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Umstrittene Gasförderung: Eon-Chef sieht für Fracking vorerst wenig Chancen

Umstrittene Gasförderung : Eon-Chef sieht für Fracking vorerst wenig Chancen

Während Eon-Chef Johannes Teyssen angesichts der zunehmenden Kohleverstromung vor einer wenig klimafreundlichen Energiewende in Deutschland warnt, sieht er außerdem vorerst wenig Chancen für die umstrittene Gasförderung aus tiefen Schichten.

"Für größere Feldversuche sehe ich derzeit noch keine Bereitschaft", sagte Teyssen der Deutschen Presse-Agentur. "Aber wir können nicht vor jeder neuen Technik kategorisch zurückschrecken." Wenn der Nachweis gelinge, dass die eingesetzten Chemikalien beherrschbar seien, könne das sogenannte Fracking auch in Deutschland eine Perspektive haben. Dafür bedürfe es aber eines langen Atems. Die Bundesregierung will Fracking in Wasserschutzgebieten komplett ausschließen - zudem soll es für alle Maßnahmen strenge Umweltverträglichkeitsprüfungen geben.

Beim Fracking wird Tiefengestein mit hohem Druck so aufgebrochen, dass das Gas aus feinen Rissen entweichen kann. Die Technologie verbreitet sich in den USA rasant. Dort werde inzwischen statt Kohle mehr Gas verbrannt, sagte Teyssen. Dies bringe signifikante Veränderungen mit sich. Unter anderem könnten die USA wegen der zunehmenden Selbstversorgung ihr Interesse etwa an der Sicherung der Ölroute durch die Straße von Hormus am Ausgang des Persischen Golfs verlieren, wodurch Energieimporte nach Europa unsicherer werden könnten.

Energieversorgung könnte "schmutziger" werden

Teyssen warnt zudem angesichts der zunehmenden Kohleverstromung vor einer wenig klimafreundlichen Energiewende in Deutschland. Wegen der zunehmenden Verdrängung klimafreundlicher Gaskraftwerke drohe die Energieversorgung trotz mehr Ökostrom schmutziger zu werden, sagte Teyssen. Ein Grund dafür sei der Preisverfall im EU-Emissionshandel mit CO2-Verschmutzungsrechten. Dieser macht die Kohleverstromung lukrativer. Einen anderen Grund sieht der Vorstandschef des Energiekonzerns im Gas-Boom in den USA. Dieser führe dazu, dass auf dem europäischen Markt mehr Kohle günstig angeboten werde. "Das ist gerade mit Blick auf den Klimaschutz ein eher unbefriedigendes Phänomen", erklärte er.

Indirekt drohte er mit der Schließung von Gaskraftwerken, die gerade im Süden Deutschlands zur Versorgungssicherheit dringend benötigt werden. "Im Augenblick sind die Margen überwiegend negativ", sagte Teyssen. "Unsere Kraftwerke in Irsching bei Ingolstadt laufen statt früher 4000 bis 5000 Stunden aktuell zwischen 1000 und 2000 Stunden pro Jahr. Und dabei sprechen wir über die modernste und effizienteste Anlage in Deutschland mit einem Wirkungsgrad von mehr als 60 Prozent." Wenn die Wirtschaftlichkeit der Kraftwerke nicht wiederhergestellt werde, müsse Eon sie außer Betrieb nehmen. "Deshalb ist jetzt die Politik dringend gefordert", betonte Teyssen.

(lnw/felt/pst)