Bayerischer Finanzminister: Fahrenschon will Sparkassenpräsident werden

Bayerischer Finanzminister : Fahrenschon will Sparkassenpräsident werden

Frankfurt (RPO). Der bayerische Finanzminister Georg Fahrenschon (CSU) will die Politik verlassen und Chef des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) werden. "Ich habe mich nach reiflicher Überlegung dazu entschlossen, für das Amt (...) zur Verfügung zu stehen", sagte der 43-Jährige in einem Interview.

Damit kommt es am 30. November auf der Mitgliederversammlung des DSGV in Berlin voraussichtlich doch zu einer Kampfabstimmung um die Nachfolge von DSGV-Präsident Heinrich Haasis. Der bisherige Stellvertreter von Haasis, der westfälische Sparkassenpräsident Rolf Gerlach, strebt das Amt ebenfalls an und hält an seiner Kandidatur in jedem Fall fest, wie ein Sprecher des Verbandes am Freitag sagte.

Dem 43-jährigen Fahrenschon werden gute Chancen eingeräumt, sich gegen Gerlach durchzusetzen. Er sei von vielen regionalen Sparkassenverbände aufgefordert worden, sich zu bewerben, sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Er spüre ein "starkes Signal", dass er eine Mehrheit hinter sich bringen könne. Es sei eine große Aufgabe, das Gesicht des Verbandes "der größten Sparerschutzorganisation Europas" zu sein. Verbandskreisen zufolge kann er sich auch der Unterstützung des scheidenden Präsidenten Haasis sicher sein. Fahrenschon, seit 2008 Finanzminister in München, hatte sich als Verwaltungsratschef der BayernLB einen Namen gemacht, als er in der Krise der Landesbank hart durchgriff.

Mit Fahrenschon würde die CSU einen ihrer Hoffnungsträger verlieren. Ministerpräsident Horst Seehofer hatte erst am Donnerstag gesagt, er wolle ihn nicht ziehen lassen. Fahrenschon sei für Bayern und die bayerische Finanzpolitik unverzichtbar. Der Posten des DSGV-Chefs ist seit langem eine Domäne der CDU/CSU. Haasis war Landrat und Landtagsabgeordneter der CDU in Baden-Württemberg gewesen. Gerlach dagegen ist parteilos. Der als aussichtsreichster Gegenkandidat gehandelte parlamentarische Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, Steffen Kampeter (CDU), hatte am Donnerstag auf eine Kandidatur verzichtet.

Der DSGV hat möglichen Kandidaten eine Frist bis zum 3. November gesetzt, um sich zu erklären. Danach sollen sie sich den Regionalverbänden und Landesbanken-Vertretern vorstellen. Gerlach hatte unmittelbar nach Haasis' Rücktrittsankündigung im September den Hut in den Ring geworfen. Der 58-Jährige ist seit 17 Jahren Präsident des Sparkassenverbands in Westfalen-Lippe in Münster. Er ist in der Organisation nicht unumstritten, gilt aber als sehr ambitioniert. Im Streit um die Zukunft der WestLB hatte er sich oft mit der Politik angelegt.

Der DSGV vertritt nicht nur die 429 Sparkassen mit 250.000 Mitarbeitern, sondern auch die acht Landesbanken, Bausparkassen und Verbund-Unternehmen wie den Fondsdienstleister DekaBank.

(RTR/felt)
Mehr von RP ONLINE