Porträts: Einflussreiche Frauen aus NRW

Porträts : Einflussreiche Frauen aus NRW

Morgen ist der Internationale Frauentag, gestern hat der Bundestag eine Frauenquote beschlossen. Diese acht Frauen zeigen, wie man es auch ohne Quote nach oben schafft – in Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport.

Morgen ist der Internationale Frauentag, gestern hat der Bundestag eine Frauenquote beschlossen. Diese acht Frauen zeigen, wie man es auch ohne Quote nach oben schafft — in Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport.

Anne-José Paulsen

Die erste Präsidentin in der mehr als 100-jährigen Geschichte des Oberlandesgerichts (OLG) Düsseldorf, Anne-José Paulsen, wollte als junge Pferdenärrin eigentlich Tierärztin werden. Als sie dann doch dem Rat ihres Vaters, eines Kaufmanns, folgte und eine juristische Laufbahn einschlug, war das der Beginn einer Bilderbuch-Karriere. Mit knapp 30 Jahren wurde Paulsen Richterin am Landgericht Düsseldorf, ein Jahr später Strafrichterin beim Amtsgericht Ratingen, 1987 Richterin am Oberlandesgericht, wo sie auch an Patentverfahren beteiligt war, die über Düsseldorf hinaus eine Bedeutung hatten.

Jura war für die 62-Jährige immer "alles andere als trocken, weil wir uns die ganze Zeit mit dem beschäftigen, was im wahren Leben passiert", sagt sie.

Höhepunkt ihrer Karriere: die Ernennung zur Präsidentin des OLG Düsseldorf 2002, zu dem sechs Land- und 29 Amtsgerichte mit 4500 Mitarbeitern gehören. Das OLG hat mit Kartell-, Patent- und Bankensenaten eine stark wirtschaftliche Ausrichtung. Inzwischen nimmt aber auch der Staatsschutz eine größere Rolle ein: So wurden das "Sauerland"-Verfahren und der Prozess um die "Düsseldorfer Zelle" behandelt, aktuell befasst man sich mit den "Bonner Kofferbombern". In dem prächtigen preußischen Amtsgebäude am Rhein ist Paulsen dafür verantwortlich, dass Richter und Rechtspfleger alles, was sie für ihre Arbeit brauchen, bekommen. Das beginne "mit der IT- und Gebäudeausstattung und einem sinnvollen Einsatz von Haushaltsmitteln" und gehe "bis hin zu Personalentscheidungen, also der Frage, wer befördert wird und wer wo welche Aufgabe übernimmt".

Bei der Arbeit trägt sie meist Ballerinas, auch sonst mag sie es nonchalant, verzichtet etwa auf die Anrede "Frau Chefpräsidentin" und meint, dass statt einer gesetzlichen Frauenquote die "Förderung von Frauen wie in der Justiz zu einem Selbstläufer" werden sollte. Da dies aber noch nicht in allen Bereichen der Fall sei, habe sie Verständnis dafür, wenn man "ein bisschen nachhelfe".

Im Gegensatz zu ihrem Vater hätte sie sich für ihr Kind eine nicht-juristische-Laufbahn (zum Beispiel eine als Ingenieur) gewünscht. Doch ihr Sohn (24) studiert inzwischen Jura.

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