Ehemaliges ThyssenKrupp-Werk schließt 2016: Finnen schließen Inoxum-Edelstahlwerk in Bochum

Ehemaliges ThyssenKrupp-Werk schließt 2016: Finnen schließen Inoxum-Edelstahlwerk in Bochum

Nach der Übernahme der Inoxum-Edelstahl-Sparte von ThyssenKrupp streicht Outokumpu die deutsche Edelstahlproduktion zusammen. Grund sind weltweite Überkapazitäten und die hohen Strompreise in Deutschland.

Die hohen Strompreise in Deutschland fordern ein weiteres Industrie-Opfer in NRW: Der finnische Outokumpu-Konzern, der die Edelstahl-Aktivitäten von ThyssenKrupp übernommen hat, wird Ende 2016 das Bochumer Inoxum-Werk schließen. Betroffen sind 550 Mitarbeiter. Das bestätigte eine Outokumpu-Sprecherin gestern auf Nachfrage.

Bislang hatte es bei Outokumpu geheißen, die Schließung des Werkes werde lediglich "geprüft". Eine Entscheidung dazu sollte erst im Jahr 2015 getroffen werden. Auch Inoxum-Betriebsratschef Bernd Kalwa sagte gestern noch: "Die Zukunft des Bochumer Werkes ist offen." Kalwa beruft sich auf das umfangreiche Vertragswerk, das ThyssenKrupp mit Outokumpu zum Verkauf seiner Inoxum-Edelstahlsparte an die Finnen getroffen hatte: Outokumpu übernimmt demnach die Mehrheit an Inoxum mit rund 11800 Mitarbeitern, von denen 6000 in Deutschland arbeiten.

Die Finnen hatten zwar nie einen Hehl daraus gemacht, dass sie mit einem umfangreichen Stellenabbau unter anderem in Krefeld und in Düsseldorf auf die weltweiten Überkapazitäten beim Edelstahl reagieren wollen. Die Arbeitnehmer von ThyssehnKrupp stimmten dem Verkauf an die Finnen aber trotzdem zu, weil Outokumpu versprochen hatte, auf betriebsbedingte Kündigungen bei Inoxum zu verzichten. Die Zukunft des Bochumer Inoxum-Werkes blieb in den Verhandlungen aber ausdrücklich offen.

Jetzt ist die Zukunft klar. Und sie lautet: Outokumpu wird ab 2017 in Bochum keinen Edelstahl mehr produzieren. Die den ThyssenKrupp-Mitarbeitern zugesagte "Prüfung" der Bochumer Werksschließung bezeichnete eine Sprecherin gestern als "Formalität". Über die Gründe der beschlossenen Werksschließung sagte sie nichts.

  • Fotos : Inoxum-Verkauf: Das sagen die Arbeiter

"Hohe Strompreise in Deutschland sind schuld"

Im Inoxum-Management werden die hohen Strompreise in Deutschland dafür verantwortlich gemacht. Fast nirgendwo auf der Welt ist Industriestrom so teuer wie in Deutschland. "Die Produktion von Edelstahl ist sehr stromintensiv, ThyssenKrupp hätte die Kapazitäten auch dicht gemacht", sagte gestern ein hoher Inoxum-Manager, der angesichts des Eigentümerwechsels derzeit nicht genannt werden will. Outokumpu habe genug Kapazitäten im Ausland. Angesichts der weltweiten Überkapazitäten müssten Werke stillgelegt werden. Da die Branche in Deutschland wegen der Energiewende auch dauerhaft von hohen Strompreisen ausginge, sei die Entscheidung auf die deutschen Standorte gefallen.

In der Tat hat Outokumpu bereits angekündigt, dass die Edelstahlproduktion im Krefelder Werk Ende dieses Jahres geschlossen wird. Davon sind 400 bis 450 Mitarbeiter betroffen. Ausgebaut wird hingegen die weniger stromintensive Weiterverarbeitung des Werkstoffes in Krefeld, die derzeit 1800 Mitarbeiter beschäftigt. So investiert Outokumpu in Krefeld gerade 240 Millionen Euro in den Aufbau neuer "Ferrit-Kapazitäten", die besonders hochwertige Edelstahl-Oberflächen erzeugen können. Hinzu kommen 20 Millionen Euro für ein neues Forschungszentrum in Krefeld.

Ebenfalls 2016 geschlossen wird das Edelstahlwerk in Düsseldorf-Benrath. 250 der dort derzeit noch 600 Beschäftigten wechseln nach Krefeld. Insgesamt werde Outokumpu in Europa 2000 Edelstahl-Jobs streichen, sagte die Sprecherin und bestätigte einen Bericht des Handelsblattes. Bisher war nur die Streichung von 1500 Jobs in Europa angekündigt. Die Sprecherin betonte aber, dass Outokumpu weiter von einem Abbau ohne betriebsbedingte Kündigungen ausgehe. Outokumpu wurde durch die Übernahme von Inoxum Edelstahl-Weltmarktführer.

(RP/felt)
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