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Folgen der Fusion mit Marconi: Ericsson Deutschland streicht massiv Stellen

Folgen der Fusion mit Marconi : Ericsson Deutschland streicht massiv Stellen

Düsseldorf/Backnang (RP). Der Aderlass der neu fusionierten Unternehmen Ericsson und Marconi fällt doch stärker aus als erwartet. Von den rund 2.700 Arbeitsplätzen in Deutschland streicht der schwedische Telekom-Ausrüsterjeden achten, also rund 350. Am stärksten trifft es die Standorte Backnang und Düsseldorf.

In der schwäbischen Industriestadt nördlich von Stuttgart werden 220 Stellen wegfallen, in Düsseldorf sind es 60 Arbeitsplätze. Die übrigen Streichungen verteilen sich auf den bundesweiten Vertrieb und Service. Ericsson setzt beim Personalabbau zunächst auf Freiwilligkeit. "Wir wollen betriebsbedingte Kündigungen nach Möglichkeit vermeiden”, sagte Deutschland-Chef Stefan Kindt. Die Abfindungen für ausscheidende Mitarbeiter sollen dabei über den bisherigen Sozialplan hinausgehen, versprach die Ericsson-Führung. Die Einzelheiten will das Management nun mit dem Betriebsrat verhandeln.

Als Gründe für den massiven Wegfall von Stellen nannte Ericsson-Chef Kindt die Doppelungen bei den meisten zentralen Diensten. "Wir haben zwei voll funktionsfähige Unternehmen zusammengeführt”, sagte der frühere Marconi-Manager. Es werde aber nur eine Verwaltung künftig benötigt. Andererseits sei das Wachstum für Telekommunikationsausrüstungen derzeit nicht ausreichend, um mehr Personen zu beschäftigen. Größere Umzüge von Backnang nach Düsseldorf soll es nicht geben. Die Stabsstellen des Unternehmens werden auf beide Standort verteilt. Düsseldorf bleibt das Hauptquartier. Mit der Übernahme von Marconi hat Ericsson seine Stellung als Zulieferer der Telekommunikationsbranche weiter ausgebaut.

Waren die Schweden bislang im Mobilfunk stark, so kommt mit Marconi nur das ergänzende Angebot im Festnetz dazu. Fast alle wichtigen Netzanbieter zählen zu den Kunden von Ericsson. Trotz des Personalabbaus will der Konzern deshalb so schnell wie möglich wieder auf Wachstumskurs kommen. Den Standort Backnang, der bekannt ist für seine Kompetenz in der Richtfunktechnik, wird Ericsson als weltweites Forschungszentrum für Netzsteuerung und Weitverkehrs-Richtfunk beibehalten. "Backnang ist der beste Standort für Richtfunktechnik in Deutschland. Diese Kompetenz wollen wir dort noch stärker bündeln”, sagte Deutschland-Chef Kindt. Mit über 500 Mitarbeitern ist es künftig nach dem Eurolab im rheinischen Herzogenrath (800 Beschäftigte) die wichtigste Forschungsstätte von Ericsson in Deutschland. Im Bereich "Mobile Plattformen” bauen die Schweden darüber hinaus den Standort Nürnberg (100 Beschäftigte) aus.

Anpassungsbedarf sieht die Geschäftsführung auch bei der Dienste-Tochter Ericsson Network Services in Frankfurt. Hier könnte es zu zusätzlichen Stellenstreichungen kommen.

(alfa)