Eon kappt Tausende Jobs in England

Energiekonzern : Eon kappt Tausende Jobs in England

Innogy und Eon laufen auf der Insel die Kunden davon. Der Kahlschlag kommt zu dem bereits angekündigten Abbau von bis zu 5000 Stellen durch die Innogy-Übernahme hinzu. Teyssen hofft auf Inbetriebnahme des Kohlekraftwerks Datteln 4.

Nach dem Kauf der RWE-Tochter Innogy baut Eon noch mehr Arbeitsplätze ab: Neben den bis zu 5000 Stellen, die übernahmebedingt wegfallen, sollen zusätzlich Tausende Stellen in Großbritannien gestrichen werden. Laut der britischen Gewerkschaft sollen allein bei der britischen Innogy-Tochter nPower 4500 Mitarbeiter gehen, hinzu kommen weitere Stellen bei der britischen Eon-Tochter. Eon-Chef Johannes Teyssen nannte keine Zahlen, betonte aber: „Nachhaltige Verluste nehmen wir nicht hin.“ Großbritannien sei ein schwieriger Markt, nun würden alle Optionen geprüft. Seit Jahren laufen Eon und Innogy auf der Insel die Kunden davon, allein in diesem Jahr verloren beide zusammen 800.000 Kunden.

Teyssen bekräftigte, dass der Innogy-Deal der Eon ab 2022 zwischen 600 und 800 Millionen Euro an zusätzlichem Gewinn bescheren soll. Dazu trägt auch der Stellenabbau bei. Es bleibe dabei, dass bis zu 5000 Stellen wegfallen, so Teyssen. In Dortmund und Essen sollen es je 800 Stellen sein, wie der Konzern vor einer Woche mitgeteilt hatte. Wo die anderen bis zu 3400 Jobs entfallen – das werde noch mit den Arbeitnehmervertretern verhandelt, so Teyssen. Dabei gehe es vorrangig um Verwaltung, IT und Vertrieb, und die gebe es an vielen Standorten. In Dortmund und Essen soll es jedenfalls bei den genannten Abbauzahlen bleiben. „Das haben wir auch mit den kommunalen Vertretern kommuniziert“, so der Konzernchef. In Deutschland soll der Abbau möglichst sozialverträglich erfolgen.

Eon hat inzwischen 90 Prozent der Innogy-Anteile übernommen, bis zum dritten Quartal 2020 sollen die verbleibenden Innogy-Minderheitsaktionäre herausgedrängt worden sein. Eon konzentriert sich auf das Netz und Vertriebsgeschäft, der Ökostrom wurde an RWE weitergereicht.

Eon machte in den ersten drei Quartalen einen bereinigten Gewinn (Ebit) von 2,2 Milliarden Euro, sechs Prozent weniger als im Vorjahr. Zugleich hob Eon die Prognose leicht an. Finanzchef Marc Spieker bekräftigte, dass es für 2019 eine Dividende von 46 Cent pro Aktie geben soll. Durch die Übernahme hat Eon nun 39 Milliarden Euro Schulden. Das sei für die Ratingagenturen aber wegen der größeren Geschäftsbasis kein Problem, es bleibe bei der Bonitätsnote, so Spieker.

Teyssen äußerte sich auch zum Kohlekraftwerke Datteln 4, das Eon einst gebaut hat und das Uniper nun ans Netz bringen will. „Wir wollen eine Welt ohne Kohle. Aber noch brauchen wir sie, und es wäre ein Treppenwitz der Geschichte, wenn ausgerechnet das modernste Kohlekraftwerk nichts an Netz geht“, sagte der Konzernchef. In der Bundesregierung herrsche nicht immer ökonomische Vernunft, aber auch dort wisse man, dass die Entschädigung für Datteln sonst sehr hoch ausfallen müsste.