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Galeria Karstadt Kaufhof schließt 62 Häuser

Konzern in der Krise : Galeria Karstadt Kaufhof schließt 62 Häuser

Geschäftsführung und Arbeitnehmervertreter von Galeria Karstadt Kaufhof haben sich offenbar auf den Abbau von 6000 Stellen geeinigt. An welchen Standorten die Warenhäuser geschlossen werden müssen, soll den Mitarbeitern in den betroffenen Städten Freitag gesagt werden.

Bei den zähen Verhandlungen um die Zukunft des Warenhauskonzerns Galeria Karstadt Kaufhof ist offenbar ein Kompromiss gefunden worden. Statt der bisher geschätzten 80 Niederlassungen sollen nun „nur“ noch 62 Häuser geschlossen worden. Darauf haben sich die aktuelle Geschäftsführung des Unternehmens und die Arbeitnehmervertreter verständigt. Laut „Kölner Stadt-Anzeiger“ sollen dem Abbau auch 6000 Arbeitsplätze zum Opfer fallen. An welchen Standorten die Warenhäuser geschlossen werden müssen, soll den Mitarbeitern in den betroffenen Städten am Freitag mitgeteilt werden. Der Konzern äußerte sich bis zum Abend nicht.

Mit einer Einigung stünde eine monatelange Hängepartie zumindest vor einem vorübergehenden Abschluss. Dem ausgehandelten Plan müsste noch der Gläubigerausschuss zustimmen, der sich am kommenden Montag trifft. Danach würde der Sanierungsplan dem zuständigen Amtsgericht vorgelegt. Wäre das bis zum Monatsende nicht passiert, wäre das Schutzschirmverfahren, in dem sich Galeria Karstadt Kaufhof gegenwärtig befindet, in ein reguläres Insolvenzverfahren übergegangen. Bis dahin war das Unternehmen vor dem Zugriff der Gläubiger geschützt.

In der Belegschaft der Warenhauskette ist der Groll trotz des gegenüber den bisherigen Planungen leicht abgemilderten Sanierungsprogramms groß. „Morgen verlieren Tausende von Menschen ihren Arbeitsplatz, und die Betriebsräte sind nicht darauf vorbereitet“, bemängelt die langjährige Betriebsrätin Iris Geiger im ntv-Interview. Immerhin ist es in den Verhandlungen aber offenbar gelungen, den bestehenden Sanierungstarifvertrag um zwei Jahre bis Ende 2026 zu verlängern. Der bisherige Vertrag sah vor, dass es bis Ende des Jahres 2024 keine Standortschließungen geben sollte (auch in den Städten mit zwei oder mehr Warenhäusern nicht) und auch keine betriebsbedingten Kündigungen. Diese Sicherheit für die Beschäftigten war aber durch das Schutzschirmverfahren geplatzt.

Galeria Karstadt Kaufhof kämpft schon seit geraumer Zeit mit großen Problemen. Die Corona-Krise mit den vorübergehend erzwungenen Schließungen aller Kaufhäuser hat die Schwierigkeiten des Unternehmens noch verschärft. Für das laufende Jahr wurde zuletzt mit einem Umsatzminus in Millardenhöhe gerechnet.

Im April hatte der Konzern das Schutzschirmverfahren beantragt, nachdem Verhandlungen mit Banken über neue Kredite sich aus Sicht des Unternehmens zu lange hingezogen hatten.

Vor zehn Tagen hatte der bisherige Vorstandsvorsitzende Stephan Fanderl überraschend seinen Rücktritt angeboten und sich mit dem Unternehmen auf sein Ausscheiden verständigt. Zuvor hatte die Gewerkschaft Verdi seinen Abgang gefordert.