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Gallois wird neuer Chef: EADS schafft deutsch-französische Doppelspitze ab

Gallois wird neuer Chef : EADS schafft deutsch-französische Doppelspitze ab

Toulouse (RPO). Der Franzose Louis Gallois wird den Luft- und Raumfahrtkonzern EADS künftig alleine führen. Sein bisheriger Co-Chef der Airbus-Muttergesellschaft, der Deutsche Thomas Enders, wird neuer Vorstandsvorsitzender von Airbus, wie Enders am Montag im französischen Toulouse bekannt gab. Damit wird die bisherige deutsch-französische Doppelspitze abgeschafft.

Enders sagte, er freue sich auf die Zusammenarbeit mit Gallois. "Unsere Zusammenarbeit ist eingeübt und krisenerprobt." Leiter des EADS-Verwaltungsrats wird Enders Angaben zufolge Rüdiger Grube vom EADS-Großaktionär DaimlerChrysler. Bislang hatte es auch hier zusammen mit Arnaud Lagardere eine deutsch-französische Doppelspitze gegeben.

"Ich weiß, es kommt überraschend, aber es ist eine gute Entscheidung", sagte Enders. Die Zukunft von EADS entscheide sich an der Zukunftsfähigkeit von Airbus. "Das ganze Unternehmen macht einen großen Schritt nach vorn." Auf die Frage, wer sich im Tauziehen um die neue Führung durchgesetzt habe, sagte Enders: "Es gibt keine Gewinner und keine Verlierer."

Gallois erklärte: "Ich bin sehr glücklich über meine zukünftige Arbeit. Sie ist meiner jetzigen Aufgabe sehr ähnlich."

Die doppelte Besetzung der Führungsposten bei EADS mit einem Deutschen und einem Franzosen hatte seit der Gründung des Unternehmens vor sieben Jahren immer wieder für Ärger gesorgt. Nach der Krise um die Lieferverzögerungen beim Riesen-Airbus A380 erklärte der im Mai gewählte Präsident Nicolas Sarkozy die Veränderung der Führungsstruktur bei EADS zur "Priorität". Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte mehrfach betont, EADS müsse nach unternehmerischen und nicht nach politischen Erwägungen geführt werden. Merkel und Sarkozy treffen sich heute am Airbus-Werk in Toulouse zu einem Gipfeltreffen.

Wenige Stunden vor dem Gipfeltreffen in Toulouse hat ein Berater von Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy einen stärkeren "Zusammenhang" beim Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS gefordert. Es sei wichtig, verschiedene Manager auszuwechseln, aber nicht wesentlich, sagte Henri Guaino am Montagmorgen im französischen Fernsehsender France 2.

Wesentlich sei es, "die Art der Unternehmensführung zu verändern und aus dieser Lage herauszukommen", in der alle Entscheidungen paritätisch ausgeübt würden. Auf diese Art lasse sich "keine Kohärenz" herstellen, kritisierte der Präsidentenberater. "Das ist das Unternehmen sehr, sehr teuer zu stehen gekommen." Auch der starke Euro habe den Konzern viel gekostet. Guaino wiederholte die Forderung des Staatschefs und sagte, die Airbus-Mutter EADS müsse "ein normales Unternehmen werden, das normal funktioniert".

(afp)