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Ulrich Lehner angeblich zu ThyssenKrupp: Ex-Henkel-Chef als Cromme-Nachfolger?

Ulrich Lehner angeblich zu ThyssenKrupp : Ex-Henkel-Chef als Cromme-Nachfolger?

Die Rücktrittsankündigung ist noch frisch und Gerhard Cromme noch im Amt. Da wird schon über einen Nachfolger als Chefkontrolleur bei ThyssenKrupp spekuliert. Der frühere Henkel-Chef Ulrich Lehner rückt dabei in eine Favoritenrolle.

Nach der überraschenden Rücktrittsankündigung von ThyssenKrupp-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme sitzt ein möglicher Nachfolger bereits in den Startlöchern.

In Branchenkreisen und Medien fiel am Samstag der Name Ulrich Lehner, derzeit Vorsitzender des Aufsichtsrates der Deutschen Telekom und Interimspräsident des schweizerischen Pharmariesen Novartis.

Das oberste Aufsichtsgremium bei ThyssenKrupp solle eine neue Qualität erhalten, Lehner sei der wahrscheinliche Nachfolger von Cromme, berichtete die Wirtschaftszeitung "Euro am Sonntag".

Der 66-jährige Ingenieur und promovierte Ökonom, ist seit 2008 Mitglied des Aufsichtsrates des Essener Konzerns. Er hat aber noch zahlreiche andere Mandate in Aufsichts- und Verwaltungsräten.

Keine Stellungnahme

Neben Deutscher Telekom und Novartis kontrolliert er die Geschäfte von Henkel und Eon. Außerdem ist er Präsident der IHK Düsseldorf.

Dagegen meldete das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel", Favorit sei der frühere Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Hans-Peter Keitel. Doch auch Lehner könne sich gute Chancen ausrechnen, schreibt das Magazin weiter. Da beide dem Aufsichtsrat angehörten, könnten sie sofort den Posten übernehmen, hieß es laut "Spiegel" aus Aufsichtsratskreisen.

Ein Sprecher von ThyssenKrupp wollte zu beiden Personalien am Abend auf dpa-Anfrage keine Stellung nehmen.

Cromme hatte am Freitag überraschend angekündigt, sich zum 31. März vollständig aus dem Unternehmen zurückzuziehen. Hintergrund sind das Milliarden-Debakel der Stahlwerke in Amerika, Kartellverstöße und Korruptionsfälle.

Im vergangenen Geschäftsjahr hatte das Unternehmen, das seit zwei Jahren von Heinrich Hiesinger geführt wird, einen Verlust von 5 Milliarden Euro verbucht. Für die Fehlentwicklungen wurde Cromme, der auch Aufsichtsratschef von Siemens ist, mitverantwortlich gemacht.

Das Vetrauen fehlt

Auch die Krupp-Stiftung, mit rund 25 Prozent das eigentliche Machtzentrum des Konzern, wird der Manager verlassen.

Das Nachrichtenmagazin "Focus" berichtete, dass anders als offiziell dargestellt, Cromme zum Rücktritt gedrängt worden sei. Der Vorsitzende der Krupp-Stiftung, der 99-jährige Berthold Beitz, soll ihm am Freitag in einem kurzen Gespräch mitgeteilt haben, dass das notwendige Vertrauen nicht mehr vorhanden sei, heißt es in dem Bericht.

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Dies sei auch die Meinung des Kuratoriums, zu deren Mitgliedern unter anderem NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) gehört. Die Landesregierung wollte sich zur Personalie Cromme nicht äußern.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das ist Gerhard Cromme

(dpa/csr)