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Elon Musk schickt Twitter-Aktie auf Talfahrt​

Übernahmepläne liegen auf Eis : Elon Musk schickt Twitter-Aktie auf Talfahrt

Der Großaktionär legt die geplante Komplettübernahme vorläufig auf Eis, weil er Daten zu Fake Accounts abwarten will. Der Börsenkurs stürzt zwischenzeitlich um rund ein Viertel ab.

Eben diskutierten die Menschen noch darüber, ob Donald Trump zu Twitter zurückkehren dürfte. Dabei hat sich Twitter-Großaktionär Elon Musk nach seiner öffentlich zur Schau gestellten moralischen Entrüstung über Trumps Ausschluss im Januar 2021 noch gar nicht über dessen Rückkehr geäußert.  Und ehe sich die Frage stellt, ob der ehemalige US-Präsident nach einer Komplettübernahme von Twitter durch Musk seine einstigen und neue Follower bald wieder mit Massen von Tweets beglücken könnte, hat sich das Thema schon wieder erledigt. Jedenfalls vorerst.

Denn Musk, der bislang neun Prozent an Twitter hält und den Kurznachrichtendienst vollständig übernehmen wollte, hat den Deal erst mal auf Eis gelegt. Begründung: Er wolle Berechnungen abwarten, ob Accounts, hinter denen keine echten Nutzer steckten, tatsächlich weniger als fünf Prozent aller User ausmachten, schrieb Musk bei Twitter. Diese Zahlen hatte das Unternehmen mitgeteilt.

Musks neueste Ideen sind keine Fake News, keine alternative Wahrheit. Dafür bittere Realität für Twitter-Aktionäre, die am Freitag mitansehen mussten, wie nach der jüngsten Botschaft ihres Großaktionärs der Kurs um ein Viertel abstürzte, weil viele ihre Aktien verkauften. Am Freitagnachmittag lag das Minus nur noch bei knapp elf Prozent, aber das ändert nichts an einer grundsätzlichen Vermutung: Wer sich bei einem Kurs von 45 Dollar (so viel war die Twitter-Aktie noch am Donnerstagabed wert gewesen) ganz oder in Teilen aus seinem Twitter-Engagement verabscheidet, hat offenbar kein Vertrauen in Elon Musks Ankündigungen. Auch wenn der zwei Stunden nach der ersten Ankündigung nachschob, er habe weiterhin Intresse an einem Kauf. Er wollte den Twitter-Anteilseignern, die ihm ihre Aktien abtreten würden, nämlich mehr als 54 Dollar zahlen. Aber macht er das tatsächlich noch wahr? Oder will der Multimilliardär am Ende den Preis drücken? Wäre er sogar bereit, eine Milliarde Dollar Strafe zu zahlen, nur um aus der Vereinbarung wieder rauszukommen?

Unabhängig davon, dass es auch genug Miteigentümer geben müsste, die ihre Anteile an Musk verkaufen, gibt es offenbar bei manchen Zweifel am Finanzierungskonzept des reichsten Mannes der Welt. Der wollte urprünglich 25 Milliarden Euro bei den Banken aufnehmen, den Rest des 44-Milliarden-Dollar-Einkaufs mit eigenen Aktien schultern. Zwölf Milliarden Dollar Kredit sollten mit Aktien des Elektroautobauers Tesla besichert werden. Das Problem: Die Tesla-Aktie hat seit dem Tag, an dem Musk seine Übernahmepläne verkündete, bis zum Donnerstagnachmittag 28 Prozent an Wert verloren, ist von 935 auf 675 Dollar abgestürzt. Bedeutet: Musk müsste für die Besicherung mehr Tesla-Aktien aufwenden als geplant. Am Freitag ging der Kurs übrigens wieder um sieben Prozent hoch. Vielleicht kaufen da manche tatsächlich in der Erwartung, dass Musk seine Twitter-Pläne aufgibt.

Noch sucht er aber angeblich nach anderen Geldgebern. Das würde den vorläufigen Stopp auch besser erklären als das erklärte Warten auf neue Berechnungen zu Fake Accounts, die für Spam-Nachrichten genutzt werden und die Musk nach eignem Bekunden selbst gelöscht sehen will. Ob das nun wirklich weniger als fünf Prozent aller Accounts ausmacht oder nicht, dürfte für die unternehmerische Entscheidung kaum einen Unterschied ausmachen. Es sei denn, das Eingeständnis der Unternehmensführung von Ende April, in den vergangenen Jahren leicht überhöhte Nutzerzahlen gemeldet zu haben, hätte Musk nachdrücklich verschreckt. Auch das ist aber nicht wahrscheinlich. Ob Twitter nun 350 Millionen, 330 Millionen odere 370 Millionen Nutzer haben sollte – alles ist kaum mehr als ein Sechstel dessen, was Schwergewichte wie Facebook, Youtube und Whatsapp zu bieten haben. Twitter ist eben kein Massenmedium, es ist immer noch ein Spielfeld vor allem für Politiker und andere Entscheider, für  Medienschaffende und Meinungsmacher. Zudem liegt das Eingeständnis des Twitter-Managements bereits zwei Wochen zurück und taugt auch deshalb nicht mehr als glaubhafte Begründung für das plötzliche Zögern Elon Musks bei der Verwirklichung seiner Pläne.

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Noch ist der Deal ja auch nur ausgesetzt, nicht gestoppt. Vielleicht klappt er ja  noch. Und vielleicht kommt dann auch Donald Trump zurück. Bei Twitter gibt es Nutzer, die vermuten sogar, Musks Äußerungen über eine Wiederzulassung des Ex-Präsidenten könnten ein Goodie sein, damit der Republikaner nach einer möglichen Wiederwahl die Steuern für die Superreichen noch ein bisschen senkt. Das ist aber wohl zu weit weg. Und wäre auch viel zu banal.