Galeria Karstadt Kaufhof übernimmt Sport Scheck

Filialen auch in Mönchengladbach und Köln : Karstadt Kaufhof übernimmt Sport Scheck

Die Warenhauskette will den Sporthändler von der Otto Group übernehmen. Sport Scheck kämpft seit Jahren mit Verlusten.

Es ist eine mittlerweile gängige Geschichte im deutschen Modehandel. Ein Unternehmen zerreibt sich zwischen der wachsenden Online-Konkurrenz und jenen Wettbewerbern, die mit niedrigen Preisen aggressiv in den Markt gehen. Das Unternehmen schreibt Verluste, mitunter hohe Verluste, und das über Jahre. Am Ende steht der Verkauf, an einen Finanzinvestor oder einen Branchenkonkurrenten.

Das neueste Beispiel heißt Sportscheck. Der Sportartikelhändler aus Unterhaching, der bislang zur Handelsgruppe Otto gehört, soll an die Kaufhauskette Galeria Karstadt Kaufhof veräußert werden. Die betreibt beileibe nicht nur Warenhäuser, sondern verkauft auch Sportartikel, sowohl in den Warenhäusern als auch über die Karstadt-Sports-Filialen und übers Netz. Das Unternehmen will mit der Übernahme der bundesweit 17 Sport-Scheck-Filialen (unter anderem in Mönchengladbach, Köln und Aachen) seine Position im Wachstumsmarkt Sport erheblich ausbauen, wie Konzernchef Stephan Fanderl erklärt hat. Wie immer in solchen Fällen werden zum Kaufpreis keine Angaben gemacht. Und wie immer muss das Bundeskartellamt seinen Segen geben, ehe der Deal umgesetzt werden kann.

„Wir sind führend im Wachstumsgeschäft Sport und werden unsere ohnehin starke Präsenz mit den Erwerb von Sport Scheck in den deutschen Innenstädten jetzt noch einmal deutlich ausbauen“, so Fanderl. Was die Essener an Potenzial gewinnen: jährlich zehn Millionen Besucher in den Sport-Scheck-Häusern, fast zweieinhalb Millionen Online-Kunden. Zusammen werden beide Marktführer im deutschen Sportartikel-Einzelhandel.

Rentabel ist das Geschäft von Sport Scheck indes nicht mehr. Die kurz nach Kriegsende von Otto Scheck gegründete Kette kämpft seit Jahren mit roten Zahlen. Neben dem Online-Handel hat den Münchnern auch der französische Sporthandels-Riese Decathlon zugesetzt, der immer stärker auf den deutschen Markt drängt und im vergangenen Jahr mit 470 Millionen Euro Umsatz im Sportartikel-Einzelhandel vor Sport Scheck und Karstadt Sports die Nummer eins war. Über 80 Filialen betreiben die Franzosen in Deutschland, und das soll noch nicht das Ende sein. In Expertenkreisen wird das Geschäftsmodell von Decathlon gern mit dem von Ikea verglichen: niedrige Preise, breites Warenangebot, viele Eigenmarken. Dazu ein Cross-Channel-Modell, bei dem Kunden Im Laden schauen und anprobieren, dann aber doch übers Internet bestellen können. Decathon hat 13 Niederlassungen allein an Rhein und Ruhr, dazu welche in Belgien und den Niederlanden.

Unter solchen Konkurrenten leidet auch Sport Scheck. Das Unternehmen, das etwa 1150 Mitarbeiter beschäftigt, steht seit geraumer Zeit auf der Verkaufsliste seines bisherigen Eigentümers Otto. Die Übernahme durch Galeria Karstadt Kaufhof gebe Sport Scheck „die beste Chance auf eine nachhaltige Perspektive“, betonten die Hamburger am Dienstag. Die Hanseaten selbst wollten offenbar kein Geld mehr in ein tragfähiges Zukunftsmodell stecken. Dabei hat der Sporthandel viel Potenzial. Laut Online-Portal Statista beträgt der Umsatz im Geschäft mit Sport- und Outdoor-Kleidung in diesem Jahr rund 2,5 Milliarden Euro. Bis 2023 werde ein Marktvolumen von mehr als 3,2 Milliarden Euro erreicht. Das impliziert immerhin jährliche Wachstumsraten von 6,5 Prozent für den deutschen Markt.

(lukra/dpa)