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Stahlriese ThyssenKrupp: Eigenkapital-Quote weiter eingebrochen

Stahlriese ThyssenKrupp : Eigenkapital-Quote weiter eingebrochen

Angeblich will sich der Stahlkonzern ThyssenKrupp frisches Geld von der Börse holen. Die Aktie brach am Dienstag ein.

Die Aufsichtsratssitzung von ThyssenKrupp dauerte am Dienstag kaum länger als eine Viertelstunde. Der ehemalige Henkel-Chef und Präsident der Düsseldorfer IHK, Ulrich Lehner, wurde wie erwartet zum neuen Vorsitzenden gewählt. Einstimmig, wie es im Umfeld des Aufsichtsrates hieß.

Lehner wird damit zum Monatsende Nachfolger von Gerhard Cromme, der das Amt wegen der jüngsten Milliardenverluste und einer Serie von Skandalen abgeben musste. Die Hinweise darauf, dass Lehner die finanzielle Schieflage des Konzerns mit einer Kapitalerhöhung begradigen will, verdichten sich.

Wie berichtet, wird das Thema seit einigen Tagen zwischen den Aufsichtsräten und der Krupp-Stiftung diskutiert, die unter dem Vorsitz von Berthold Beitz größter ThyssenKrupp-Aktionär ist. Laut "Handelsblatt" prüft der Konzern eine Kapitalerhöhung mit einem Volumen von einer Milliarde Euro. Eine Kapitalerhöhung wird noch in diesem Jahr für möglich gehalten.

"Kapitalerhöhung" bedeutet, dass der Konzern über die Ausgabe neuer Aktien frisches Geld an der Börse einsammelt — zulasten der aktuellen Aktionäre, deren Anteilsscheine dadurch an Wert verlieren. Entsprechend gab die ThyssenKrupp-Aktie am Dienstag in der Spitze um mehr als sieben Prozent nach.

Es drohen weitere Belastungen

Eine Kapitalerhöhung würde aber auch das Machtgefüge im Konzern dramatisch verändern: Die Krupp-Stiftung würde aller Voraussicht nach ihren beherrschenden Einfluss auf den Krisen-Konzern verlieren, weil sie wohl kaum genug Geld mobilisieren kann, um ihren Anteil von aktuell 25,3 Prozent mit dem Kauf neuer Aktien auch über den Zeitpunkt einer Kapitalerhöhung hinaus zu halten.

Schon die Aufstockung ihres Anteils auf den aktuellen Wert hat die Stiftung 2006 und 2008 teilweise mit Fremdkapital finanziert. Die Tilgung dieses Kredites wird gegenwärtig schon durch das Ausbleiben der ThyssenKrupp-Dividende erschwert — nach einem Verlust von fünf Milliarden Euro konnte ThyssenKrupp sich für das vergangene Geschäftsjahr erstmals keine Dividende mehr leisten.

Der Widerstand von Beitz gegen eine Kapitalerhöhung bröckelt, heißt es im Unternehmen. Der Konzern ist aktuell mit über fünf Milliarden Euro verschuldet. Die Banken akzeptieren laut Geschäftsbericht ein Gearing von 150 Prozent. Das bedeutet: Der Konzern darf Schulden in Höhe von 150 Prozent seines Eigenkapitals haben, das im vergangenen Geschäftsjahr von zehn auf 4,5 Milliarden Euro eingebrochen ist.

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Aktuell liegt der Wert bei gut 120 Prozent. Mit 11,4 Prozent hat ThyssenKrupp aktuell die niedrigste Eigenkapitalquote im Dax. Gleichzeitig drohen weitere Belastungen durch einen neuen Kartellvorwurf im Bereich Auto-Stahl sowie mögliche weitere Abschreibungen auf die Übersee-Stahlwerke, die der Konzern verkaufen will und in der Bilanz mit 3,9 Milliarden Euro bewertet. Dem Vernehmen nach will das bislang aber kein Kaufinteressent zahlen. Der Konzern wollte die Spekulationen über eine Kapitalerhöhung am Dienstag nicht kommentieren.

Hier geht es zur Bilderstrecke: ThyssenKrupp trennt sich von drei Vorständen

(rei)