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Nächster Preisschub angekündigt: Energieriese E.ON lässt sich nicht einschüchtern

Nächster Preisschub angekündigt : Energieriese E.ON lässt sich nicht einschüchtern

Hamburg (rpo). Etwas anderes war auch nicht zu erwarten: Der Energieversorger E.ON hat die Preissteigerung der vergangenen Monate bei Gas verteidigt und weitere Erhöhungen angekündigt. Die weltweit steigende Nachfrage nach Erdgas wirke sich deutlich auf die Gasversorger aus, sagte der Chef der für Norddeutschland zuständigen Tochter E.ON Hanse, Hans-Jakob Tiessen, am Montag in Quickborn.

Wegen deutlicher gestiegener Bezugskosten der Lieferanten müssten die Preise für die Verbraucher im Norden im Januar 2006 um 10,5 Prozent steigen. Ab dann erhöhten sich die Erdgaspreise um 0,51 auf 4,77 Cent je Kilowattstunde netto oder 5,54 Cent je Kilowattstunde brutto. Damit werde Erdgas bei einem durchschnittlichen Verbrauch jährlich um 100 Euro teurer. E.ON Hanse hatte als erster Versorger seine Kalkulation offen gelegt.

Das Unternehmen hatte die Gaspreise seit Oktober 2004 drei Mal um insgesamt 25 Prozent erhöht. E.ON hatte Anfang November angekündigt, angesichts der anhaltenden Proteste gegen die Preiserhöhungen als erster Gaslieferant für seine 1,1 Millionen Haushaltskunden in Deutschland die Preisberechnung offen zu legen. "Wir wollen damit Vertrauen unserer Kunden zurück gewinnen", sagte Tiessen.

E.ON steht bei den Haushaltskunden der norddeutschen Tochter E.ON Hanse unter besonderem Druck, weil der Konzern Mitte September in der bundesweit ersten Sammelklage von Kunden wegen angeblich überhöhter Gaspreise verklagt wurde. Das Gericht hatte in einer vorläufigen Einschätzung erklärt, dass E.ON Hanse seine Gas-Bezugspreise sowie seine gesamte Preiskalkulation offen legen müsse. E.ON betonte, dass die übrigen Regionalversorger des Konzerns in den nächsten Monaten bei der Preis-Offenlegung folgen sollen.

Verbraucherzentrale nach Offenlegung nicht befriedigt

Mit den Zahlen, die der Konzern am Montag wie vom Landgericht Hamburg gefordert vorlegte, werde belegt, dass die seit Oktober 2004 vorgenommenen Preiserhöhungen insgesamt nicht ausgereicht haben, die gestiegenen Kosten für Gaslieferungen auszugleichen. So seien die Beschaffungskosten von 2,27 Cent auf 2,88 Cent je Kilowattstunde gestiegen. Die Vertriebsmarge sei dagegen von 0,08 Cent auf 0,05 Cent je Kilowattstunde zurückgegangen. Finanzvorstand Dirk Rüggen sagte, die Vertriebsmarge "reicht nicht mehr aus, um Risiken in Bezug auf Mengen, Finanzierung und Forderungsausfälle abdecken und eine allzeit sichere Energieversorgung gewährleisten zu können".

Verbraucherschützer haben das Offenlegen der Gaspreis-Kalkulation dagegen als unzureichend kritisiert. Sie forderten weiter gehende Angaben von dem norddeutschen Versorger. Die Zahlen zu den Bestandteilen der Kalkulation seien ohne Angaben zu deren Zustandekommen nicht aussagefähig, sagte der Geschäftsführer der Verbraucherzentrale Hamburg, Günter Hörmann, am Montag.

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Nach Ansicht von Hörmann handelt es sich bei der jetzt veröffentlichten Kalkulation lediglich um eine "Behauptung". Die Begründung sei das Unternehmen schuldig geblieben. So sei nicht nachvollziehbar, wieso die Gasbezugskosten bei E.ON Hanse mit über 50 Prozent fast doppelt so hoch wie der Branchendurchschnitt ausfielen. Zumindest gegenüber dem Gericht müsse das Unternehmen jetzt die Lieferverträge vorlegen, so der Verbraucherschützer.

Umstrittene Ölpreisbindung bleibt

Ursache für den Preisdruck seien laut Rüggen gestiegene Weltmarktpreise aufgrund erhöhter Nachfrage etwa durch boomende Länder wie China. Immerhin habe sich der Anteil der Bezugskosten am Gaspreis seit 2004 von 51 auf 57 Prozent verteuert. Damit seien die Bezugskosten um 0,61 Cent auf 2,88 Cent pro Kilowattstunde gestiegen, ein Mehr von 30,6 Millionen Euro jährlich. "Ein dauerhaftes Sinken der Gaspreise scheint uns nicht in Sicht zu sein", betonte Rüggen.

Vor diesem Hintergrund befürwortet die Unternehmensführung auch ein Festhalten an der Ölpreisbindung als Grundlage für die Gaspreiskalkulation. "Andere Maßnahmen als die Ölpreisbindung hätten keine preissenkende Wirkung", sagte Rüggen. Als Beleg führte er das Beispiel Großbritanniens an, wo die Preise bereits weitaus höher lägen. "Wir können uns von den weltweiten Mechanismen nicht abkoppeln", so Rüggen.

(ap)