunehmend so aus, als verlören die Arbeitnehmerorganisationen dabei das Maß und somit den Rückhalt in der Gesellschaft. Hinter vorgehaltener Hand poltern inzwischen sogar hohe Funktionäre über die unnachgiebige Haltung der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) — wohlgemerkt: Gewerkschaftsfunktionäre. Ein insgesamt 127-stündiger Streik im Personenverkehr hinterlässt Spuren.

Wie hoch sind die Kosten des Bahnstreiks?

Beim Konzern selbst schlägt der Streik nach eigenen Angaben mit täglich zehn Millionen Euro zu Buche. Wie Personenverkehrsvorstand Ulrich Homburg erklärte, ergibt sich die Summe aus Einnahmeausfällen im Personen- und Güterverkehr sowie Kosten, etwa für Ersatzfahrpläne und Kundeninformation. Auch die übrige Wirtschaft wird — insbesondere von dem zeitgleich laufenden Streik im Güterverkehr — stark getroffen. Nach drei bis vier Tagen ist nach Angaben des Instituts der deutschen Wirtschaft mit logistikbedingten Produktionsunterbrechungen zur rechnen. Insgesamt kostet der aktuelle Bahnstreik nach Schätzungen der BayernLB 750 Millionen Euro. Damit dürfte die Wachstumsrate des Bruttoinlandsprodukts im zweiten Quartal um 0,1 Prozentpunkt niedriger liegen als ohne Streik.

Welche Auswirkungen hat der Streik auf andere Verkehrsmittel?

Allein in NRW verdoppelte sich die Länge der Staus im morgendlichen Berufsverkehr auf 240 Kilometer. Das Ifo-Institut hat in einer aktuellen Studie die täglich anfallenden Streik-Kosten für Pendler berechnet: Allein ein eintägiger Streik im öffentlichen Personennahverkehr einer Stadt verlängerte die Fahrtzeiten um 91 700 Stunden oder 2294 Arbeitswochen. Das entspricht Kosten von rund 4,8 Millionen Euro. Untersucht wurden 71 Nahverkehrsstreiks von 2002 bis 2011 in Berlin, Hamburg, München, Köln und Frankfurt.

Wie funktioniert der Notfall-Fahrplan der Deutschen Bahn?

Jeder dritte Fernzug fahre, im Regionalverkehr seien es im Westen 50 bis 60 Prozent der Züge, im Osten teilweise nur 15 Prozent, sagte Personenverkehrsvorstand Homburg.

Wo bekommen Bahnreisende Informationen?

Die aktuellsten Informationen bekommen Bahnreisende im Internet (www.bahn.de/liveauskunft) oder über die kostenfreie Hotline 08000 996633. Die Bahn hat den Telefonservice nach eigenen Angaben mit Hunderten zusätzlichen Mitarbeitern verstärkt.

Wie viel Mittel hat die GDL für weitere Streiks?

Wie gut ihre Streikkasse gefüllt ist, ist eines der bestgehüteten Geheimnisse der GDL, da die Bahn ansonsten daraus ableiten könnte, wie lange der Streik noch gehen kann. Pro Streiktag erhält jedes Mitglied nach einem GDL-Beschluss aus dem vorigen Dezember 75 Euro Streikgeld von der Gewerkschaft. Damit dürften aus der Kasse an jedem Tag des Arbeitskampfes rund 225 000 Euro an die Teilnehmer ausgezahlt werden. Die Gewerkschaft kann zudem einen Zuschuss ihres Dachverbands Beamtenbund bekommen.

Wie könnte eine Lösung des Konfliktes aussehen?

Alle Augen richten sich jetzt auf den Vorschlag, den Bahnchef Rüdiger Grube heute zur Beilegung des Konflikts unterbreiten will. In den vergangenen Tagen waren die Rufe lauter geworden, dass sich der Vorstandschef direkt in den Tarifkonflikt einschalten solle — nicht zuletzt, um Personalvorstand Ulrich Weber zu entlasten. Möglicherweise wird Weber der GDL bei den strittigen Punkten Lokrangierführer, Deckelung von Überstunden, Absenkung der Arbeitszeit und Neueinstellung von Lokführern entgegenkommen.

Wann starten die Gewerkschaften Verdi, GEW und Beamtenbund die unbefristeten Kita-Streiks?

Heute Vormittag will Verdi-Chef Frank Bsirske das Ergebnis der Urabstimmung im Sozial- und Erziehungsdienst mitteilen. Unbefristete Streiks gelten als sicher. Die Beamtenbund-Gewerkschaft Komba hat schon mit 96 Prozent für den Arbeitskampf gestimmt.

Hier geht es zur Infostrecke: Lokführer-Streik: Von A wie Arbeitszeit bis Z wie Zetsche

(maxi)