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Interview mit Personalvorstand Dänzer-Vanotti: Eon fordert längere Laufzeit für Atomkraftwerke

Interview mit Personalvorstand Dänzer-Vanotti : Eon fordert längere Laufzeit für Atomkraftwerke

Düsseldorf (RPO). Der Energiekonzern Eon setzt darauf, dass eine neue Bundesregierung die Laufzeiten für deutsche Atomkraftwerke verlängert. Christoph Dänzer-Vanotti, Vorstand der Eon AG, sagte unserer Redaktion: "Eine Verlängerung der Laufzeit von Kernkraftwerken wäre ein großer Gewinn für den Klimaschutz. Wir hoffen, dass die Chancen dafür nach der Bundestagswahl steigen."

Ohne Kernkraft seien die Klimaziele der Bundesregierung bis 2020 nicht zu erreichen. In Europa sei Deutschland mit dem Ausstieg aus der Kernenergie ohnehin komplett isoliert. Eon ist unter anderem an den Atomkraftwerken in Brokdorf, Unterweser und Isar beteiligt. Unsere Redaktion sprach im Interview mit Dänzer-Vanotti über das Branchen-Image und Eons Energiespar-Programm.

Klimakiller, Preistreiber - Energiekonzerne genießen oft keinen guten Ruf. Was tut Eon dagegen?

Dänzer-Vanotti: Wir reden über die Fakten. Eon investiert zwischen 2007 und 2011 europaweit acht Milliarden Euro in erneuerbare Energien, soviel wie kaum ein anderes Unternehmen und damit kaum weniger als wir in effiziente neue Kohlekraftwerke stecken. Wir sind bereits heute der siebtgrößte Windparkbetreiber der Welt. Und wir arbeiten an der Entwicklung CO2-freier Kohlekraftwerke. Klimaschutz steht also für uns ganz oben. Im winterlichen Gas-Streit mit der Ukraine wurde zudem vielen Kunden klar, wie wichtig neben Klimaschutz die Versorgungssicherheit ist. Bei uns hat jeder Kunde sein Gas erhalten und unsere Tochter Eon Ruhrgas hat zudem viele von der Krise betroffene Märkte in Südosteuropa unbürokratisch mit Gas versorgt. Das konnten wir, weil wir in der Vergangenheit Milliarden in eine gute Infrastruktur investiert haben.

Und der Vorwurf der Preistreiberei?

Dänzer-Vanotti: Wir haben in diesem Jahr bereits zweimal die Gaspreise gesenkt. Ob es weitere gibt, hängt von der Entwicklung des Ölpreises ab. Für den Anstieg der Strompreise in den letzten zehn Jahren ist im übrigen vor allem die zunehmend hohe Staatsquote verantwortlich, ansonsten würde Strom in etwa soviel kosten wie vor zehn Jahren.

Atomkraft versus Kohlekraft, Sicherheit versus Klimakiller - mit welchen Kraftwerken hat die Branche ein größeres Image-Problem?

Dänzer-Vanotti: Ohne Kernkraft sind die Klimaziele der Bundesregierung bis 2020 nicht zu erreichen. In Europa sind wir mit dem Ausstieg aus der Kernenergie komplett isoliert. Eine Verlängerung der Laufzeit von Kernkraftwerken wäre ein großer Gewinn für den Klimaschutz. Wir hoffen, dass die Chancen dafür nach der Bundestagswahl steigen.

Nun will Eon mit seinem Programm "Environmental Champions" Energie und andere Ressourcen im eigenen Haus sparen. Wie funktioniert das?

Dänzer-Vanotti: Wir wollen gemeinsam mit den Mitarbeitern ein höheres Bewusstsein für Umweltschutz und Energieeffizienz schaffen. Wir animieren sie, in ihren Bereichen Strom und Abfall zu reduzieren und zum Beispiel nicht jede Mail auszudrucken. In meinem Büro wird zum Beispiel Papier nur noch schwarz-weiß und doppelseitig bedruckt. Es sind oft die kleinen Dinge, die sich aber in der Summe auswirken.

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Was ist das Ziel des Programms?

Dänzer-Vanotti: Im Durchschnitt will Eon den Verbrauch von Strom, Papier sowie die Abfallmengen an allen teilnehmenden Standorten um zehn Prozent senken. Gleichzeitig sollen auch Dienstreisen um zehn Prozent reduziert werden. Statt zu fliegen nutzen die Mitarbeiter, und das betrifft alle, vom Vorstand bis zum Sachbearbeiter, nun viel häufiger Videokonferenzen. Hier ist die Technik so modern, dass Sie sich virtuell sogar die Hand schütteln können.

Sie versuchen auch, Ihre Kunden zum Stromsparen zu animieren. Ist das eigentlich glaubwürdig?

Dänzer-Vanotti: Durchaus. Das gehört zu unserer gesellschaftlichen Verantwortung, liegt aber auch in unserem wirtschaftlichen Eigeninteresse. Denn wenn sich der Energiebedarf besser über den Tag verteilt, z.B. weil Kunden öfter nachts waschen, müssen wir nicht so viel Kraftwerksleistung für Spitzenzeiten wie Mittags vorhalten.

(RP)