1. Wirtschaft
  2. Unternehmen

Opel-Interessent hat große Pläne: Fiat träumt vom Weltkonzern

Opel-Interessent hat große Pläne : Fiat träumt vom Weltkonzern

Düsseldorf (RPO). Fiat hat große Pläne: Die Italiener wollen sich nicht mit der Chrysler-Beteiligung und Opel zufrieden geben. Der Autohersteller will außerdem Saab und die lateinamerikanischen Aktivitäten von General Motors übernehmen -Fiat-Chef Marchionne träumt offenbar von einem Weltkonzern. Wie das hochverschuldete Unternehmen das alles stemmen will, steht noch in den Sternen.

Er ist wieder da: Fiat-Chef Sergio Marchionne ist in Deutschland, um sein Interesse an Opel zu unterstreichen. Dem Manager dürfte nicht entgangen sein, dass man hierzulande eher auf den austro-kanadischen Automobilzulieferer Magna als zukünftigen Opel-Eigner setzt. Doch alles persönliche Werben half nichts, zumindest nicht beim hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch. Der habe ihm "dringend empfohlen", am offiziellen Bieterverfahren für die GM-Tochter teilzunehmen. Ein Empfang mit offenen Armen sieht anders aus.

Trotzdem wird Marchionne sich nicht beirren lassen. Opel ist ein zentraler Baustein in seiner Vision vom Weltkonzern. Autohersteller sind derzeit günstig zu haben, also geht er auf Einkaufstour. Immerhin gilt es, beim Absatz 5,5 Millionen Fahrzeuge zu erreichen - diese Zahl nannte der Manager als kritische Masse für die internationale Wettbewerbsfähigkeit. Deswegen will Fiat neben Opel auch Saab und das General-Motors-Geschäft in Südafrika und Südamerika übernehmen. Das sehe das Konzept der Italiener vor, dass diese dem Bundeswirtschaftsministerium übergeben hätten, berichtete das "Handelsblatt".

Die Marken des neuen Weltkonzerns sollten dem Papaier zufolge jedoch weitgehend unabhängig geführt werden. Demnach würde die Führung der Marke Opel weiter im hessischen Rüsselsheim verbleiben, während Saab aus Schweden und die italienischen Marken aus Turin geführt würden. Der neue Weltkonzern, den Fiat mit seiner Autosparte, der Beteiligung am US-Autobauer Chrysler und Opel schmieden will, wäre damit laut dem Blatt noch größer als bekannt. Fiat habe in dem Konzept das Synergienpotenzial auf schätzungsweise 1,4 Milliarden Euro geschätzt. Marchionne hatte in der Öffentlichkeit bisher lediglich eine Zahl von einer Milliarde Euro genannt.

Schulden belasten Fiat

Aber wie will Fiat einen solchen Konzern auf die Beine stellen? Auch wenn die Marken eigenständig geführt werden, können die Synergien nur durch Integration der verschiedenen Unternehmen erreicht werden. Außerdem lässt die Automobilkrise auch die Turiner nicht kalt. Zwar profitiert das Unternehmen von der Abwrackprämie: In Deutschland konnte Fiat den Absatz sogar um 200 Prozent steigern. Allerdings fuhren die Italiener im ersten Quartal einen operativen Verlust in Höhe von 129 Millionen Euro vermelden. Zudem lasten 19 Milliarden Euro Schulden auf Fiat.

  • General Motors mit Mega-Verlust : Opel kürzt die Manager-Gehälter
  • Nach Bericht über internes Strategiepapier : Fiat dementiert Schließungspläne für Opel-Werke
  • Fiat gegen Magna : Die Opel-Brautwerber im Vergleich

Gleichwohl haben die Italiener eine erfolgreiche Sanierung hinter sich, die vor allem dem unkonventionell wirkenden Marchionne zuzuschreiben ist. Seit seinem Einstieg bei Fiat vor sechs Jahren brachte der studierte Philosoph, Ökonom, Jurist, Steuer- und Wirtschaftsprüfer den damals maroden Konzern im Rekordtempo auf Spur. Er verhinderte die Übernahme durch GM und schwatzte den Amerikanern noch 1,55 Milliarden Euro ab — als Ausgleich für die gescheiterte Fusion. Dann brachte er acht Gläubigerbanken dazu, einen Drei-Milliarden-Euro-Kredit nicht zurückzufordern, sondern als Kapital in Fiat einzubringen.

Damit war das 1899 gegründete Traditonsunternehmen über den Berg. Heute ist Fiat in den Bereichen Automobil (Fiat, Lancia, Alfa Romeo, Maserati und Ferrari), Agrar- und Baumaschinen, Industriefahrzeuge (u. a. Iveco) und Produktionssysteme tätig. Der Konzern, dessen Name für "Fabbrica Italiana Automobili Torino" ("Italienische Automobilfabrik Turin") steht, beschäftigt 185.000 Mitarbeiter in 178 Werken weltweit. Zuletzt verkaufte Fiat 2,15 Millionen Autos.

Aktien als Währung

Das soll sich künftig ändern. Fest steht, dass Fiat die Einkaufstour kaum in bar bezahlen kann. Mit einem Trick könnte Marchionne dieses Problem lösen: Insider berichteten, dass Fiat die Kontrolle über die GM-Aktivitäten in Europa und Lateinamerika übernehmen wolle, ohne Barmittel an den angeschlagenen Konzern aus Detroit zu überführen. Statt Bargeld biete Fiat eine Beteiligung an einer neu zu schaffenden börsennotierten Gesellschaft an, in die das Automobilgeschäft eingebracht werde.

Im Fall Opel muss sich Marchionne noch etwas in Geduld üben - und hinten anstellen. Koch ließ durchblicken, dass nach Prüfung sämtlicher Konzepte noch in diesem Monat eine Entscheidung fallen werde.

Mit Agenturmaterial.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Die Tops und Flops eines möglichen Fiat/Opel-Konzerns

(AP)