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Flüge für Erntehelfer: Grünen-Politiker Friedrich Ostendorff fordert Stopp

Streit um Spargelernte : Grünen-Politiker fordert Stopp von Erntehelfer-Flügen

Seit Donnerstag werden Saisonarbeiter aus Osteuropa nach Deutschland geflogen – auch nach Düsseldorf. Das sorgt nicht nur in Rumänien für Ärger: Grünen-Politiker Ostendorff fordert jetzt den sofortigen Stopp der „Spargelstecher-Luftbrücke“.

Die Einreise von osteuropäischen Erntehelfern mit dem Flugzeug hat erst am Donnerstagmittag begonnen, sorgt aber bereits jetzt für Ärger: Der agrarpolitische Sprecher der Grünen im Bundestag, Friedrich Ostendorff, fordert den sofortigen Stopp von Sonderflügen für Erntehelfer nach Deutschland. Er bezeichnet die Aktion als „skandalös und in jeder Hinsicht unverantwortlich“. Ostendorff nennt dafür mehrere Gründe: Er spricht von „chaotischen Zuständen“ am Flughafen im rumänischen Cluj (etwa 450 Kilometer nordwestlich von Bukarest), wo Hunderte Erntehelfer dicht gedrängt darauf warteten, um in die Flugzeuge zu steigen.

Tatsächlich hat die Staatsanwaltschaft in Rumänien Ermittlungen wegen des mutmaßlichen Verstoßes gegen das Seuchengesetz eingeleitet, nachdem es am Flughafen in Cluj zu dichtem Gedränge unter Saisonarbeitern gekommen war.

Friedrich Ostendorff kritisiert darüber hinaus, dass die Sicherheitsabstände in den Flugzeugen nicht eingehalten würden. Die Fluggesellschaft Sunexpress, die seit Donnerstag genau wie Eurowings und Tuifly Erntehelfer-Flüge nach Deutschland durchführt, fliegt nach eigenen Angaben „voll bestuhlt“. Nach Informationen unserer Redaktion will lediglich der Ferienflieger Condor, der ebenfalls Erntehelfer-Flüge nach Düsseldorf anbieten will, jeweils den mittleren Platz in den Sitzreihen aus Sicherheitsgründen freilassen. Ob Infektionen dadurch effektiv vorgebeugt werden kann, erscheint jedoch fraglich.

Auf Kritik stoßen derweil auch die Gesundheitschecks bei der Einreise der Erntehelfer, die an manchen deutschen Flughäfen von privaten Dienstleistern durchgeführt werden. So ist es auch am Flughafen Düsseldorf. Ostendorff kritisiert, dass die Checks, die aus dem Ausfüllen eines Fragebogens und einem Temperaturmessen bestünden, keinerlei Sicherheit böten. „Sie gaukeln diese lediglich vor.“ Und weiter: „Es macht den Eindruck, dass für billigen Spargel alle gesundheitlichen Bedenken und ernsthafte Vorsorgemaßnahmen beiseitegeschoben werden“, sagt Ostendorff.

Die von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) und Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) versprochenen „strengen Auflagen" im Hinblick auf den Gesundheitsschutz für die Einreise der Saisonarbeitskräfte hielten nach Ansichten des Grünen-Politikers zum jetzigen Zeitpunkt keiner Überprüfung stand. „Dieser Start lässt erhebliche Zweifel aufkommen, wie die Umsetzung der verpflichtenden Hygienemaßnahmen und die Kontrolle in den Betrieben weitergehen sollen“, sagt er und fordert: „Klöckners Spargelstecher-Luftbrücke muss angesichts dieser Verhältnisse sofort ausgesetzt werden.“

Die Bundesregierung hatte den wegen Corona verhängten Einreisestopp so angepasst, dass im April und Mai jeweils 40.000 Saisonarbeiter mit dem Flugzeug einreisen dürfen – zur Erleichterung zahlreicher Landwirte, die mit Blick auf die Ernte von Spargel und Erdbeeren vielfach auf die Unterstützung von Saisonarbeitern angewiesen sind. Klöckner hatte am Donnerstag auf die Bedeutung der Unterstützung durch Erntehelfer hingewiesen: Es ginge nicht nur um die Ernte von Spargel, sondern auch um die Pflanzung anderer Kulturen: „Wir sind weltweit größter Importeur von Obst und Gemüse. Das zeigt schon, wie wie abhängig wir sind von Obst und Gemüse aus dem Ausland. Umso wichtiger ist, dass wir das, was wir selbst anbauen können, auch pflanzen.“

Klöckner verwies zudem auf die Gesundheitschecks, die bei allen Erntehelfern, die einreisten, durchgeführt würden. Ostendorff, der zur Landung des ersten Erntehelfer-Flugs nach Düsseldorf gefahren war, hatte am Donnerstag bezweifelt, die Checks würden von qualifiziertem Fachpersonal durchgeführt. Er sagte: „Das Gesundheitsamt der Stadt Düsseldorf verschanzt sich hinter Eurowings.“ Die Fluggesellschaft wirbt auf ihrer Internetseite dafür, die Gesundheitschecks für die Landwirte zu übernehmen. Auf Anfrage bestätigte das Unternehmen, dass ein privater Dienstleister damit beauftragt sei.

Die Stadt Düsseldorf hatte erklärt, dass die Checks sehr wohl von medizinischem Fachpersonal durchgeführt würden. Rumänien zähle bisher nicht zu den Risikogebieten. „Das bedeutet, wenn bei einem Erntehelfer keine typischen Krankheitssymptome festgestellt werden, kann dieser weiterreisen“, hatte ein Sprecher gesagt.