Evonik mit geringerem Gewinn in 2017

Trotz Übernahmen und Autokonjunktur: Evonik mit geringerem Gewinn in 2017

Der Essener Spezialchemiekonzern Evonik will sich unabhängiger von Konjunkturschwankungen machen. Für Geschäftsfelder, in die nicht genug investiert werden kann, wird deshalb der Verkauf geprüft.

Der neue Evonik-Chef Christian Kullmann treibt den Umbau des Spezialchemiekonzerns voran. Nach der Einkaufstour der vergangenen Jahre will sich Evonik stärker auf sein Kerngeschäft konzentrieren. Dazu stellen die Essener die Herstellung von Vorprodukten für Plexiglas und Klebstoffe zur Disposition. "Hier wollen wir uns zurückziehen und prüfen derzeit alle Optionen", sagte Kullmann am Dienstag bei der Bilanzpressekonferenz in Essen. Dazu gehörten mögliche Partnerschaften ebenso wie ein Verkauf.

Dieser Geschäftsbereich mit einem Umsatz von rund 1,5 Milliarden Euro hat weltweit etwa 3700 Mitarbeiter, davon arbeiten etwa zwei Drittel in Deutschland. Größere Produktionsstandorte für Methacrylat sind in Darmstadt, Weiterstadt und Worms. In Nordrhein-Westfalen gibt es kleinere Produktionsstätten in Wesseling und Marl, die nach Angaben von Personalvorstand Thomas Wessel betroffen sein könnten.

Insgesamt beschäftigt Evonik rund 36 500 Menschen und erzielte 2017 einen Umsatz von rund 14,4 Milliarden Euro. Unterm Strich sank der Gewinn im vergangenen Jahr um 15 Prozent auf 717 Millionen Euro.
Evonik gehört mehrheitlich der RAG-Stiftung. Mit seinen Dividendenzahlungen trägt der Chemiekonzern dazu bei, dass die Stiftung die Folgekosten des Steinkohlebergbaus bezahlen kann, wenn Ende des Jahres die beiden letzten deutschen Zechen schließen. Für das laufende Jahr plant Evonik Zuwächse bei Umsatz und Gewinn.

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Investieren will der Konzern unter anderem in die Bereiche Konsumgüter, Tiernahrung und Gesundheit. Das seien Geschäftsfelder, die sich durch "stetiges Wachstum, attraktive Renditen und eine geringe Anfälligkeit für konjunkturelle Schwankungen" auszeichneten, sagte Kullmann. Größere Zukäufe seien derzeit aber nicht geplant, der Fokus liege eher auf kleineren Ergänzungen bestehender Geschäfte. "Das ist jetzt nicht mehr die Großwildjagd", sagte Kullmann. Zuletzt hatte Evonik die milliardenschwere Übernahme des Geschäfts mit Spezialadditiven vom US-Konkurrenten Air Products sowie den Kauf des Kieselsäuregeschäfts von J.M. Huber gestemmt.

Nicht zufrieden ist Evonik mit dem Geschäft beim Tierfuttereiweiß, das mit sinkenden Preisen zu kämpfen hat. Für diesen Geschäftsbereich wurde ein Sparprogramm von 50 Millionen Euro bis Ende 2020 aufgelegt.
Diese Kürzungen kommen zu einer bereits laufenden Sparrunde für den Gesamtkonzern von 200 Millionen Euro hinzu. Der für Deutschland geltende Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen sei um ein Jahr bis Ende 2021 verlängert worden, sagte Kullmann.

(oko)