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Fitnessstudio in Zeiten von Corona: Clubs hoffen auf Solidarität ihrer Mitglieder

Clubs in Not : Fitnessstudios hoffen auf Solidarität ihrer Mitglieder

Die meisten Sportler zahlen weiterhin solidarisch ihre Beiträge. Die Verunsicherung ist jedoch groß. Gefragt sind Trainings-Alternativen. Die können große Ketten eher bieten als mittelständische Unternehmen.

Eigentlich hatten sich viele Kunden von Michael Moormann über die Nachricht gefreut, dass Geschäfte unter 800 Quadratmetern Fläche wieder öffnen dürfen. Denn „ihr“ Fitnessstudio ist nur 700 Quadratmeter groß. „Deshalb haben mich viele angerufen und gefragt, wann es wieder losgeht“, sagt Moormann, der die Türen seines „Olymp Fitness-Centers“ in Düsseldorf gerne geöffnet hätte, seine Kunden aber vertrösten musste: Moormann darf nicht öffnen. Fitnessstudios bleiben für Sportler weiter tabu, um menschliche Kontakte zu minimieren. Gleiches gilt für Solarien, Saunen und Bäder. Fitnessstudio-Inhaber wie Moormann fühlen sich missachtet. „Man könnte den Eindruck haben, dass wir gar nicht existieren“, sagt er verärgert. Noch hätten seine Kunden – viele trainieren seit Jahrzehnten bei ihm – Verständnis für die Situation und zahlten weiter ihre Beiträge. „Nur wie lange noch“, fragt der Düsseldorfer, der etwa wegen des fehlenden Thekengeschäfts erhebliche finanzielle Einbußen hinnehmen muss. Die 3000 Euro Corona-Soforthilfe, die er nun drei Monate in Folge erhält, reichen nicht einmal für die Miete. „Ich gehe jetzt an meine Altersvorsorge“, sagt er. Gleichwohl rühre ihn die Solidarität seiner Kunden, die die verloren gegangene Trainingszeit nach Vertragsende kostenfrei nachholen könnten.

So eine Regelung hat auch die Kette FitX getroffen, die mit 45 Studios zu den größten Anbietern in NRW zählt. Mit der jüngsten Entscheidung hatte man gerechnet. „Es ist jedoch wichtig, dass zeitnah Perspektiven für eine schrittweise Aufhebung der Beschränkungen geschaffen werden. Bewegung stärkt das Immunsystem und wirkt stimmungsaufhellend“, sagt Sprecher Alexander Morel. Bisher hielten FitX-Mitglieder ihrem Club die Treue: Nur wenige beantragten eine Ruhezeit, auch gebe es kaum Rückläufer bei Lastschrift-Einzügen. Die Kette hat andere Möglichkeiten als Mittelständler, ihre Mitglieder in der Krise zu bedienen: So hat FitX Dutzende Videos zum Trainieren daheim veröffentlicht, auch gibt es Live-Workshops. Und trotzdem: „Unsere digitalen Angebote können den stationären Betrieb ergänzen, aber nicht ersetzen“, sagt Morel.

Auch FitX würde gerne öffnen. Forderungen danach werden beim Arbeitgeberverband Fitness- und Gesundheits-Anlagen laut. „Hygiene- und Abstandsregeln sind in Studios leichter einzuhalten als in Baumärkten, wo sich viele Menschen tummeln“, sagt Verbandschefin Birgit Schwarze. Sie hofft, dass es im Mai Lockerungen gibt und die zwölf Millionen Menschen in Deutschland, die in Studios angemeldet sind, wieder trainieren können. Fitnessstudios seien bereit, einzelne Geräte zu sperren, Mundschutz zu verteilen und die Verweildauer zu kontrollieren.