Elektro-Mobilität: VW setzt auf Elektroautos

E-Mobilitätswende : So radikal setzt VW auf Elektroautos

Der Konzern rammt für die kommenden fünf Jahre Pflöcke ein – insbesondere für ein höheres Tempo bei der geplanten E-Mobilitätswende. Zudem tauscht er die Führung bei seiner Premiummarke Audi aus.

VW drückt beim Wandel hin zu einem Elektroauto-Produzenten aufs Tempo. In den kommenden fünf Jahren bis 2024 sollen die Investitionen noch einmal deutlich steigen. Bis dahin wollen die Wolfsburger rund 60 Milliarden Euro investieren, ältere Pläne sahen weit weniger vor. Das hat der Aufsichtsrat des Konzerns beschlossen.

Insgesamt belaufe die sich die Summe auf 150 Milliarden Euro; rund 40 Prozent davon fließen in die Zukunftsthemen Elektromobilität, Hybridantriebe sowie die zunehmende Digitalisierung und Automatisierung der Fahrzeuge. „Wir treiben die Transformation des Volkswagen-Konzerns mit aller Entschlossenheit voran“, sagte Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch. In den bisherigen Plänen waren für den selben Zeitraum nur Investitionen von rund 44 Milliarden Euro für die Zukunftsthemen angesetzt. „Wir erhöhen in den folgenden Jahren mit unseren Investitionen noch einmal das Tempo“, erklärte Konzernchef Herbert Diess. Hohe Gewinne machen derart hohe Investitionen möglich.

Während Konkurrenten wie Daimler oder BMW sich nach wie vor offen geben, was künftige Antriebstechnologien angeht, setzt VW mit seiner Strategie alles auf die Karte Elektromobilität. So will der Konzern zum Elektroauto-Pionier Tesla aufschließen. Dessen Chef, Elon Musk, hat in dieser Woche den Bau einer sogenannten Gigafabrik nahe Berlin angekündigt. Geht es nach dem Willen des Tesla-Gründers, soll die Produktion dort bereits in zwei Jahren anlaufen.

Auch VW richtet seine Werke nun in hohem Tempo auf die elektromobile Zukunft aus: In Zwickau hat bereits die Produktion des ID.3 begonnen, die ersten Fahrzeuge sollen Mitte 2020 vom Band rollen; in Emden soll ab 2022 der elektrische SUV ID.4 produziert werden; der Standort Hannover soll sich transformieren ebenso wie Audi in Deutschland und das VW-Werk in Bratislava. Im Motorenwerk Salzgitter entsteht ab 2020 eine angeschlossene Batteriezell-Fertigung, Braunschweig liefert schon jetzt Batteriesysteme für die ID-Reihe. Kassel liefert Antriebe zu und bei Porsche in Stuttgart-Zuffenhausen und in Dresden werden ebenfalls E-Autos produziert.  Bis 2029 will VW durch die Investitionsoffensive 26 Millionen Elektroautos auf die Straßen bringen, 75 Elektromodelle und zudem noch einmal 60 Hybridvarianten in seinem Angebot haben.

Auch die Premiummarke Audi soll in Zukunft Elektromodelle verkaufen. Die Verantwortung dafür wird ab April 2020 der frühere BMW-Einkaufsvorstand Markus Duesmann übernehmen. Das haben die Aufsichtsräte beider Unternehmen ebenfalls mitgeteilt. Der bisherige Audi-Chef Bram Schot verlässt das Unternehmen Ende März. Mann trenne sich in „bestem Einvernehmen“ hieß es bei Audi. Schot hatte erst vor einem Jahr die Nachfolge von Rupert Stadler angetreten. Der ist wegen des Dieselskandals angeklagt und saß vier Monate lang in Untersuchungshaft.

Die Entscheidung für Duesmann war erwartet worden. Diess, der wie Duesmann von BMW kam, hatte seinen früheren Kollegen dort bereits 2018 abgeworben. Doch erst im Spätsommer dieses Jahres stimmte der BMW-Aufsichtsrat Insidern zufolge einer vorzeitigen Vertragsauflösung des Managers zu. Der 50-jährige arbeitete nach seinem Studium mehrere Jahre bei Daimler, unter anderem in der Motorenentwicklung und im Formel-1-Team. Im Jahr 2007 wechselte er zu BMW. Dort wurde er nach Leitungsaufgaben in den Bereichen Formel-1-Antrieb, Fahrdynamik und Antrieb im Oktober 2016 zum Einkaufsvorstand befördert.

Mit Material von Reuters

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