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Nach Gewinneinbruch: Eon setzt auf Hilfe der Politik

Nach Gewinneinbruch : Eon setzt auf Hilfe der Politik

Eon hat am Deutschland-Geschäft nur noch wenig Freude. Der Gewinn in der Stromerzeugung ist eingebrochen, vor allem Gaskraftwerke werden unrentabel, mehrere Blöcke wurden abgeschaltet. Das hat dem Düsseldorfer Konzern die Bilanz der ersten neun Monate verhagelt. Der nachhaltige Konzernüberschuss, der maßgeblich für die Dividenden-Zahlung ist, sank um 53 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro. Der Umsatz fiel um fünf Prozent auf 89 Milliarden Euro.

"Das traditionelle Kraftwerks-Geschäft leidet unter den Verwerfungen des Marktes", sagte Eon-Chef Johannes Teyssen und machte dafür vor allem die deutsche Überförderung des Ökostroms verantwortlich. Eon setzt nun auf zwei Auswege: die Flucht ins Ausland und die Hilfe der deutschen Politik.

So baut der Konzern sein Engagement in der Türkei aus. Nachdem das Gemeinschaftsunternehmen mit der Familie Sabanci zwei Regionalversorger übernommen hat, zählt Eon in der Türkei jetzt neun Millionen Kunden. Damit hat der größte deutsche Energiekonzern dort mehr Kunden als in Deutschland, wo es nur sieben Millionen Strom- und Gaskunden sind.

Welche Gewinne der Konzern dort macht, sagte er nicht. Kein Geld verdient er in Brasilien, wo er bereits eine Milliarde investiert hat. Gerade rechtzeitig habe man die Bande zu dem früheren Partner Eike Batista gekappt, versicherte Teyssen. Das Imperium des Milliardärs war nach Pleiten zusammengebrochen.

Gewinnprognose für 2013 leicht nach unten korrigiert

Umso wichtiger wird aus Sicht von Teyssen Hilfe von der deutschen Politik. Schon kurzfristig müssten die Versorger in Deutschland für die Bereitstellung einer strategischen Kraftwerks-Reserve bezahlt werden. Und 2014 müsste ein Kapazitätsmarkt starten. Danach sollen Stromkunden auch dafür zahlen, dass die Versorger jederzeit die Versorgungssicherheit gewährleisten. "Es geht nicht um Subventionen, sondern um faire Prämien für Stabilität", verteidigte Teyssen die umstrittene Forderung.

Eon korrigierte die Gewinnprognose für 2013 leicht nach unten, rechnet aber immer noch mit 9,2 bis 9,3 Milliarden Euro an operativem Gewinn. Die Aktionäre werden sich auf sinkende Dividenden einstellen müssen. Auch der Abbau von 11.000 Stellen geht voran. Konzernweit seien bereits drei Viertel des Personalabbaus vertraglich vereinbart, rund 6000 Stellen wurden bereits abgebaut, erklärte Eon. Darunter sind knapp 3330 Arbeitsplätze, die allein in Deutschland weggefallen sind.

Dank weiterer Verkäufe sind immerhin die Schulden etwas gesunken — auf 33 Milliarden Euro. Die Anleger reagierten verunsichert, die Eon-Aktie erlebte gestern eine Berg- und Talfahrt.

(anh)