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Gaspreise & Strompreise NRW: Eon bereit Kunden auf Preiserhöhung vor​

Gas und Strom in NRW : Eon bereitet Kunden auf weitere Preiswelle vor

In NRW erhöhte der Konzern die Gaspreise bereits um 40 und die Strompreise um 17 Prozent. Eon ist bereit zu einer Laufzeit-Verlängerung für den Atom-Meiler Isar 2, wenn die Politik dies wünscht. An der Pipeline Nord Stream 1 will der Konzern trotz Abschreibung festhalten.

Der Eon-Konzern fügt sich dem politischen Druck und ist bereit, sein letztes Atomkraftwerk Isar 2 länger laufen zu lassen. „Sollte die Bundesregierung im Rahmen des laufenden Stresstests zu einer Neubewertung der Lage kommen, sind wir zu Gesprächen bereit“, sagte Finanzvorstand Marc Spieker bei der Vorstellung der Halbjahres-Bilanz. Man bereite sich aber technisch und organisatorisch auf Stilllegung und Rückbau vor. „Wir müssen den Stresstest der Bundesregierung abwarten“, ergänzte Konzern-Chef Leonhard Birnbaum. Es gebe auch keine Rechnung, was Eon durch einen Weiterbetrieb verdienen werde. Im ersten Halbjahr lieferte Isar 2 bei der Konzernmutter 390 Millionen Euro Gewinn ab.

Von den drei Atomkraftwerken, die in Deutschland noch laufen, steht der Eon-Meiler Isar 2 besonders im Fokus. Das schlecht mit Kohle- und Ökostrom versorgte Bayern macht seit Monaten Druck, ihn länger laufen zu lassen. Anders als bei den beiden Meilern von RWE (Lingen) und EnBW (Neckarwestheim) reichen hier die Brennstäbe auch noch für ein einige Monate Laufzeit im neuen Jahr. Ob Eon auch neue Brennstäbe ordern würde? Dazu wollte Birnbaum nichts sagen.

Zugleich bereitet der Konzern die Strom- und Gaskunden auf weitere Preiserhöhungen vor: „Wir sehe gerade einen starken Anstieg der Großhandelspreise beim Strom“, sagte Birnbaum . Wenn es dabei bleibe, werde es 2023 weitere Erhöhungen geben. Eon, der größte Versorger von Endkunden in Deutschland, hat den Strompreis in NRW zuletzt um 17 Prozent erhöht.

Gravierender ist die Entwicklung beim Gas: Hier hob Eon die Preise in NRW gegenüber dem Vorjahr um 40 Prozent an. Und bald wird es für Gas-Kunden aller Unternehmen noch teurer: Ab Oktober sollen die Gas-Kunden eine Umlage zur Stützung von Großhändlern wie Uniper zahlen. Eon begrüßt das: „Diese Unternehmen müssen gestützt werden, damit ein Dominoeffekt in der gesamten Lieferkette vermeiden wird“, so Birnbaum. Zugleich forderte er vom Bund Regeln, wie die Umlage an die Endkunden weitergegeben wird. „Es ist es problematisch, dass die Verordnung zur Einführung der Gasbeschaffungsumlage keine Regeln für die Weitergabe der Umlage an die Endkunden vorsieht“, sagte der Eon-Chef. So ist noch unklar, ob auch die Kunden mit Festpreis-Verträgen und Fernwärme-Kunden die Umlage zahlen müssen. Das Bundeswirtschaftsministerium arbeitet daran.

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Anders als der RWE-Konzern, der selbst Strom erzeugt, sieht sich Eon nicht als Gewinner der Energiekrise. Der Essener Konzern ist der größte Netzbetreiber in Deutschland und hat 14 Millionen Endkunden in Deutschland, stellt aber nach der Abspaltung der Kraftwerke in Uniper kaum noch selbst Strom her, sondern muss diesen einkaufen. „Eon würde besser dastehen, wenn wir die hohen Preise nicht hätten“, sagte Birnbaum. Wegen der gestiegenen Beschaffungskosten sank der Gewinn (Ebitda) im ersten Halbjahr um 15 Prozent auf 4,1 Milliarden Euro.

Für 2022 erwartet Eon einen Rückgang des Gewinns auf 7,6 bis 7,8 Milliarden Euro, im Vorjahr hatte Eon noch 7,9 Milliarden Euro verdient „Trotz der anhaltenden Krise halten wir, was wir versprochen haben. Operativ und finanziell“, erklärte Birnbaum. Eine Übergewinnsteuer sieht er kritisch: „Es ist nachvollziehbar, dass die Politik darauf schaut, aber das kann man nicht pauschal für die Branche regeln.“ In Großbritannien etwa würden nur Öls- und Gaskonzerne zusätzlich besteuert.

Der Krieg hinterlässt weitere Spuren: Eon schreibt nun 700 Millionen Euro auf die umstrittenen Pipeline Nord Stream 1 ab, die zuletzt mit 1,2 Milliarden Euro in den Büchern stand. Der deutsche Konzern ist als Ruhrgas-Erbe noch mit 15,5 Prozent an der Ostsee-Röhre beteiligt. Er begründete die Abschreibung mit den „gestiegen Unsicherheiten“. Gazprom hat die Lieferungen auf 20 Prozent gedrosselt und dies mit dem Fehlen einer in Kanada gewarteten Turbine begründet. Abstoßen will Eon die Beteiligung aber nicht. „Wir halten an der Beteiligung fest, daran hat sich nichts geändert“, sagte Birnbaum. Auch bleibe man in den Aufsichtsgremien. Ein Treffen hat es seit Kriegsausbruch aber nicht mehr gegeben. Im September steht erneut ein Turbinenwechsel bei Nord Stream 1 an.

(anh)