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Esprit: 1200 Stellen fallen weg - Kahlschlag beim Modekonzern

Modekonzern : Der nächste Kahlschlag bei Esprit

Der Modehändler schließt fast die Hälfte seiner Läden in Deutschland und will 1200 Arbeitsplätze abbauen. Jährliche Einsparungen: 100 Millionen Euro. Die Gewerkschaft Verdi ist verärgert und kritisiert das Management scharf.

Die Krise in der Modebranche hatte Esprit schon lange vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie erreicht. Über Jahre hinweg wurde immer wieder der Rotstift angesetzt, wurden Filialen geschlossen und Jobs gestrichen. Jetzt, gut drei Monate nach dem Antrag auf ein Schutzschirmverfahren, folgt der nächste Kahlschlag bei der Kette: Etwa 1200 Arbeitsplätze fallen ihm zum Opfer, im Inland sollen 44 der 94 Niederlassungen geschlossen werden. Das Unternehmen hat seine Deutschland-Zentrale in Ratingen.

Über die Einschnitte in die Belegschaft verhandelt die Führung gerade mit dem Betriebsrat. Der Löwenanteil des Personalabbaus entfällt auf Deutschland. Hierzulande werden etwa 800 Stellen in den Stores wegfallen, dazu 300 in der Verwaltung. Hongkong, wo das Unternehmen seinen zweiten Geschäftssitz neben Ratingen hat (die juristische Zentrale ist auf den Bermudas), kommt mit einem Verlust von 100 Arbeitsplätzen vergleichsweise glimpflich davon. Andererseits wird über weitere Gehalts- und Leistungskürzungen für Mitarbeiter der Verwaltung diskutiert.

Die Gewerkschaft Verdi ist verärgert und gibt dem Management die Schuld: „Die Geschäftsführung von Esprit hat zwei Jahrzehnte lang verschlafen, sich im digitalen Zeitalter rechtzeitig so aufzustellen, dass die verschiedensten Vertriebskanäle miteinander gut verzahnt und abgestimmt werden und sich so gegenseitig verstärken“, kritisiert Orhan Akman, der für den Einzelhandel zuständige Bundesfachgruppenleiter bei Verdi. Der Handelskonzern habe alle Trends und das veränderte Kundenverhalten verschlafen. „Keiner weiß mehr, wofür der Modekonzern so richtig steht. Jetzt sollen die Beschäftigten das Missmanagement ausbaden“, so Akman.

Esprit ist ein Fall wie andere im Non-Food-Geschäft, vor allem im Modehandel: zerrieben zwischen Online-Größen wie Amazon und Zalando auf der einen und billigeren Ketten wie Primark und Zara auf der anderen Seite; unfähig, auf die Herausforderungen des digitalen Handels die richtigen Antworten zu finden. „Das ist ein Dauer-Sanierungsfall. Esprit hat schon lange keine eigene Design-Handschrift mehr und ist viel zu teuer“, sagt Gerrit Heinemann, Handelsexperte der Hochschule Niederrhein. Dann kam die Corona-Krise und mit ihr die erzwungenen Ladenschließungen – ein Klagelied, das man genauso für Galeria Karstadt Kaufhof oder Tom Tailor mit seiner Tochter Bonita anstimmen könnte. Für den Bekleidungshandel in Deutschland wurde zuletzt für 2020 ein Umsatzminus von 30 Prozent vorausgesagt – eine düstere Perspektive.

Bei Esprit-Chef Anders Kristiansen bleibt die Vergangenheit unerwähnt. Er spricht von der Pandemie als großem Krisenauslöser: „Die Auswirkungen von Covid-19 haben die Modebranche schwer getroffen. Diese außergewöhnliche Situation war eine große Herausforderung für uns, die wir bislang sehr gut gemeistert haben.“ Mit dem Maßnahmenpaket werde man die „großartige Marke erhalten“. Während in der Belegschaft die Stimmung auf dem Nullpunkt ist, stimmt die Unternehmensführung zuversichtliche Töne an: „Esprit erreicht Meilenstein bei der Restrukturierung und ist gut auf die neue wirtschaftliche Situation vorbereitet“, lautet die Überschrift auf der Website. Darunter erfährt man die Details des Sparprogramms: weltweiter Abbau jeder fünften Stelle, Schließung der Stores in Deutschland voraussichtich bis Ende November dieses Jahres, geplante jährliche Kostensenkungen von 100 Millionen Euro. Die Umsetzung der Sparpläne soll einmalig 55 Millionen Euro kosten.