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Stellenabbau trotz Rekordgewinns: Empörung über Allianz-Pläne

Stellenabbau trotz Rekordgewinns : Empörung über Allianz-Pläne

Köln (rpo). Durch die Reihen von Arbeitnehmern, Gewerkschaften und Politikern ging ein Aufschrei der Empörung: Trotz Rekordgewinnen will der Allianz-Konzern drei Standorte komplett schließen. Der Betriebsrat spricht von einer "Riesen-Schweinerei", Volksvertreter denken über Konsequenzen nach.

Die hessische SPD-Vorsitzende Ypsilanti forderte, profitablen Unternehmen betriebsbedingte Kündigungen gesetzlich zu verbieten. Angesichts eines Gewinns in Milliarden-Höhe könne wohl von einer wirtschaftlichen Notlage des Allianz-Konzerns keine Rede sein. "Da werden einfach Leute auf die Straße gesetzt, die vorher durch ihren Fleiß die Gewinne des Konzerns miterwirtschaftet haben", kritisierte Ypsilanti.

Nordrhein-Westfalens Wirtschaftsministerin Christa Thoben (CDU) kündigte an, sie werde versuchen, in Gesprächen mit dem Allianz-Management den Stellenabbau - geplant ist der Abbau von 7500 Stellen - abzumildern. Der Kölner Oberbürgermeister Fritz Schramma zeigte sich entsetzt über die Pläne der Allianz, den Standort Köln und Niederlassungen der Sach- und Krankenversicherung in Aachen und Dortmund zu schließen. "Ich kann es kaum glauben, dass sich der Konzern aus dem bevölkerungsreichsten und mit einem Bruttoinlandsprodukt von 500 Milliarden Euro wirtschaftsstärksten Bundesland Nordrhein-Westfalen komplett zurückziehen will", erklärte der Politiker.

Schramma hatte dem Münchner Konzern nach eigenen Angaben in den vergangenen Wochen wiederholt Hilfe bei der Entwicklung des Standorts Köln angeboten. Der Vorstand habe jedoch erklärt, seine Entscheidungen hätten nichts mit den Bedingungen vor Ort zu tun, sondern seien von strategischer Bedeutung.

Massiver Widerstand angekündigt

Die Gewerkschaft ver.di kündigte am Donnerstag unmittelbar nach Bekanntwerden der Allianz-Pläne massiven Widerstand an. Erste Warnstreiks würden bereits vorbereitet.

Ver.di-Vorstandsmitglied Uwe Foullong sagte in Berlin, die Beschäftigten hätten angesichts des Rekordgewinns der Allianz kein Verständnis für den Umgang des Konzerns mit den Beschäftigten. "Wenn die Allianz nicht kurzfristig zu ernsthaften Verhandlungen über einen Kündigungsschutz und zu Standortsicherungszusagen bereit ist, werden die Betroffenen ihren Unmut nicht mehr nur mit Demonstrationen äußern. Streiks sind dann nicht mehr auszuschließen," erklärte Foullong.

Der Hamburger Allianz-Betriebsratsvorsitzender, Jens Schulzki, bezeichnete den geplanten Stellenabbau als "eine Riesen-Schweinerei". Er gehe davon aus, "dass es zu Arbeitskampfmaßnahmen kommen wird", sagte Schulzki. Auch der stellvertretenden Allianz-Betriebsratsvorsitzende in Köln, Wolfgang Tesch, sagte, die Belegschaft werde die geplante vollständige Schließung des Standortes Köln "nicht kampflos hinnehmen".

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Betriebsrat will externen Gutachter einschalten

Der Betriebsrat der Allianz will die umfangreichen Stellenkürzungspläne des Versicherers durch externe Gutachter überprüfen lassen. "Wir werden zwei renommierte Unternehmensberatungen damit beauftragen, zu überprüfen, ob es zu den Streichungen wirklich keine Alternativen gibt", kündigte Gesamtbetriebsratschef Norbert Blix in einem Gespräch mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" an.

Der Betriebsrat wolle in den kommenden Monaten versuchen, das Management von seinen Kürzungsplänen abzubringen. "Streiks sind dabei immer dann die Ultima Ratio, wenn wir den Eindruck haben, dass wir bei den Verhandlungen nicht mehr anders vorankommen", bekräftigte Blix die Bereitschaft der Belegschaft zu einem Arbeitskampf.

(ap)