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EVG droht Bahn mit Streiks vor Weihnachten

Keine Annäherung : EVG bricht Gespräche mit der Bahn vorzeitig ab

Keine Lösung im Tarifstreit: Nach einer knappen Stunde ist die dritte Verhandlungsrunde der Bahn mit der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) ohne Annäherung beendet worden.

Die Bahn habe am Donnerstagnachmittag einen umfangreicheren Ordner vorgelegt, dessen Inhalte die EVG in der Kürze der Zeit nicht habe prüfen können, sagte die Verhandlungsführerin der EVG, Regina Rusch-Ziemba, am Freitag in Frankfurt. Über Inhalte sei gar nicht gesprochen worden.

Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber hält eine Einigung in dem Tarifkonflikt vor Weihnachten weiter für möglich: "Wir sprechen weiter. Das ist die gute Nachricht." Die Verhandlungen sollen am 12. Dezember in Frankfurt fortgesetzt werden.

Noch vor Beginn der dritten Verhandlungsrunde hatte die EVG mit Streiks vor Weihnachten gedroht. "Wir sehen, dass unsere Forderung nach einer sozialen Komponente nicht erfüllt worden ist", sagte EVG-Sprecher Uwe Reitz noch am Freitagmorgen in Frankfurt.

Die EVG fordert in der laufenden Tarifrunde sechs Prozent mehr Lohn. Zudem will die Gewerkschaft mit einer sozialen Komponente - einer Einkommenserhöhung von mindestens 150 Euro - insbesondere die unteren Lohngruppen stärken.

Am Nachmittag (16 Uhr) kommen die Bahn-Arbeitgeber in einem anderem Frankfurter Hotel mit der Lokführergewerkschaft GDL zusammen. Die drei Tarifparteien hatten sich nicht auf eine Basis für gemeinsame Verhandlungen einigen können. Die GDL will nicht nur für Lokführer, sondern auch für andere Berufsgruppen des Zugpersonals Tarifverträge aushandeln. Dafür hat sie bereits sechsmal den bundesweiten Bahnverkehr bestreikt.

Bahn: "Legen gutes Angebot vor"

Die Deutsche Bahn hofft indes auf eine schnelle Annäherung in dem Tarifkonflikt. "Wir werden das Angebot erläutern, ich glaube, dass es ein gutes Angebot ist", sagte Personalvorstand Ulrich Weber kurz vor Beginn der Gespräche in Frankfurt. Er setze darauf, mit der Gewerkschaft weitere Termine vereinbaren zu können, um relativ absehbar zu Ergebnissen zu kommen.

Weber zeigte sich derweil davon nicht von den Streikdrohungen überrascht. "Es ist ein erstes Angebot der Deutschen Bahn, der Reflex überrascht mich jetzt nicht." Die Offerte entspreche materiell dem Angebot an die Lokführergewerkschaft GDL.

Umstritten scheint insbesondere die EVG-Forderung nach einer sozialen Komponente - einer Einkommenserhöhung von mindestens 150 Euro, um insbesondere die unteren Lohngruppen zu stärken. "Wir sind auf die soziale Komponente eingegangen", betonte Weber. Die EVG bestätigt, dass der Begriff in dem Angebot zwar vorkommt. "Aber das Angebot weicht deutlich ab von unseren Erwartungen und noch deutlicher von unserer Forderung", sagte Reitz.

(dpa)