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Betriebsversammlungen am Dienstag: Eon will Standorte schließen

Betriebsversammlungen am Dienstag : Eon will Standorte schließen

Am Dienstag will der Eon auf Betriebsversammlungen Details seines Abbau-Programms nennen. Unter anderem soll München geschlossen und der Gashandel zusammengelegt werden. 6000 Stellen in Deutschland sollen wegfallen.

Am Dienstag sollen für viele Eon-Mitarbeiter die Wochen der Unsicherheit zu Ende gehen. Der größte deutsche Energiekonzern hat an den Standorten München, Essen, Hannover sowie bei der Handelstochter Energy Trading in Düsseldorf zu Betriebsversammlungen geladen.

Vorstände wollen erläutern, wie viele Stellen wo wegfallen. Die Gewerkschaft Verdi geht davon aus, dass 6000 Stellen in Deutschland gestrichen werden. Sie sind Teil des im August angekündigten Sparprogramms, wonach Eon weltweit 9.000 bis 11.000 der 80.000 Arbeitsplätze kappt.

Standort München vor dem Aus

Laut Verdi soll der Standort München, wo die Vertriebstochter Eon Energie sitzt, aufgegeben werden. Damit verlieren hier nicht nur 400 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz. Damit geht auch eine Ära zu Ende.

In München hatte einst der bayerische Versorger Viag seine Zentrale, der vor elf Jahren mit Veba zu Eon fusionierte. Der Konzern hat in den vergangenen Wochen intensiv geprüft, inwieweit es aus dieser Zeit noch Zusagen an die Politik gibt, die ihn binden, am Standort München festzuhalten. Dies sei aber nicht der Fall, heißt es in Konzernkreisen.

Schon im August hatte Eon-Chef Johannes Teyssen angekündigt, das Gasgeschäft straffen zu wollen. So sollen das Handelsgeschäft der Töchter Ruhrgas (mit Sitz in Essen) und Energy Trading (mit Sitz im Düsseldorfer Medienhafen) zusammengelegt werden.

Streichungen auch in der Konzernzentrale

Ruhrgas hatte erst vor einem Jahr eine 180 Millionen Euro teure Zentrale im Essener Süden bezogen, die Eigentum des Konzerns ist. Das Gebäude im Düsseldorfer Hafen ist aber nur gemietet. Die Gewerkschaft geht davon aus, dass dieser Standort nun aufgelöst wird.

Für Essen soll es zudem Standort-Zusagen aus dem Jahr 2003 geben, als Eon im Rahmen einer umstrittenen Ministererlaubnis die Übernahme von Ruhrgas gestattet worden war. Allerdings fürchtet Verdi auch in Essen massive Stellenstreichungen.

In der Konzern-Zentrale in Düsseldorf herrscht bereits Klarheit. Hier sollen 450 der 850 Arbeitsplätze wegfallen, wie Bernhard Reutersberg, Eon-Vorstand und Umbau-Beauftragter, vor einem Monat angekündigt hatte.

Das Schicksal des Standortes Hannover scheint besiegelt. Dort sitzt Eon Energie mit hunderten Mitarbeitern, die das nationale Kraftwerksgeschäft steuern. Das gilt als unnötige Doppelarbeit, schließlich gibt es auch noch eine konzernweite Steuerung in Düsseldorf. Der Eon-Sprecher wollte sich dazu nicht äußern: "Zuerst informieren wir die Mitarbeiter."

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Konzernbetriebsrats-Chef Hans Prüfer beklagte, dass Eon auf der gestrigen Sitzung des Wirtschaftsausschusses wieder keine Details genannt habe. "Die Verunsicherung ist groß, die Belegschaft will endlich Klarheit", sagte er.

Bei der Sitzung hatten Reutersberg und Personal-Vorstand Regine Stachelhaus über den allgemeinen Stand des Umbaus informiert. Eon will bis zum Jahr 2015 die beeinflussbaren Kosten auf 9,5 Milliarden Euro senken. Derzeit liegen diese Kosten bei elf Milliarden.

Ohne Sparprogramm würden sie, bei Berücksichtigung der Inflation, bis 2015 auf 11,7 Milliarden Euro steigen. Entsprechend sollen nun 2,2 Milliarden Euro gespart werden.

(RP/csr)