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Familienunternehmen in Deutschland: Fachkräftemangel bereitet Sorgen

Familienunternehmen in Deutschland : Fachkräftemangel bereitet Sorgen

Sie sind das Rückgrat der Wirtschaft: Deutschlands Familienunternehmen. Wie ihre Mitbewerber ringen sie mit der Eurokrise – und zusätzlich auch noch mit sich selbst. Die Krise jedenfalls meistern die meisten gut, doch der Fachkräftemangel bereitet auch ihnen Sorgen.

Sie sind das Rückgrat der Wirtschaft: Deutschlands Familienunternehmen.
Wie ihre Mitbewerber ringen sie mit der Eurokrise — und zusätzlich auch noch mit sich selbst. Die Krise jedenfalls meistern die meisten gut, doch der Fachkräftemangel bereitet auch ihnen Sorgen.

Familienbande halten auch die deutsche Wirtschaft zusammen. Ob Aldi oder Lidl, Heraeus oder Henkel, Otto, Merck oder Schaeffler — sie alle prägen seit Jahren die Unternehmenslandschaft, viele von ihnen sind inzwischen milliardenschwer statt mittelständisch. Neun von zehn Unternehmen in der deutschen Privatwirtschaft liegen Studien zufolge in Familienhand.

Nach neuesten Daten der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers (PwC) erarbeiten Familienunternehmen in Deutschland mehr als die Hälfte der Wirtschaftsleistung und stellen etwa sieben von zehn Arbeitsplätzen.

"Familienunternehmen haben einen großen Vorteil und einen großen Nachteil: Das ist in beiden Fällen die Familie", sagt der Psychologe Arist von Schlippe, akademischer Direktor des Instituts für Familienunternehmen an der Universität Witten/Herdecke. "Nach wir vor ist die Nachfolge der kritischste Moment in der Entwicklung eines Familienunternehmens."

Euro-Krise als größte Herausforderung

In 86 Prozent der deutschen Familienunternehmen sind der PwC-Studie zufolge Familienmitglieder in der Unternehmensleitung tätig, sechs von zehn Unternehmen vertrauen gleichzeitig auf die Expertise externer Manager — aus Sicht von PwC ein wesentlicher Aspekt, um die Zukunftsfähigkeit der Familienunternehmen zu sichern.

Aus Angst vor einem Identitätsverlust geben sich diese Firmen hingegen zugeknöpft, wenn es um die häufig erwünschte Beteiligung familienfremder Manager am Unternehmen geht, sagt PwC-Vorstand Peter Bartels: "Da müssen sich die Firmen umstellen, sonst bekommen sie künftig nicht mehr die Top-Manager, die sie brauchen." Aktuell halten Familienfremde nur bei jedem zehnten Familienunternehmen Anteile.

Befragt wurden in diesem Sommer knapp 2000 Unternehmen, davon 100 hierzulande. Als Familienunternehmen gelten bei der Umfrage Firmen, an denen der Gründer oder seine Familie mindestens 50 Prozent der Anteile halten, und in deren Geschäftsführung beziehungsweise Vorstand mindestens ein Familienmitglied sitzt.

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Fast jedes dritte Familienunternehmen sieht derweil die Euro-Sorgen als die größte externe Herausforderung in den kommenden zwölf Monaten. "Die Unsicherheit über den Euro — dass einzelne Länder aussteigen und die Eurozone auseinanderbricht — ist jetzt das Thema in den Unternehmen", sagte Peter Bartels.

Nachfolgeregelung nach wie vor Thema

Die alles überragende interne Herausforderung bleibt der Fachkräftemangel, Tendenz steigend. Nach der Umfrage sieht das inzwischen fast jeder zweite Familienbetrieb (47 Prozent) so — nach 38 Prozent vor zwei Jahren. Auf Sicht bis 2017 gaben sogar 69 Prozent der Befragten die Rekrutierung von Fachkräften als eines der herausragenden Risiken an — neben dem Preiswettbewerb und der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung.

Aus Bartels' Sicht müssen die Familienbetriebe im Wettbewerb mit Großkonzernen in erster Linie in Sachen flexibler Arbeitszeiten punkten, um genügend gute Fachkräfte anlocken zu können: "Flexibilität ist das Hauptargument. Mehr als die Gehaltshöhe." Ein anderer Nachteil gegenüber vielen Konzernen lasse sich hingegen weniger leicht aus der Welt schaffen: Familienunternehmen sitzen in der Regel nicht in den Großstädten. Das schrecke gut ausgebildete Fachkräfte häufig ab.

Das Thema Nachfolge bleibt auf der Agenda — wenngleich es angesichts der Fülle von Problemen wie eben Fachkräftemangel oder Schuldenkrise aktuell bei vielen Unternehmen nicht ganz oben auf der Liste steht.

Familienforscher Schlippe sieht das so: "Weit verbreitet ist nach wie vor das nahezu "klassische" Bild einer Gründerpersönlichkeit, die das Gefühl hat: "Eigentlich kann mich keiner ersetzen." Die Gefahr ist, dass damit der Junior abgekoppelt und letztlich sogar das Unternehmen gefährdet werden kann."

(dpa)