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Erneuter Haftbefehl gegen Ex.-Renault-Chef Carlos Ghosn in Japan

Ex-Renault-Chef in Tokio : Carlos Ghosns Anwalt nennt erneute Verhaftung „Geiselnahme“

Der Ex-Chef von Renault und Nissan ist erneut in Tokio verhaftet worden. Carlos Ghosn war nach über drei Monaten in Untersuchungshaft im März auf Kaution freigelassen worden. Sein Anwalt hält das Vorgehen der Staatsanwaltschaft für unangemessen.

Die erneute Festnahme des früheren Chefs von Renault und Nissan, Carlos Ghosn, ist nach Ansicht seines Anwalts „extrem unangemessen“. Es sei vollkommen unverständlich, warum Ghosn erneut festgenommen werden müsse, sagte sein Anwalt Junichiro Hironaka. Das Vorgehen der Staatsanwaltschaft verglich er mit einer „Geiselnahme“. Der 65-Jährige Ghosn selbst bezeichnete seine Festnahme als "ungeheuerlich und willkürlich". Ghosn hatte am Vortag eine Pressekonferenz für den 11. April angekündigt.

Die Staatsanwaltschaft in Tokio hatte am frühen Morgen (Ortstzeit) zum vierten Mal Haftbefehl gegen den 65-jährigen Automanager erlassen. Er war erst vor einem Monat nach wochenlanger Untersuchungshaft gegen Zahlung einer Kaution freigekommen. Die Kautionssumme betrug eine Milliarde Yen (umgerechnet 7,9 Mio. Euro).

Bei den neuen Vorwürfen soll es um den Verdacht der schweren Untreue gehen: Laut der Nachrichtenagentur Jiji Press soll der Automanager zwischen 2012 und 2018 Gelder von Nissan für private Zwecke abgezweigt und davon unter anderem eine Luxusyacht finanziert und Investitionen in das Unternehmen seines Sohnes getätigt haben.

Interne Ermittlungen bei Nissan hätten ergeben, dass eine Summe von mindestens 32 Millionen Dollar (knapp 29 Mio Euro) aus einem sogenannten Reservefonds an eine Gesellschaft im Oman floss, die dort Fahrzeuge des Autobauers vertreibt, hieß es von einer mit den Vorgängen vertrauten Quelle. Davon wiederum sollen Gelder über eine von Ghosns Vertrauten geleitete libanesische Firma direkt an den Automanager geflossen sein.

Ghosn wies die Vorwürfe zurück und beteuerte seine Unschuld. "Das ist Teil eines neuen Versuchs von einigen Personen bei Nissan, mich zum Schweigen zu bringen, indem Staatsanwälte in die Irre geführt werden", hieß es in einer Stellungnahme.

Ghosn, der Nissan vor der Pleite gerettet und zusammen mit Renault und Mitsubishi eine mächtige internationale Autoallianz geschmiedet hatte, war am 19. November in Tokio festgenommen worden. Er wurde wegen Verstoßes gegen Börsenauflagen angeklagt und soll laut Staatsanwaltschaft private Investitionsverluste auf Nissan übertragen haben. Ghosn beteuerte seine Unschuld und sprach vor Gericht von einem Komplott gegen ihn.

Auch Renault greift seinen früheren Konzernchef mit neuen Vorwürfen an. Dabei gehe es ebenfalls um Zahlungen an einen Vertriebspartner des Autoherstellers in der Region des Mittleren Ostens, teilte Renault am Vortag mit. Die Informationen seien bereits an die französische Justiz weitergegeben worden.

(juju/dpa/afp)