1. Wirtschaft
  2. Unternehmen

Interview mit Energieverbandschefin Hildegard Müller: Energiebranche prognostiziert sinkende Strompreise

Interview mit Energieverbandschefin Hildegard Müller : Energiebranche prognostiziert sinkende Strompreise

Düsseldorf (RP). Die Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbands der Energie und Wasserwirtschaft (BDEW), Hildegard Müller, erwartet sinkende Energiekosten für Endverbraucher noch in diesem Jahr. "Bleibt die Beschaffung so günstig wie zuletzt, könnten die Strompreise ab dem Jahresende sinken", sagte Müller zum Start der heute in Essen beginnenden Branchenmesse E-World im Interview mit unserer Redaktion.

Heute startet die Branchenmesse E-World in Essen. Die beste Werbung für die Branche wären sinkende Strompreise. Wann ist es so weit?

Müller: Zunächst einmal: Etwa 370 Gas-Anbieter haben seit Jahresanfang die Preise gesenkt. Beim Strom leiden wir derzeit noch unter dem hohen Strombörsenpreis der Vergangenheit. Denn die Unternehmen kaufen Strommengen etwa ein bis zwei Jahre im Voraus. Aber: Bleibt die Beschaffung so günstig wie zuletzt, könnten die Strompreise ab dem Jahresende sinken.

Jetzt müsste nur noch der Wettbewerb stärker in Schwung kommen?

Müller: Der Wettbewerb ist da. Ich fordere die Verbraucher auf, selbstbewusst zwischen den verschiedenen Tarifen und Anbietern zu wählen. Hier lassen sich leicht 100 Euro im Jahr sparen.

In Neuss steht ein Aluminiumwerk vor dem Aus — auch wegen hoher Strompreise.

Müller: Ein Problem der Energiedebatte ist: Es gibt viele Einzeldiskussionen — über Preise, erneuerbare Energien, Klimaschutz oder Emissionshandel, aber selten sachliche Diskussionen im Gesamtzusammenhang. So kommen beim deutschen Strom überdurchschnittlich hohe Steuern und Abgaben hinzu, und die Debatte um den Neubau von Kohlekraftwerken ist bekanntlich schwierig. Das ist schade, denn neue, moderne Kraftwerke sind umweltschonender als bestehende.

Gibt es keine Alternativen?

Müller: Besser vielleicht Ergänzungen: Auch die Unternehmen unserer Branche investieren Milliardenbeträge in erneuerbare Energien, darunter in Windparks an den Küsten. Allerdings wollen in diesem Fall viele die dazugehörenden Hochspannungsleitungen nicht. Das ist wieder so ein Wohlfühlthema.

Bleiben die Gaspreise so niedrig?

Müller: Das kann niemand versprechen. Aber: Bleibt der Ölpreis auf niedrigem Niveau, könnten die Gasversorger ihre Kundenpreise sogar weiter senken. Wir dürfen uns nur nichts vormachen: Mit knapper werdenden Ressourcen werden die Energiepreise über die Jahre tendenziell eher steigen. Das ist aber kein speziell deutsches Problem.

Schweden steht vor einem Kurswechsel in der Atomenergie. Wie sieht es bei uns aus?

Müller: Es ist gut, wenn wir in Deutschland über das Thema Laufzeitverlängerung noch einmal sprechen. Diese Diskussion muss sachlich geführt werden. Deutschland braucht auch in Zukunft einen Energiemix, der durch möglichst viele Standbeine die größtmögliche Unabhängigkeit, Bezahlbarkeit und Klimaverträglichkeit sichert.

Alexander von Gersdorff fasste das Gespräch zusammen.

Hier geht es zur Infostrecke: Strom: So viel kann eine Kleinfamilie sparen

(RP)