Trotz Preissenkung zum 1. September Eon erwartet weiter hohe Strompreise

Düsseldorf · Im September sollen die Preise für Strom und Gas sinken. Doch auf das Vorkrisen-Niveau geht es nicht zurück. Eon ist ein Gewinner der Krise: Der Konzern erwartet mindestens 8,6 Milliarden Euro Gewinn für dieses Jahr.

 Die Eon-Zentrale in Essen.

Die Eon-Zentrale in Essen.

Foto: dpa/Henning Kaiser

Strom und Gas bleiben teuer: Eon geht davon aus, dass die Energiepreise im Großhandel dauerhaft höher bleiben als vor der Krise. „Ich halte das für nahezu ausgeschlossen, dass wir in naher Zukunft zurückkommen auf Preise, die wir vor Pandemie und Ukraine-Krieg hatten“, sagte Eon-Finanzvorstand Marc Spieker. „Sichere Energie hat ihren Preis, und das wird erstmal so bleiben.“

Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine waren die Großhandelspreise für Strom und Gas stark gestiegen, die Versorger gaben das an Verbraucher weiter. Mittlerweile sind die Preise wieder gesunken, schleppend ziehen Versorger nach. Deutschlands größter Energieversorger will am 1. September die Preise in der Grundversorgung in Deutschland senken – um im Schnitt 18 Prozent beim Strom und 28 Prozent beim Gas. „Im vergangenen Jahr haben uns die historisch hohen Beschaffungskosten stark herausgefordert. Nun sehen wir, dass sich die Großhandelsmärkte wieder entspannen“, sagte Eon-Chef Leonhard Birnbaum. „Dadurch können wir die Preise für Millionen Strom- und Gaskunden wieder senken.“ Eon hat in Deutschland zwölf Millionen Strom- und zwei Millionen Gaskunden.

„Die Gaspreise für Neukunden sind aktuell so niedrig wie seit Ende 2021 nicht“, sagt Steffen Suttner, Geschäftsführer vom Vergleichsportal Check 24. „Bei fast allen alternativen Anbietern sind die Preise so günstig, dass die Gaspreisbremse nicht mehr greift.“ Das Ifo-Institut erwartet nur noch Kosten für die Gaspreisbremse von 13,1 Milliarden Euro, das ist ein Drittel der ursprünglich vorgesehenen Summe von 40,3 Milliarden.

Das Bundeskartellamt prüft gleichwohl, ob Versorger die Preise für Strom und Gas zu stark erhöht und so staatliche Subventionen unrechtmäßig abgegriffen haben. Das gilt auch für die Fernwärme, auch hier ist Eon Marktführer. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen (VZBV) bereitet derzeit eine Musterklage gegen Eon vor und sammelt Fälle. „Wir werten derzeit die Fälle von etwa 1000 verärgerten Eon-Kunden aus. Als Marktführer hat Eon eine besondere Verantwortung“, hatte VZBV-Chefin Ramona Pop unlängst gesagt.

Eon ist einer der Gewinner der Energiekrise, auch wenn der Konzern das selbst nicht so sieht. Der Konzern bestätigte die Ende Juli angehobene Prognose, wonach im Gesamtjahr der Gewinn (vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen) zwischen 8,6 und 8,8 Milliarden Euro liegen soll. In den ersten sechs Monaten kletterte der Gewinn bereits um 40 Prozent auf 5,7 Milliarden Euro. Die Anleger ließ das kalt: Die Aktie gab leicht nach und notierte bei gut elf Euro. In den vergangenen fünf Jahren hat sie aber um ein Fünftel zugelegt. Zunächst war nur RWE der Gewinner des großen Eon-RWE-Deals gewesen, in dessen Zuge Eon aus der Erzeugung ausgestiegen war.

Nun will Eon weiter kräftig in den Ausbau der Netze investieren, um die Energiewende voranzubringen. Eon ist der größte Netzbetreiber in Deutschland. Die Bundesnetzagentur hat der Branche auch höhere Renditen für Netz-Investitionen in Aussicht gestellt. So soll die Eigenkapitalverzinsung von 5,03 Prozent auf 7,09 Prozent steigen. Doch die Branche fordert angesichts der allgemein gestiegenen Zinsen mehr, was in der Politik für Verärgerung sorgt.

Am Betreiberkonsortium der Pipeline Nord Stream 1 will Eon beteiligt bleiben. „Derzeit werden Optionen erarbeitet, wie die Pipeline entwässert und geschützt werden kann“, sagte Spieker. Eon ist mit 15,5 Prozent an der Nord ­Stream AG beteiligt, die die Ostsee-Pipeline betreibt, deren beide Röhren durch den Anschlag im Herbst zerstört worden waren.

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