Eine Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank bedroht bis zu 30.000 Jobs

Deutsche Bank und Commerzbank : Banken-Fusion bedroht bis zu 30.000 Jobs

Deutsche Bank und Commerzbank starten offiziell Fusions-Gespräche. Der Bundesfinanzminister hofft auf einen nationalen Champion. Verbraucherschützer warnen vor einem Filialsterben, Gewerkschaften vor Kahlschlag.

Die angeschlagenen deutschen Großbanken wollen es versuchen: Deutsche Bank und Commerzbank starten offiziell Fusionsgespräche, wie die Institute am Sonntag nach Sitzungen ihrer Vorstände mitteilten. „Commerzbank und Deutsche Bank haben sich heute darauf verständigt, ergebnisoffene Gespräche über einen eventuellen Zusammenschluss aufzunehmen“, erklärte die Commerzbank. Durch eine Hochzeit würde eine neue deutsche Großbank mit 38 Millionen Privat- und Geschäftskunden, weltweit 2400 Filialen und 134.000 Mitarbeitern entstehen.

Bereits seit Wochen spielen die Banken die Fusion im kleinem Kreis durch, auch die Politik drängt darauf. Insbesondere Finanzminister Olaf Scholz (SPD) und sein Staatssekretär Jörg Kukies, der frühere Deutschland-Chef von Goldman Sachs, machen Druck auf die Bankhäuser. Sie sorgen sich, dass die Deutsche Bank bei einer weltweiten Rezession in schwere See kommt, und wollen, dass Deutschland wieder einen nationalen Champion erhält. Der Bund ist seit der Finanzkrise an der Commerzbank beteiligt und hält gut 15 Prozent der Anteile. „Wir stehen mit allen Beteiligten regelmäßig in Kontakt“, teilte das Bundesfinanzministerium am Sonntag mit.

Die Gewerkschaften schlagen jedoch Alarm. Sie fürchten, dass der Zusammenschluss zu einem Kahlschlag führt, schließlich wollen die Banken durch eine Fusion massiv Kosten senken. So könnten laut Analysehaus Fairesearch 20.000 bis 30.000 Stellen wegfallen. Die Gewerkschaft Verdi rechnet mit einem Abbau von bis zu 30.000 Arbeitsplätzen. „Wir lehnen eine mögliche Fusion beider Häuser mit Blick auf die Gefährdung von Zehntausenden Arbeitsplätzen ab“, erklärte Jan Duscheck, der für Verdi im Aufsichtsrat der Deutschen Bank sitzt. Dadurch würde eine neue Großbaustelle im Filialgeschäft entstehen, ohne dass die alten Baustellen abgearbeitet wären. Da beiden Banken ihre Zentralen und damit viele Verwaltungsstellen in Frankfurt haben, dürften hier die Sorgen besonders groß sein. Am Donnerstag wollen die Kontrollgremien beider Institute den Stand der Dinge beraten. Bei der Deutschen Bank hatte Verdi im Zuge der Postbank-Integration immerhin Kündigungsschutz bis Mitte 2021 durchgesetzt.

Durch die Fusion dürfte es zu einem Filialsterben kommen. Derzeit haben beide Banken zusammen gut 1500 Filialen in Deutschland, oft liegen sie in den Innenstädten dicht beieinander. Deutschlands oberster Verbraucherschützer Klaus Müller warnt vor einer Lösung zu Lasten der Verbraucher. „Bei den Fusionsgesprächen dürfen Verbraucher- und Wettbewerbsbelange nicht vernachlässigt werden. Steigende Preise und weniger Angebotsvielfalt können nicht der Kollateralschaden eines Banken-Champions sein“, sagte Müller, Chef des Bundesverbands der Verbraucherzentralen, unserer Redaktion.

Hintergrund der Pläne ist die schwache Position deutscher Banken im internationalen Vergleich. Die Deutsche Bank wird seit langem von hausgemachten Skandalen und teuren Prozessen erschüttert. Nach drei Jahren mit Verlusten war sie 2018 mit einem Minigewinn von 340 Millionen Euro wieder in die schwarzen Zahlen zurückgekehrt. Die Commerzbank machte zwar mehr als doppelt so viel Gewinn (865 Millionen Euro), war 2018 wegen des Wertverlustes in die zweite Börsenliga abgestiegen und arbeitet im Vergleich zu Konkurrenten immer noch zu teuer.

Ob die Banken dem Drängen der Politik nachgeben, ist allerdings offen. „Der Vorstand wird die Optionen daraufhin bewerten, ob sie Wachstum und Profitabilität der Bank stärken. Es gibt keine Gewähr, dass es zu einer Transaktion kommt“, teilte die Deutsche Bank am Sonntag mit. Während die Arbeitnehmervertreter die Fusionspläne der beiden Kreditinstitute ablehnen, ist die Haltung der Anteilseigner noch offen. Der US-Finanzinvestor Cerberus, der an beiden Banken nennenswert beteiligt ist, soll Zustimmung signalisiert haben.

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