1. Wirtschaft
  2. Unternehmen

Finnen drängen Uniper-Chef heraus

Krach beim Düsseldorfer Versorger : Finnen drängen Uniper-Chef heraus

Der Kampf um Unipers Unabhängigkeit löst neue Rücktritte aus: Andreas Schierenbeck tritt als Vorstandschef mit sofortiger Wirkung zurück. Der finnische Großaktionär setzt an seine Stelle den ergebeneren Klaus-Dieter Maubach.

Beim Düsseldorfer Energiekonzern Uniper gibt es neuen Krach. Nun werfen Vorstandschef Andreas Schierenbeck und Finanzvorstand Sascha Bibert das Handtuch. Sie seien nicht länger bereit, den hinhaltenden Kurs des finnischen Großaktionärs Fortum mitzutragen, heißt es in Branchenkreisen. Fortum hält über 75 Prozent an dem Düsseldorfer Konzern und lässt Management und Belegschaft seit Monaten zappeln, wie es 2022 weitergeht. Einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag haben die Finnen lediglich bis Jahresende ausgeschlossen.

Neuer Vorstandschef wird Klaus-Dieter Maubach, der bislang Aufsichtsratschef von Uniper und Aufsichtsrat bei Fortum war, wie Uniper mitteilte. Diese Ämter legt er nieder. Maubach ist den Finnen ergebener als der selbstbewusste Schierenbeck. Neuer Finanzchef bei Uniper wird die finnische Managerin Tiina Tuomela. Zwar heißt es in der Erklärung von Uniper: „Andreas Schierenbeck und Sascha Bibert verlassen Uniper in bestem gegenseitigem Einvernehmen, nachdem sie erfolgreich die Weichen für die strategische Neuausrichtung gestellt haben.“ Doch der sofortige Abgang gilt als Zeichen für einen Abschied im Zorn.

Nun müssen die 12.000 Uniper-Mitarbeiter stärker denn je bangen, was aus ihrem jungen Unternehmen und vor allem der Düsseldorfer Zentrale wird, in der allein 2500 Mitarbeiter tätig sind. Die Sorge im Konzern ist groß, dass Fortum Uniper zerlegt und die Zentrale zu einer kleinen Filiale schrumpft.

Der Konzern, in den Eon 2016 seine Kohle-, Gas- und Wasserkraftwerke abgespalten hatte, hatte sich unter seinem ersten Chef Klaus Schäfer lange erfolgreich gegen einen Übernahme durch Fortum gewehrt. Doch inzwischen hält Fortum mehr als 75 Prozent an Uniper. Schierenbeck wollte Uniper unter dem Dach der finnischen Mutter erhalten. Schierenbecks Vertrag wäre im Sommer 2022 ausgelaufen. Erst vor kurzem hatten sich Vorstand und Fortum nicht auf einen Dividenden-Ansage für die Zukunft einigen können. Allein das war ein bemerkenswerter Vorgang. Schierenbeck hat sich zwar um einen verbindlichen Ton mit Fortum bemüht. Doch der Marathon-Läufer lässt sich nicht alles gefallen – schon gar nicht die Herabstufung zum Filialleiter. Rücktritte in Vorstand und Aufsichtsrat bei Uniper gab es bereits einige.

David Bryson wird im Vorstand von Uniper weiterhin als Chief Operating Officer dienen. Auch Niek den Hollander wird weiter als Chief Commercial Officer tätig sein.

Maubach (56) ist im Eon-Konzern groß geworden. Seit einem Jahr war der Elektrotechnik-Ingenieur aus Wuppertal Chef des Aufsichtsrats von Uniper. Zwar versicherte Maubach, dass die bestehenden Sozialverträge zwischen Uniper und den Arbeitnehmern von den Vorstandsveränderungen nicht betroffen seien. Er sagte aber auch: „Gemeinsam werden wir die mit Fortum vereinbarte Strategie noch schneller in die Tat umsetzen und unsere Zusammenarbeit intensivieren." Das dürfte viele Uniper-Mitarbeiter als Drohung empfinden.