Renten-Chef Rische im Interview: Freiwillige Beiträge für die Rente

Renten-Chef Rische im Interview : Freiwillige Beiträge für die Rente

Düsseldorf (RP). Der Präsident der Deutschen Rentenversicherung, Herbert Rische, fordert im Interview mit unserer Redaktion die Möglichkeit für freiwillige Zusatzbeiträge zur Rentenversicherung, um individuell den Wohlstand im Alter zu sichern. Außerdem erklärt er, warum die Renten im Osten stärker steigen als im Westen.

Warum ist die Rentenkasse so gut gefüllt?

Rische Die Löhne und die Zahl der Beschäftigten haben sich positiv entwickelt. Das führt auch zu Mehreinnahmen für die Rentenversicherung. Bei den Pflichtbeiträgen verzeichnen wir für dieses Jahr bislang ein Plus von mehr als vier Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Werden die Rentner auch künftig mit Zuwächsen rechnen können?

Rische Auch wenn wir für 2012 eine voraussichtliche Rentensteigerung von 2,3 Prozent im Westen und 3,2 Prozent im Osten genannt haben, wird die genaue Rentenanpassung erst im Frühjahr festgesetzt. Die Prognose für die folgenden Jahre ist schwierig. Wenn aber die wirtschaftliche Entwicklung so weitergeht, dann wird es auch in den folgenden Jahren positive Rentenanpassungen geben.

Warum fällt die Rentenerhöhung im Osten üppiger aus als im Westen?

Rische Das ist keine Bevorzugung der Rentner im Osten. Vielmehr ergibt sich das aus der gesetzlichen Rentenformel. Im Westen ist der Ausgleichsbedarf aufgrund nicht vollzogener Rentenkürzungen in früheren Jahren größer als im Osten. Es ist gut, dass die Politik in diesem Punkt konsequent ist und die Verpflichtungen aus den Vorjahren tatsächlich abträgt. Im Osten wird dieser Ausgleichsbedarf voraussichtlich im Jahr 2013 und im Westen 2014 abgebaut sein.

Die Regierung will nun etwas gegen die drohende Altersarmut der Zukunft unternehmen. Ist das, was bisher vorgelegt wurde, zielführend?

Rische Das vorrangige Ziel der Regierung ist es, den Menschen zu einer auskömmlichen Rente zu verhelfen, die lange in die Rentenkasse einbezahlt haben und auch mit niedrigen Einkommen noch zusätzlich privat vorgesorgt haben. Es ist grundsätzlich richtig, Auffanglösungen für Menschen zu schaffen, die viele Jahre im Niedriglohnsektor gearbeitet haben. Das Problem liegt aber nicht im Rentensystem, sondern bei der Lohnfindung. Wir müssen aufpassen, dass mit einer solchen Auffanglösung der Niedriglohnsektor nicht auch noch subventioniert wird.

Sie fordern, dass die Versicherten freiwillig Zusatzbeiträge in die Rentenversicherung einzahlen können sollen. Wie kann das funktionieren?

Rische Es wäre sinnvoll, wenn die Bürger die Möglichkeit hätten, freiwillig zusätzlich in die Rentenversicherung einzuzahlen und sich damit im Fall eines vorgezogenen Renteneintritts ein Polster verschaffen könnten. Solche Modelle könnten auch tarifvertraglich geregelt werden.

Sollten solche Zusatzbeiträge grundsätzlich paritätisch von Arbeitgebern und Arbeitnehmern finanziert werden?

Rische Es ist im Sinne der Versicherten anzustreben, dass es eine paritätische Finanzierung gibt. Wir würden uns aber auch mit Vorschlägen auseinandersetzen, die ungleichgewichtige Finanzierungsanteile vorsehen.

Lohnt sich das denn?

Rische Die gesetzliche Rentenversicherung hat für die Rentner, die heute in Rente gehen, eine Rendite bis zu vier Prozent. Für künftige Rentner wird sie bei rund drei Prozent liegen.

Sollten die Beiträge in das Umlagesystem eingespeist oder als Kapitalstock angelegt werden?

Rische In der Rentenversicherung ist es vernünftiger, es in das Umlagesystem einzuspeisen, als einen eigenen Kapitalstock aufzubauen.

Werden wir in zehn Jahren von der Rische-Rente sprechen?

Rische (lacht) Nicht jede Rente muss mit R anfangen wie Riester oder Rürup. Mir wäre es lieber, es gäbe einen anderen Namen.

(RP)
Mehr von RP ONLINE