Steigende Ölpreise: Experten rufen nach Energie-Revolution

Steigende Ölpreise : Experten rufen nach Energie-Revolution

Passau (RPO). Der unaufhaltsame Anstieg der Ölpreise alarmiert Politik und Wissenschaft. Nach dem wirkungslos verpufften Ölpreisgipfel von Saudi-Arabien mehren sich die Rufe nach grundlegenden Neuerungen im Umgang mit Ressourcen. Das Institut für Wirtschaftsforschung fordert eine "Energiewende", ein Ökonom plädiert für Benzingutscheine.

Die Ausgangslage Angesichts des hohen Ölpreises müssen sich Verbraucher in diesem Jahr auf hohe Mehrkosten für Energie einstellen. Nach einem Bericht der "Bild"-Zeitung rechnet der Bund der Energieverbraucher mit Zusatzkosten von mehreren hundert Euro. Danach muss ein Vier-Personen-Haushalt 2008 im Durchschnitt rund 300 Euro mehr für Heizung und Strom ausgeben als im Vorjahr, zitiert die Zeitung den Verbandsvorsitzenden Aribert Peters. Größere Familien müssten mit noch höheren Zusatzkosten rechnen.

Der Ölpreis Die Prognosen über die künftige Ölpreisentwicklung gehen auseinander. Viele rechnen jedoch mit einem Anstieg. RWE-Manager Fritz Vahrenholt glaubt, beim nächsten Aufschwung werde der Preis auf 250 Dollar steigen und der Benzinpreis in Deutschland dann 2,50 Euro pro Liter erreichen. Ein französisches Institut will einen Anstieg auf bis zu 300 Dollar im Jahr 2015 nicht ausschließen.

Energiewende Die Energieexpertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschnung (DIW), Claudia Kemfert, fordert eine "Energiewende". Zwar sei nicht ausgeschlossen, dass die Energiepreise vorübergehend wieder fallen, sagte Kemfert der "Passauer Neuen Presse". Klar sei aber auch, dass "die Preise langfristig immer mehr steigen, wenn wir es nicht schaffen, von Öl und Gas wegzukommen. Wenn uns aber eine Energiewende gelingt und wir sparsamer mit Rohstoffen umgehen, sind wir auch unabhängiger von steigenden Preisen."

Eine Wiedereinführung der Pendlerpauschale zur Entlastung der Bürger sowie Steuersenkungen auf Benzin und Energie lehnte Kemfert ab: "Die Pendlerpauschale wieder einzuführen, bedeutet eine weitere Zersiedelung. Wir müssen stattdessen den öffentlichen Personennahverkehr fördern", sagte Kemfert den Dortmunder "Ruhr Nachrichten" (Dienstagausgabe).

Benzingutscheine Der Direktor des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn, spricht sich für die Ausgabe von Benzingutscheinen an einkommensschwache Arbeitnehmer aus. "Unter Umständen sollte man über die Ausgabe von Benzingutscheinen an einkommensschwache Arbeitnehmer nachdenken, um die Folgen der Ölpreissteigerungen abzufedern", sagte Horn der "Berliner Zeitung".

Eine Reduzierung der Mineralölsteuer würde seiner Ansicht nach dagegen nicht weiterhelfen. Es sei nämlich zu bezweifeln, ob die Ölkonzerne niedrigere Steuern überhaupt an die Verbraucher weitergeben würden. "Zudem wäre eine Senkung der Mineralölsteuer das falsche Signal, denn wir müssen unsere Abhängigkeit vom Öl reduzieren und die Entwicklung von alternativen Energien fördern", sagte Horn.

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(afp)