Ab Donnerstagabend Wieder Bahnstreik – laut GDL-Chef Weselsky letzter des Jahres

Berlin/Düsseldorf · Mitte November hatte die Lokführergewerkschaft schon einmal Deutschland mit einem Warnstreik lahmgelegt, nun startet sie einen neuen Arbeitskampf mit nicht einmal einem Tag Warnzeit. Die Bahn ist entsetzt. Eine gute Nachricht für alle Reisenden gibt es aber trotzdem.

Verspätung wegen Bahnstreik: Das sind Ihre Rechte
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Foto: dpa, rwe htf

Die Lokführergewerkschaft GDL will das Land erneut lahmlegen. GDL-Chef Claus Weselsky bestätigte den Beschluss. Damit würden massiv Wochenendpendler getroffen, die häufig am Freitag nach Hause fahren, wogegen beim Warnstreik Mitte November von Mittwochabend bis Donnerstagnacht gestreikt wurde. Der jetzige Arbeitskampf würde dagegen bis Freitagabend 22 Uhr laufen.

Die Bahn verurteilt das Vorgehen der GDL scharf: Personalvorstand Martin Seiler sagt: „Die Lokführergewerkschaft vermiest Millionen unbeteiligten Menschen das zweite Adventswochenende. Ein Streik so kurz nach dem Wintereinbruch und so kurz vor dem Fahrplanwechsel ist verantwortungslos und egoistisch. Anstatt zu verhandeln und sich der Wirklichkeit zu stellen, streikt die Lokführergewerkschaft für unerfüllbare Forderungen. Das ist absolut unnötig! Es gäbe so viel zu tun: Endlich die Weihnachtsfrage klären, unser 11‑Prozent-Angebot ausgestalten und an Lösungen für Mitarbeitende und Kunden arbeiten.“

Gewerkschaftschef Weselsky hatte am 24. November die Tarifverhandlungen mit der Deutschen Bahn für gescheitert erklärt und zugleich weitere Warnstreiks angekündigt. Er begründete die Entscheidung vor allem mit der Verweigerung der Bahn, über eine Reduzierung der Arbeitszeit für Schichtarbeiter zu verhandeln. Die GDL fordert eine Reduzierung von 38 auf 35 Stunden, der bundeseigene Konzern lehnt eine Arbeitszeitsenkung grundsätzlich ab.

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Foto: dpa/Carsten Koall

Die Deutsche Bahn wird sicher die Zugbindungen für ICE-Züge aufheben. Beim Warnstreik im November hatte sie alle Reisenden aufgefordert, ihre Reisen so vorzuverlegen, dass sie vom Streik nicht betroffen sind. Außerdem durften Bürger ihre Reisen nachholen, auch wenn sie Tickets mit Zugbindung hatten. Wer überhaupt nicht fährt, erhält den Fahrpreis zurück.

Keine weiteren Streiks kurz vor Weihnachten

Am Mittwochabend schloss Weselsky weitere Warnstreiks kurz vor oder nach Weihnachten aus. „Wir werden jetzt diese Streikaktion am Donnerstag und Freitag durchführen, und es ist für dieses Jahr die letzte“, sagte Weselsky am Mittwochabend bei MDR-aktuell. „Anschließend kommt die Urabstimmung und die Auszählung am 19. Dezember. Und es wird keine Arbeitskampfaktionen mehr geben, auch in der ersten Januarwoche nicht.“ Bis zum 7. Januar sei daher kein weiterer Warnstreik zu befürchten. Zuvor hatte Weselsky lediglich mehrfach betont, dass die GDL nicht über Weihnachten streiken werde.

Die Bahn erwartet vor allem für die Woche vor und die Woche nach Weihnachten und teils bis über den Jahreswechsel hinaus viele Fahrgäste. Die Unsicherheit dürfte bereits dazu geführt haben, dass einige Menschen einer Reise oder einem Ticketkauf bei der Bahn ausgewichen sind.

Es ist davon auszugehen, dass die Deutsche Bahn für Freitag einen Notfahrplan veröffentlichen wird. Beim letzten Warnstreik fuhren dann rund 20 Prozent der Fernzüge. In NRW gingen viele S-Bahnen in einen Takt von einem Zug pro Stunde, sonst fahren sie oft im 20-Minuten-Takt.

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