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Fakten zum Streik: GDL legt Deutschland lahm

Fakten zum Streik : GDL legt Deutschland lahm

Der Tarifstreit bei der Bahn eskaliert: Die Lokführergewerkschaft GDL bestreikt an einem der verkehrsreichsten Wochenenden die Bahn. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum Streik.

Die Telefon-Hotline der Bahn fiel am Freitag vorübergehend wegen des Kundenansturms aus. Grund war die Ankündigung der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) zum bislang größten Streik im laufenden Tarifstreit mit der Deutschen Bahn: Ab 15 Uhr standen am Nachmittag zunächst die Güterzüge still, ab zwei Uhr nachts sollen auch Fern- und Regionalzüge hinzukommen. Erst in den frühen Morgenstunden am Montag wollen die Lokführer wieder arbeiten.

Die GDL hat sich für ihren Erzwingungsstreik eines der verkehrsreichsten Wochenenden des Jahres ausgesucht: In Nordrhein-Westfalen gehen die Herbstferien zu Ende, in sieben weiteren Bundesländern beginnen sie. Zudem handelt es sich um ein Bundesliga-Wochenende.

Am Nachmittag versuchte die Bahn, mit einem neuen Angebot die GDL zu besänftigen: Das Angebot sieht eine dreistufige Erhöhung um fünf Prozent über einen Zeitraum von 30 Monaten vor, soll allerdings ausschließlich für die Lokführer gelten. Die GDL will allerdings auch für Zugbegleiter, Bordgastronomen, Disponenten und Trainer ihre Forderung durchsetzen. Die GDL äußerte sich nicht zu dem Angebot.

Fragen und Antworten zum Themenkomplex:

Wo gibt es Informationen für Kunden der Deutschen Bahn?

Die Bahn fährt mit einem Notfallfahrplan auf einem Teil der Strecken. Dies ist möglich, weil immer noch einige Lokführer beamtet sind und nicht streiken dürfen. Der Fahrplan ist im Internet über die Live-Auskunft unter www.bahn.de abrufbar. Weitere Informationen gibt es in den Reisezentren oder unter der kostenfreien Rufnummer 08000996633.

Wird nach dem Streik-Ende am Montag auch der Pendelverkehr betroffen sein?

Ein Bahn-Sprecher erklärte, im Regionalverkehr würden die Züge am Abend an die Abfahrtpunkte für den Montag gebracht, um so die Auswirkungen zum Wochenbeginn gering zu halten. Allerdings hatten die Streiks in der Vergangenheit auch nach Wiederaufnahme des Betriebs noch Auswirkungen.

Was gilt für die Sonderzüge zu den Bundesligaspielen?

Die Deutsche Bahn hat wegen des Streiks der Gewerkschaft der Lokführer (GDL) alle für das Wochenende geplanten Sonderzüge für Fußball-Fans gestrichen. Betroffen sind unter anderem die Fans von Borussia Mönchengladbach. Der Verein tritt in Hannover an. Auch die Fußballprofis mussten umdisponieren: Das Team von Bayer 04 Leverkusen wollte zunächst per ICE nach Stuttgart reisen, stieg nach Angaben eines Sprechers aber auf den Bus um.

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Wird es zu mehr Staus auf den Autobahnen kommen?

Ja. Zum einen handelt es sich wegen des Ferien-Endes in NRW ohnehin um ein verkehrsreiches Wochenende. Außerdem werden zahlreiche Unternehmen versuchen, den ansonsten per Schiene abgewickelten Güterverkehr per Lkw auf die Straße zu verlagern. Zudem werden auch Bahnreisende versuchen, auf das Auto umzusteigen.

Welche Bahn-Alternativen gibt es?

Die Internetseiten der Fernbus-Unternehmen brachen am Freitag aufgrund der hohen Nachfrage zeitweilig zusammen. Auch Mietwagenanbieter und Mitfahrzentralen verzeichneten eine höhere Nachfrage.

Wie reagiert die Politik?

Unionsfraktionsvize Arnold Vaatz (CDU) kritisierte den Lokführerstreik als "völlig unangemessen". "Das ist ein Spiel mit dem sozialen Frieden im Land", sagte Vaatz unserer Redaktion. Der Streik werde "negative Folgen für das Gemeinwohl" haben, betonte der CDU-Politiker. Vaatz verwies auch darauf, dass es die große Koalition bisher versäumt habe, die im Koalitionsvertrag vorgesehene Tarifeinheit umzusetzen. "Jetzt muss gehandelt werden", sagte Vaatz. An dem Streik sehe man, wie dringend die Regelung sei.

Wann kommt das Gesetz?

Das Kabinett soll den Gesetzentwurf zur Tarifeinheit von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) am 3. Dezember verabschieden. Das erfuhr unsere Redaktion aus Koalitionskreisen. Bereits kommende Woche will Nahles dem Justiz- und dem Innenministerium einen Vorentwurf zur ersten Prüfung vorlegen. Anfang November will die Ministerin dann einen Referentenentwurf an die Ressorts zur abschließenden Prüfung verschicken.

Hier geht es zur Infostrecke: Reaktionen zum Bahn-Streik am Wochenende: "Jetzt gehen die Lokführer zu weit"

(cbu/mar/maxi/qua)