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Expansion nach Brasilien und Türkei: Eon kontert die Heimschwäche mit Auslandsinvestitionen

Expansion nach Brasilien und Türkei : Eon kontert die Heimschwäche mit Auslandsinvestitionen

Nach den Einbußen durch die Atomwende in Deutschland treibt der Energiekonzern Eon sein Wachstum im Ausland voran. In der Türkei legte der Versorger in dem mit der Sabanci-Gruppe geführte Gemeinschaftsunternehmen Enerjisa die höchsten Gebote für zwei Stromnetze vor.

In Brasilien könnte Eon schon bald seinen Anteil an dem Versorger MPX ausbauen. "Beide Volkswirtschaften verzeichnen einen wachsenden Bedarf an Energie, suchen modernste Techniken und schätzen diese wert - und bieten uns daher gute Wachstumschancen", hatte Vorstandschef Johannes Teyssen erst vor wenigen Tagen betont.

Der 53-jährige Manager steht unter Druck. In Deutschland verliert er in den kommenden Jahren mit weiteren Atomkraftwerken seine bisherigen Gewinnbringer. Zudem machen dem Konzern - wie auch RWE, EnBW oder Vattenfall - die gefallenen Großhandelspreise für Strom zu schaffen. Durch den vorrangig eingespeisten Ökostrom sind die konventionellen Kraftwerke schwächer ausgelastet und zum Teil unrentabel.

In dem stark wachsenden türkischen Markt geht Eon nun in die Offensive. Das Gemeinschaftsunternehmen Enerjisa legte nach Behördenangaben von Freitag für das Toroslar-Netz im Süden des Landes mit 1,32 Milliarden Euro das höchste Angebot vor. Ebenfalls am meisten bietet das Konsortium für das Ayedas-Netz, das den anatolischen Teil Istanbuls mit Strom versorgt. Hier boten Eon und sein türkischer Partner 940 Millionen Euro.

Sechs Millionen Kunden in der Türkei möglich

Damit könnte der Versorger seinem Ziel näher kommen, die Kundenzahl von Enerjisa auf sechs Millionen auszubauen. Bislang hat Enerjisa knapp 3,5 Millionen Endkunden - die meisten in Ankara und Umgebung. Mit dem Partner Sabanci will Eon bis 2020 in der Türkei zudem über Kraftwerke mit einer Leistung von bis zu 8000 Megawatt verfügen. Damit würde der Anteil Enerjisas am Erzeugungsmarkt auf zehn von vier Prozent zulegen.

Schneller als geplant muss Eon in seinem zweiten neuen Markt womöglich weiteres Geld in die Hand nehmen. Seit Wochen gibt es Berichte, wonach Eons Partner in Brasilien, der deutschstämmige Milliardär Eike Batista, sich auf der Suche nach einer Finanzspritze von Anteilen des Joint Ventures MPX trennen will. Nach einem Bericht der Finanzzeitung "Valor Economico" will Eon die Hälfte der Anteile Batistas von 53,9 Prozent übernehmen. Das Eon-Paket wachse auf 38,65 Prozent von 11,7, berichtete das Blatt ohne Angaben von Quellen. Das Geschäft koste Eon etwa 726 Millionen Euro. Die Düsseldorfer wollten am Wochenende dazu keine Stellung nehmen.

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Finanzchef Marcus Schenck hatte bei der Bilanz-Pressekonferenz am Mittwoch erklärt, dass Eon sein Wachstum in Brasilien vorantreiben wolle. Dabei setze er weiter auf eine Partnerschaft mit Batista. Eine Mehrheitsübernahme von Unternehmen gehöre nicht zur Strategie. Eine Aufstockung des Anteils ohne Mehrheit, wie sie der Zeitungsbericht beschreibt, würde Schencks Aussagen nicht widersprechen.
Die Entwicklung in Brasilien wird von den Arbeitnehmervertretern im Konzern mit Argusaugen betrachtet. Sie hatten im Aufsichtsrat dem Einstieg bei MPX nur zugestimmt, weil Teyssen das Risiko in Grenzen halten wollte, wie Reuters aus Kreisen des Kontrollgremiums erfahren hatte. Eon hatte vor einem Jahr für 350 Millionen Euro zehn Prozent an MPX erworben.

Milliardensummen wird Eon auch jetzt nicht investieren, da der hochverschuldete Versorger seine Investitionen in den kommenden Jahren zurückschrauben will. Als Negativbeispiel für ein Engagement in Brasilien gilt der ThyssenKrupp-Konzern, der in dem südamerikanischen Land Milliardensummen in einem neuen Stahlwerk versenkte. Bedenken gegenüber einer politischen Unsicherheit in Brasilien wischt Teyssen beiseite - die größten politischen Unsicherheiten für seinen Konzern habe er in Deutschland erlebt, sagte er mit Blick auf den Atomausstieg.

Hier geht es zur Infostrecke: Das ist der Eon-Konzern

(REU/felt)