12.000 Kilometer langes Gastransportnetz: Eon erwägt angeblich Verkauf des Ruhrgas-Netzes

12.000 Kilometer langes Gastransportnetz : Eon erwägt angeblich Verkauf des Ruhrgas-Netzes

Hamburg (RPO). Der Energiekonzern Eon denkt angeblich über den Verkauf seines 12.000 Kilometer langen Gastransportnetzes nach. Die EU-Kommission habe die Eigentümerrechte drastisch reduziert, sagte Eon-Vorstandschef Johannes Teyssen in einem Zeitungsinterview.

Aus der Reduktion der Eigentümerrechte ergebe sich ein Mangel an Entwicklungsmöglichkeiten für das Netz der Tochter Ruhrgas, sagte der Eon-Chef in einem Interview mit der "Financial Times Deutschland".

"Wenn ich das Management nicht mehr bestellen und über Investitionen nicht mehr entscheiden darf, wie viel Unternehmertum bleibt da noch?", bemängelte Teyssen. Experten taxieren laut Zeitung den Wert des Netzes auf zwei Milliarden Euro.

Kräftig ausbauen will Eon nach dem Atomausstieg sein Geschäft mit Ökostrom. "2013 werden wir konzernweit zwei- bis dreimal so viel Geld in erneuerbare Energie stecken wie in konventionelle. Auch hierzulande." Zahlen nannte er nicht. Derzeit investiert der Energiekonzern jährlich mehr als eine Milliarde Euro in den Ausbau des Geschäfts mit erneuerbarer Energie.

Interesse an portugiesischem Versorger

Auf die Frage nach einem möglichen Interesse an dem portugisischen Versorger EPD gab sich der Eon-Vorstandschef bedeckt. "Zu EDP kann ich nichts sagen. Andere halten einen solchen Einstieg für plausibel. Dem will ich nicht widersprechen", sagte Teyssen. Sein Konzern dürfe und wolle sich nicht zu Tode sparen. Bereits zuvor hatte Teyssen Portugal als interessanten Markt bezeichnet.

Die Nachrichtenagentur Reuters hatte in der vergangenen Woche von mehreren mit der Situation vertrauten Personen erfahren, dass Eon ein unverbindliches Angebot für rund 21 Prozent der EDP-Anteile vorgelegt hat. Der Börsenwert des Pakets liegt bei knapp zwei Milliarden Euro.

Der Vorstoß in Portugal ist in Kreisen der Arbeitnehmervertreter auf Skepsis gestoßen, da Eon in der Vergangenheit Milliardensummen auf Zukäufe in Südeuropa abschreiben musste. "Es gibt erhebliche Bedenken", hatte ein Arbeitnehmervertreter gesagt. Einige Analysten hatten zudem Zweifel angemeldet, ob eine Minderheitsbeteiligung sinnvoll sei, da Eon womöglich kaum Einfluss auf das operative Geschäft von EDP hätte.

"Unabhängig von den genannten Spekulationen muss es bei Beteiligungen nicht immer Mehrheiten geben", sagte Teyssen nun der Zeitung. "Sie können auch dann sinnvoll sein, wenn die industrielle Logik dahinter stimmt und alle Seiten einen Mehrwert haben."

Hier geht es zur Infostrecke: Das ist der Eon-Konzern

(apd/rtr)
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