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Flughafen Köln/Bonn: Schwere Vorwürfe gegen Kötter

Flughafen Köln/Bonn : Schwere Vorwürfe gegen Sicherheitsfirma Kötter

Mitarbeiter der Sicherheitsfirma bezichtigen einen Betriebsleiter der Nötigung, Erpressung und Korruption. Derweilen hat das Landesverkehrsministerium wegen Unregelmäßigkeiten bei Schulungen Strafanzeige gegen Kötter gestellt.

Die Essener Firma Kötter gerät immer stärker wegen Vorgängen am Flughafen Köln/Bonn unter Druck. In einem Brief an den Chef der Kötter-Tochter Airport Security, Klaus Wedekind, und die Gewerkschaft Verdi erheben Mitarbeiter schwere Vorwürfe gegen einen Vorgesetzten. In dem Schreiben, das unserer Redaktion vorliegt, wird Betriebsleiter D. als "korrupter Mensch" bezeichnet. Mitarbeiter, die längere Zeit krank waren, sollen von ihm nach ihrer Rückkehr unter Druck gesetzt worden sein, einen Vertrag mit weniger Arbeitsstunden zu unterschreiben. Einer Mitarbeiterin, die sich weigerte, soll der Mann die Bürotür versperrt haben. Erst als diese drohte, die Polizei zu rufen und darauf verwies, dass es sich um Freiheitsberaubung handele, habe er die Frau gehen lassen.

Zudem heißt es, D. bestehe darauf, dass Beschäftigte ihm teure Süßigkeiten - mindestens ein bis zwei Kilogramm türkisches Baklava - zur Verfügung stellten, um eine Entfristung ihres Vertrages zu bekommen. "Dienständerungen oder Urlaube werden erst nach Bestechung seitens Herrn D. genehmigt." Zudem vergebe der beschuldigte Betriebsleiter besondere Vergünstigungen für einzelne Mitarbeiter.

"Nicht mehr bereit zu schweigen"

Einer der Verfasser des Schreibens, der aus Angst um seinen Arbeitsplatz nicht namentlich genannt werden will, bekräftigte im Gespräch mit unserer Redaktion die Vorwürfe: "Wir sind nicht mehr bereit, über das Vorgehen des Betriebsleiters zu schweigen und haben uns deshalb an Herrn Wedekind und Verdi gewandt."

Ein Kötter-Sprecher erklärte: "Geschäftsführung und Betriebsrat der Kötter Airport Security GmbH weisen die Vorwürfe gemeinsam zurück. Sie entbehren jeder Grundlage." Verdi erklärte dagegen, den Vorwürfen nachzugehen und leitete den Brief an das Flughafen-Management und das NRW-Verkehrsministerium weiter. "Wir haben die Firma Kötter um umgehende, umfängliche Aufklärung des Sachverhalts und um Mitteilung der Prüfergebnisse gebeten und die Aufsichtsbehörde davon in Kenntnis gesetzt", sagte ein Flughafen-Sprecher.

Im Ministerium hieß es: "Zu den in dem Schreiben der Mitarbeiter erhobenen Vorwürfen gegen den dortigen Betriebsleiter, die das Arbeitsklima im Unternehmen betreffen, kann sich das Ministerium nicht äußern." Für Probleme zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer sei grundsätzlich der Betriebsrat zuständig. "Nur in Fällen, in denen es um die Arbeitsleistung des Unternehmens geht, sind der Flughafen und das NRW-Verkehrsministerium zuständig", sagte eine Sprecherin.

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Tätig wird das Ressort von Michael Groschek (SPD) dagegen in einem anderen Fall: Gemeinsam mit der Bezirksregierung Düsseldorf stellte es Strafanzeige gegen Kötter. Hintergrund sind Vorwürfe zu gefälschten Schulungsnachweisen, über die unsere Redaktion zuerst berichtete. Bei einer Überprüfung seien Unregelmäßigkeiten festgestellt worden, erklärte das Ministerium. "Eine Beeinträchtigung der Sicherheit liegt nicht vor, weil nur Beschäftigte mit der gesetzlich notwendigen Zertifizierung am Flughafen tätig sind", teilte die Sprecherin mit.

Unregelmäßigkeiten bei Fortbildungen

Bei einer Kontrolle durch EU-Behörden waren im vergangenen Jahr Sicherheitsmängel festgestellt worden. Daraufhin hatte die Behörde eine umfassende Nachschulung aller Beschäftigten von je 14 Stunden angeordnet. Diese blieb offenbar aus. Zudem müssen die Beschäftigten alle drei Jahre rezertifiziert werden. Dafür sind jährliche Fortbildungen im Umfang von 36 Stunden vorgeschrieben. "Bei einem Teil dieser Fortbildungen aus dem Jahr 2016 wurden die Unregelmäßigkeiten festgestellt", teilte das Ministerium nun mit. "Daher sind die Verantwortlichen angewiesen worden, die Mitarbeiter innerhalb von zwei Monaten nachzuschulen."

Der zuständige Verdi-Gewerkschaftssekretär Özay Tarim forderte Konsequenzen: "Wir weisen seit Jahren darauf hin, dass bei Kötter einiges im Argen liegt. Die Strafanzeige und der Brief der Mitarbeiter sind die jüngsten Belege dafür." Tarim verlangte auch personelle Veränderungen in der Führungsetage: "Statt die Dinge zu ignorieren sollte das Management jetzt handeln. Herr Wedekind als Hauptverantwortlicher der Misere hat eindrucksvoll gezeigt, dass er der falsche Mann für den Job ist. Es ist unverständlich, warum das Kötter-Management immer noch an ihm festhält. Jetzt wäre der geeignete Zeitpunkt für einen personellen Neuanfang - auch um das Vertrauen der Mitarbeiter wiederherzustellen." Kötter müsse die Probleme zügig abstellen - ansonsten drohe der Verlust des Auftrags in Köln/Bonn, so Tarim.

(maxi)