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Arbeitslosigkeit: Für die Jugend wird sich das Blatt bald wenden

Arbeitslosigkeit : Für die Jugend wird sich das Blatt bald wenden

Düsseldorf (RPO). Die weltweite Jugendarbeitslosigkeit ist auf einem Rekordhoch. Experten warnen bereits vor einer "verlorenen Generation". Doch schon in wenigen Jahren wird sich das Blatt Experten zufolge wenden: Denn auf die geburtenstarken Jahrgänge der "Baby-Boomer-Generation" folgten immer geburtenschwächere. Junge Arbeitnehmer sehen Experten schon bald auf der Gewinnerseite – zumindest, wenn sie gut ausgebildet sind.

Düsseldorf (RPO). Die weltweite Jugendarbeitslosigkeit ist auf einem Rekordhoch. Experten warnen bereits vor einer "verlorenen Generation". Doch schon in wenigen Jahren wird sich das Blatt Experten zufolge wenden: Denn auf die geburtenstarken Jahrgänge der "Baby-Boomer-Generation" folgten immer geburtenschwächere. Junge Arbeitnehmer sehen Experten schon bald auf der Gewinnerseite — zumindest, wenn sie gut ausgebildet sind.

Deutschland hat in der Krise ein kleines Jobwunder erlebt — und der jüngste konjunkturelle Aufschwung kam auch am Arbeitsmarkt an. Nur an einem Großteil der Jugend geht die Wirtschaftserholung offenbar vorbei: Die Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland unter den 15- bis 24-Jährigen ist doppelt so hoch wie beim Rest der Bevölkerung. Und diejenigen, die aus der schon sprichwörtlich gewordenen "Generation Praktikum" Arbeit haben, hangeln sich oft von Job zu Job. Viele arbeiten nur geringe Stundenzahlen oder in befristeten Verträgen. Seit 2000 ist die Zahl so genannter atypischer Beschäftigung unter den 15 bis 24-Jährigen um 40 Prozent gestiegen.

Deutsche Jugend steht im Vergleich gut da

Dabei steht die Jugend in Deutschland noch vergleichsweise gut da, wie der jüngste Jugendarbeitsmarktbericht der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) zeigt (siehe: Jugendarbeitslosigkeit im internationalen Vergleich). Insbesondere in Süd- und Osteuropa sieht es noch deutlich düsterer aus. In Spanien beträgt die Jugendarbeitslosigkeit inzwischen 37,9 Prozent. In Deutschland sind es elf Prozent. Dies sind allerdings immer noch 50 Prozent mehr als in der Gesamtbevölkerung, wo die Arbeitslosigkeit derzeit bei rund 7,7 Prozent liegt.

Doch das Blatt könnte sich bald wenden: Nach den geburtenstarken Jahrgängen 1955 bis 1970, den so genannten "Baby Boomern", bekamen die Deutschen im Trend immer weniger Kinder. "Es gibt schon heute nur etwa halb so viele 15-Jährige wie Baby Boomer", sagt Johann Fuchs, Experte für Demographie am Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB). "Wir wissen genau, was in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren auf dem Arbeitsmarkt auf uns zukommt". Bis die besonders geburtenstarke Generation in Rente geht, dauert es zwar noch — doch Deutschland verliert jetzt bereits jedes Jahr Arbeitskräfte. "Dieser demografische Faktor verstärkt sich mit der Zeit noch", so der Experte.

Wettbewerb um die besten Köpfe

Unternehmensberater und Arbeitsmarktexperten warnen daher seit Jahren vor einem demographischen Problem für die Unternehmen. Für die gut qualifitierten jungen Arbeitnehmer der Zukunft sind das gute Nachrichten: "Unternehmen werden sich noch intensiver um die besten Köpfe bemühen müssen", sagt Arbeitsmarktexperte Fuchs.

Eine im Sommer veröffentlichte Studie des IAB geht davon, dass die Unterbeschäftigung daher langfristig stark zurückgeht. Demnach wird die Nachfrage nach Arbeitskräften zumindest in Westdeutschland noch weiter steigen. Insgesamt 1,5 Millionen Jobs sollen der Studie zufolge bis 2025 in Branchen wie Forschung und Entwicklung, Software und Ingenieurdienstleistungen, Rechts-, Steuer- und Unternehmensberatung, Werbung und PR, aber auch bei der Leiharbeit entstehen, zeigt die IAB-Analyse.

Zwiegespaltener Arbeitsmarkt

Schon heute fordern Stimmen aus Wirtschaft und Politik eine Debatte über qualifizierte Zuwanderung, weil sich in einigen dieser Branchen bereits jetzt der Fachkräftemangel bemerkbar macht. Andererseits werden es die Verlierer von heute auch auf dem Arbeitsmarkt der Zukunft ebenfalls schwer haben. "Die Ansprüche der Arbeitgeber steigen, die Aufgaben werden anspruchsvoller", so Fuchs. Das sei ein längerfristiger Trend.

Die Folge ist ein zwiegespaltener Arbeistmarkt: Auf der einen Seite Fachkräftemangel, der möglicherweise über qualifizierte Zuwanderung aufgefangen wird — auf der anderen Seite eine immer noch hohe Arbeitslosigkeit bei Geringqualifizierten. "Für schlecht Qualifizierte wird es vielleicht noch schwerer als jetzt", warnt Fuchs. Doch auch wer bei den schulischen Leistungen schwach ist, hat noch Chancen, meint der Experte. "Wer zumindest die Schlüsselqualifikationen wie Zuverlässigkeit und Motivation besitzt, hat auch als Geringsqualifizierter Chancen auf dem Arbeitsmarkt", ist er überzeugt. Und der demographische Wandel habe auch auf den Arbeitsmarkt für Geringqualifizierte zumindest einen entastenden Effekt.

Hier geht es zur Infostrecke: August 2010: EU-Jugendarbeitslosigkeit im Vergleich