Firmenpleiten: Was aus Schlecker, Quelle oder Horten wurde

Kaiser's wird zu Edeka : Das zweite Leben von Hertie, Horten und Co.

Wenn Firmen pleite sind, muss es ihnen nicht so gehen wie Schlecker oder Strauss Innovation. Viele Geschäfte bestehen nach einer Übernahme unter neuem Markennamen weiter, wie nun auch die Kaiser's-Filialen in NRW. Doch was wurde aus Hertie, Horten und Quelle?

Kunden müssen sich oft nur an einen neuen Namen gewöhnen, wenn ein Supermarkt, eine Drogerie oder ein Warenhaus in der Nähe pleite ist. Denn viele Standorte werden einfach von anderen Firmen übernommen. Derzeit bereiten sich Edeka und Rewe auf die Übernahme der Kaiser's-Tengelmann-Filialen vor. Auch bei einer Geschäftsübernahme, bleiben die ursprünglichen Markennamen vielen Kunden trotzdem im Gedächtnis.

  • Schlecker

Am 23. Januar 2012 meldete der Kaufmann Anton Schlecker Insolvenz an. Ihm gehörte zu diesem Zeitpunkt die größte deutsche Drogeriekette. Es folgte eine der spektakulärsten Firmenpleiten in Deutschland. 25.000 Menschen verloren ihren Job. Die Gläubiger forderten rund eine Milliarde Euro. Firmeninhaber Anton Schlecker muss sich nun im März 2017 wegen vorsätzlichen Bankrotts vor dem Landgericht Stuttgart verantworten. Das Handelsunternehmen aus Baden-Württemberg hatte zu seinen Bestzeiten rund 9000 Märkte im In- und Ausland. Der Versuch eines österreichischen Investors, einen Teil der Filialen mit dem Konzept eines modernen Tante-Emma-Ladens unter dem Namen Dayli wiederzubeleben, scheiterte 2013. Dayli ging selbst Pleite.

  1. Ihr Platz

Die Drogeriekette Ihr Platz gehörte zu Schlecker. Im März 2012 musste Ihr Platz aber ebenfalls Insolvenz anmelden. Einzelne Filialen wurden nach dem Franchise-Prinzip weitergeführt, andere wurden von Rossmann übernommen.

  1. Praktiker/Max-Bahr

Praktiker zeigte im Juli 2013 seine Zahlungsunfähigkeit an und ging ins Insolvenzverfahren. Der Konzern steuerte schon seit Jahren wegen einer missglückten Rabatt-Strategie, häufiger Führungswechsel und einer unklaren Standortpolitik in die Krise. Für die komplette Kette fand sich kein Investor. Aber einzelne Standorte wurden von Obi oder Hagebau übernommen.

  1. Plus

Viele werden sich noch an die Werbung mit den "kleinen Preisen" erinnern. Damit versuchte der Discounter Plus Kunden anzulocken. 2007 gaben Edeka und Tengelmann die Gründung eines gemeinsamen Supermarktunternehmens unter dem Namen "Plus" bekannt. Seit 2009, nachdem Tengelmann ausgestiegen ist, heißt Plus jetzt Netto.

  1. Hertie

Die Kaufhauskette Hertie geht auf den jüdischen Kaufmann Oscar Tietz zurück, der Ende des 19. Jahrhunderts sein erstes Warenhaus eröffnete. Finanziert wurde das Unternhmen von seinem Onkel Hermann Tietz. Während der nationalsozialistischen Diktatur durfte der Name jedoch nicht mehr für die gleichnamigen Kaufhäuser verwendet werden. Stattdessen benannte er das Kaufhaus in "Hertie" um. Der Name setzt sich aus der Anfangssilbe des Vor- und Nachnamens zusammen. 1993 wurde Hertie von Karstadt übernommen. Auch Karstadt ist in den vergangenen Jahren finanziell ins Straucheln geraten. Hertie führt jedoch seit 2013 ein Online-Geschäft.

  1. Horten

Auf eine lange und wechselvolle Geschichte kann auch die Kaufhauskette Horten zurückblicken. Firmengründer Helmut Horten lernte im Düsseldorfer Kaufhaus Leonhard Tietz, bevor er 1933 durch die Enteignung jüdischer Unternehmer ein Kaufhaus günstig erwarb. Zwischen 1992 und 1994 übernahm Kaufhof die Horten-Warenhäuser. An der Außenfassade des Carsch-Hauses in Düsseldorf sieht man immer noch das in Stein gemeißelte Horten-Logo.

  1. Quelle

Der Quelle-Katalog ist ein Relikt des Versandhandels. Wer nicht ins Kaufhaus gehen wollte, konsultierte den Quelle-Katalog. Doch 2009 war das Versandhandelskonzept von Quelle am Ende. Das Hamburger Versandhaus Otto kaufte die Marke Quelle 2009. 2010 bestätigte ein Gericht, dass Otto auch die Adressverzeichnisse von "Quelle" nutzen darf.

  1. Urban

Anfang der 2000er Jahre bevölkerten Läden der Discount-Kette Urban die Innenstädte. Dort gab es alles: günstige Dekoartikel, Make-up und allerlei Ramsch. 2003 wurde der Verkauf an die niederländische Zeeman-Gruppe beschlossen. Zeeman erklärte sich bereit, 100 der 160 Filialen weiterzuführen. Von 1000 Arbeitsplätzen wurde nur die Hälfte gerettet.

  1. Allkauf

Die Einzelhandelskette Allkauf aus Mönchengladbach wurde 1962 gegründet. Überall in Deutschland gab es Filialen. 1998 übernahm die Metro-Group die Kette. Allkauf heißt seither Real.

Hier geht es zur Infostrecke: Diese Kaiser's-Filialen werden offenbar geschlossen

(heif)