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Geiselnahme in Goodyear-Werk in Nordfrankreich: Fabrik-Manager sind wieder auf freiem Fuß

Geiselnahme in Goodyear-Werk in Nordfrankreich : Fabrik-Manager sind wieder auf freiem Fuß

Zwei von erbosten Arbeitern in Frankreich gefangen gehaltene Manager des US-Reifenherstellers Goodyear sind nach eineinhalb Tagen am Dienstag wieder freigekommen.

Der Direktor und der Leiter der Personalabteilung verließen am Nachmittag das Fabrikgebäude im nordfranzösischen Amiens, nachdem die Polizei in dem Geiseldrama eingeschritten war. Zwei Beamte hatten Minuten zuvor das Gebäude betreten, während ein Dutzend weiterer Polizisten draußen bereitstand.

Arbeiter hatten aus Protest gegen die Schließung ihres Werks die beiden Manager am Montagmorgen als Geiseln genommen. Sie mussten die Nacht in dem Gebäude verbringen.

Dieser jüngste Zwischenfall ist zu einem Symbol für die großen Spannungen geworden, die in Frankreich zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern herrschen. Goodyear versucht seit fünf Jahren, die Fabrik in Amiens zu schließen und begründet dies mit dem zurückgehenden Automarkt in Europa. Die Angestellten protestierten mehrfach vehement gegen die Pläne.

Michel Dheilly, der gefangene Direktor der Fabrik, sagte am Dienstag, es sei in der Fabrik mal lebhaft, mal ruhig zugegangen, doch niemals gemein. Sein Kollege Bernard Glesser lehnte es ab, angesichts der Nötigung durch die Arbeiter eine Stellungnahme abzugeben. Sie nahmen die ihnen für die Nacht angebotenen Matratzen und Decken nicht an, wie ein Gewerkschaftsvertreter der Zeitung "Courrier Picard" berichtete.

Managerentführungen waren früher keine Seltenheit in Frankreich.
Sie dauerten typischerweise zwischen wenigen Stunden und einigen Tagen an. Zwar sind sie gesetzlich verboten, doch kommt es selten zu juristischen Verfahren und zumeist versuchen die Arbeiter, ihren Geiseln das Leben so angenehm wie möglich zu machen. Die Entführungen seien eine Reaktion der "Hoffnungslosigkeit", meint der auf Arbeitsrecht spezialisierte Anwalt Sylvain Niel.

(AFP)