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Ständehaus-Treff der RP: Eon-Chef: "Gas wird nicht knapp werden"

Ständehaus-Treff der RP : Eon-Chef: "Gas wird nicht knapp werden"

Eon-Chef Johannes Teyssen stellte sich am Montagabend beim Ständehaus-Treff den Fragen von RP-Chefredakteur Michael Bröcker. Er warb dafür, den Gesprächsfaden mit Russland nicht abreißen zu lassen.

Die deutsche Wirtschaft schaut mit Sorge auf die Entwicklung in der Ukraine. Die Sanktionen der Europäischen Union gegen Russland und die Gegenmaßnahmen der Putin-Regierung hinterlassen in den Büchern vieler deutscher Konzerne ihre Spuren. "Dies ist nicht die Stunde der Wirtschaft, dies ist die Stunde der Politik. Aber wir dürfen den Gesprächsfaden nicht abreißen lassen", sagte gestern Johannes Teyssen, Chef des größten deutschen Energiekonzerns. "Handeln und miteinander Reden ist die beste Konfliktvermeidung." Der Eon-Chef war Gast des Ständehaus-Treffs, zu dem rund 550 Gäste nach Düsseldorf gekommen waren, und stellte sich den Fragen von Michael Bröcker, Chefredakteuer der Rheinischen Post.

Angesichts der Befürchtungen, Russland könne dem Westen das Gas abdrehen, sagte Teyssen zur Beruhigung der Verbraucher: "Niemand muss fürchten, dass in diesem Winter seine Wohnung kalt bleibt." Energie werde nicht Gegenstand der Auseinandersetzung werden, zeigte sich Teyssen überzeugt. "Daran hat Putin überhaupt kein Interesse."

Organisiert wurde der Treff vom Finanzdienstleister Signa Property Funds und der Rheinischen Post. Gäste waren Unternehmenslenker aus der Region und Politiker wie NRW-CDU-Chef Armin Laschet und Thomas Geisel (SPD). Geisel hatte früher als Manager selbst in den Diensten von Eon gestanden und war für das Gasgeschäft in den Benelux-Ländern zuständig. Vor Wochen hatten ihn die Düsseldorfer zum neuen Oberbürgermeister gewählt. Gestern Nacht um 0 Uhr begann seine Amtszeit. Mit Gästen feierte er in der "Pardo Bar" des Ständehauses in die neue Zeit hinein.

Zu den Gästen zählten auch diverse Stadtwerke-Chefs. Sie sorgen sich um die Energiewende, die die Bundesregierung nach dem Fukushima-Unglück ausgerufen hatte. Auch Eon setzt die Energiewende zu. Durch das Überangebot an subventioniertem Ökostrom ist der Großhandelspreis von einst 60 auf nun 35 Euro je Megawattstunde gefallen. Dafür können viele klimafreundliche Gaskraftwerke nicht rentabel arbeiten und gehen vom Netz. Von den konventionellen Kraftwerken laufen vor allem alte Kohleblöcken. "Es wird viel Geld ausgegeben, aber es kommt nichts richtig voran." Der Eon-Chef warb dafür, bei der Energiewende ehrlicher zu sein. "Der frühere Minister Trittin hat einmal gesagt, die Energiewende koste nur einen Cappuccino im Monat. So funktioniert das nicht." Deutschland gehe mit der Energiewende einen sehr riskanten Sonderweg.

Die Energiekonzerne fordern deshalb seit Langem ein neues Strommarkt-Design. Danach sollen die Verbraucher allein für die Bereitstellung von Kraftwerkskapazität zahlen. Während Verbraucherschützer und Industrie Extrakosten bis zu sechs Milliarden Euro im Jahr fürchten, verteidigte Teyssen diese Kapazitätsmarkt genannte Hilfen: "Wenn Kunden Versorgungssicherheit wollen, muss es für Strom auch einen Markt mit angemessenen Preisen geben." Die erneuerbaren Energien würden die Stromversorgung sauberer machen. Kohle- und Gaskraftwerke würden zu jeder Stunde sicher verfügbar, solange es noch keine günstigen Speicher gebe.

Dennoch macht sich Teyssen keine Illusionen: Mit konventioneller Stromerzeugung werde Eon in Deutschland auf Dauer kein Geld mehr verdienen. Der Gewinn des Düsseldorfer Konzerns hatte sich im Jahr 2013 halbiert. Der Aktienkurs ist von gut 50 Euro im Jahr 2008 auf inzwischen gut 13 Euro gefallen.

Profite werden künftig mit Dienstleistungen rund um den Strom oder im Ausland erzielt, meint Teyssen. Allerdings hat Eon in Brasilien (der Partner Eike Batista ging pleite) und der Türkei (die Lira hat extrem abgewertet) bislang wenig Fortune gehabt. Teyssen ist zuversichtlich, dass Eon zu alter Stärke zurückfindet.

(RP)