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Facebook-Chefin Sheryl Sandberg: "Frauen sollen endlich wie Kerle auftreten"

Facebook-Chefin Sheryl Sandberg : "Frauen sollen endlich wie Kerle auftreten"

Facebook-Chefin Sheryl Sandberg tritt mit umstrittenen Thesen eine neue Feminismus-Debatte in den USA los.

Wie Frauen den Richtigen finden? Um die Spreu vom Weizen zu trennen, empfiehlt die Amerikanerin Sheryl Sandberg, sollten sie einfach ein Rendezvous platzen lassen, es mit beruflichen Verpflichtungen begründen und beobachten, wie der Partner in spe reagiert.

Bleibt er cool, könnte der zweite Test folgen, die Frage, ob er sie auf einem Businesstrip begleiten wolle, zum Beispiel ins brasilianische São Paulo. Damit wären selbstverliebte Machos schon mal ausgesiebt, schreibt die Mutter zweier Kinder in "Lean In" (Etwa: "Häng Dich rein"), einem nächste Woche erscheinenden Buch, mit dem sie Akzente setzen will in der Geschlechterdebatte.

Sheryl Sandberg (43) hat in Harvard studiert, Abschluss mit summa cum laude, bei der Weltbank gearbeitet, im Finanzministerium und — während der Präsidentschaft Bill Clintons — den Stab des Ressortchefs Larry Summers geleitet. Sie war Vize bei Google, von wo Mark Zuckerberg sie zu Facebook lotste, weil er eine effiziente Organisatorin fürs operative Geschäft brauchte.

In der High School wurde der blitzgescheiten Arzttochter von ihren Mitschülern bescheinigt, sie sei diejenige ihres Jahrgangs, die im Beruf am ehesten Erfolg haben werde. Prompt bat Sandberg einen Freund, den Eintrag aus dem Entwurf des Schuljahrbuchs zu löschen. Beim Abschlussball wollte sie nicht solo dastehen, verschrien als überehrgeizig.

"Sogar Zeit unter der Dusche"

Um Unterschiede zwischen Männern und Frauen im Büro zu illustrieren, zitiert sie Larry Summers, ihren früheren Mentor. Der legte seiner Frau Vicki, einer Steueranwältin, ans Herz, endlich "Rechnungen zu schreiben, wie Jungs es tun". Vicki und ihre Kolleginnen räumten Klienten freiwillig Rabatt ein, wenn sie an bestimmten Tagen nicht in Bestform waren — ein Gebot der Fairness. Männliche Advokaten dagegen berechneten alles, "sogar Zeit unter der Dusche". Welche Sorte von Anwälten, fragt Sheryl Sandberg rhetorisch, ist wohl wertvoller für die Kanzlei?

Dass von den 500 US-Spitzenunternehmen nur 21 von Frauen geführt werden, obwohl diese mittlerweile 60 Prozent aller College-Abschlüsse in der Tasche haben — die Autorin führt es auf weibliche Zurückhaltung zurück.

Auf selbst errichtete Barrieren, nicht nur auf solche, die konservativ gesinnte Bosse in den Weg stellten. Zugespitzt formuliert: auf leise Töne in einer Welt lärmender Selbstdarsteller. "Wir machen uns das Leben schwer, indem wir unsere Hände nicht heben, indem wir uns zurücknehmen, wo wir uns reinhängen sollten."

"Keine Tränenstorys"

Das soll sich ändern, nicht zuletzt durch ein dichtes Netz von "Lean-In"-Zirkeln, die Sandberg in Anlehnung an ihren Buchtitel zu gründen gedenkt. In den Clubs sollen sich ambitionierte Frauen monatlich treffen, um von den Besten Lektionen zu lernen: effektives Management, Selbstbehauptung.

Tränenstorys, stellt die Initiatorin klar, sind nicht erwünscht, Erfolgsgeschichten dagegen sehr. Frauen sollten endlich wie Kerle auftreten. Manchen klingt das zu forsch und zu lebensfremd. "Sheryl Sandberg ist sowohl übermenschlich als auch steinreich", sagt die Akademikerin Anne-Marie Slaughter, im öffentlichen Diskurs die prominenteste Gegenspielerin der Facebook-Managerin.

Die reale Welt, Slaughter hat sie eindrücklich geschildert, im vorigen Sommer in einem Essay des Magazins "Atlantic". Einst Planungschefin Hillary Clintons im Außenministerium, erzählte sie von den Gewissenbissen, die an ihr nagten, als sie bei einem hochkarätigen New Yorker Empfang anlässlich der UN-Generaldebatte Champagner trank und dabei nicht aufhören konnte, an ihren pubertierenden Sohn zu denken, der seine Lehrer fast zur Verzweiflung brachte.

Ausgestattet mit dicken Aktienpaketen

Theoretisch gelte der Grundsatz völliger Gleichberechtigung, schrieb Slaughter, in der Praxis sei das Ideal noch immer "der Mann, der rund um die Uhr einsatzbereit ist, weil seine Gattin ihm daheim den Rücken freihält". Für weniger perfekte, weniger wohlhabende Geschlechtsgenossinnen hätten Sandbergs Ratschläge nur eingeschränkt Sinn.

Ausgestattet mit dicken Aktienpaketen könne sich die Milliardärin sowohl eine standesgemäße Villa als auch ein Heer Bediensteter leisten. Ihr Ehemann Dave Goldberg leitet Survey Monkey, eine Hightechfirma — ein Musterpaar, das die Niederungen der Ebene nicht mehr versteht?

In der US-Realität sind bezahlbare Kindergartenplätze rar und Kindermädchen zumindest in den Großstädten zu teuer. Was kluge, gebildete Frauen in Wahrheit brauchten, meint die Feministin Avivah Wittenberg-Cox, seien eine bessere Kinderbetreuung und flexiblere Arbeitszeiten. Und aufgeklärte Chefs, die "ihnen einen Platz am Tisch geben, selbst wenn sie nicht mit der Faust daraufschlagen".

Hier geht es zur Bilderstrecke: Sheryl Sandberg - Facebooks Frau fürs große Geld

(RP/csr/sap)