Duisburg: Rhein-Niedrigwasser drosselt Produktion von Thyssen und BASF

Rohstoff-Versorgung in Gefahr : Thyssen und BASF drosseln Produktion wegen Niedrigwasser im Rhein

Thyssenkrupp und der Chemiekonzern BASF kämpfen in Folge der niedrigen Pegelstände des Rheins mit Engpässen in der Versorgung und haben ihre Produktion gedrosselt.

Das Duisburger Stahlwerk erhalte nicht mehr ausreichend Rohstoffe, teilte Thyssenkrupp Steel Europe am Freitag mit. Deshalb habe das Unternehmen gegenüber seinen Kunden Höhere Gewalt ("Force Majeure") geltend gemacht. Die Produktion am BASF-Stammwerk in Ludwigshafen sei beeinträchtigt, sagte auch ein Sprecher des Chemiekonzerns. Betroffen sei die Herstellung von vier Weichmachern und drei Acrylaten. Zu den wirtschaftlichen Auswirkungen könne er sich noch nicht äußern.

Die Aktienkurse der Unternehmen gerieten unter Druck. Das Papier von Thyssenkrupp lag bis zu 4,7 Prozent im Minus, BASF-Aktien gaben zeitweise um 1,4 Prozent nach. "Die Folgen werden derzeit bewertet", erklärte Thyssenkrupp Steel. Der Konzern stehe dazu mit seinen Kunden in engem Kontakt.

Zu den wichtigsten Abnehmern gehören die Automobilindustrie und der Maschinenbau. "Die Rücknahme der Produktion wird zwischenzeitlich genutzt, um geplante Instandhaltungsmaßnahmen vorzuziehen", teilte der Stahlkocher mit. Die Einschränkungen dürften im laufenden und dem kommenden Quartal die Ergebnisse von Thyssenkrupp deutlich belasten, erklärte Jefferies-Analyst Seth Rosenfeld.

Nach Einschätzung des NABU NRW sind die Auswirkungen des sehr niedrigen Wasserstandes für die Pflanzen- und Tierarten deutlich weniger bedrohlich. Naturnahe oder naturnah renaturierte Flüsse mit verbundenen Fluss-, Ufer- und Auenbereichen böten den dort lebenden Tier- und Pflanzenarten Spielräume, solche Extremereignisse für die Arten ohne großen Schaden zu überstehen. Weil durch den Klimawandel häufiger mit solchen Ereignissen zu rechnen sei, sollte die Landesregierung Renaturierungsprojekte stetig vorantreiben.

Der NABU NRW warnte zugleich davor, die Fahrrinne des Rheins weiter zu vertiefen. Der Rhein habe sich in den vergangenen 100 Jahren etwa zwei Meter in seine Sohle eingeschnitten, da die Flussufer befestigt und damit die seitliche Entwicklung des Rheins unterbunden worden sei. Dies habe zur zunehmenden Entkopplung von Fluss und Flussaue und dem Verlust potenzieller Auenlebensräume geführt, betonte der Umweltverband am Donnerstag. Durch eine weitere Vertiefung würde zudem der Grundwasserstrom an den Flussufern geändert, was zu negativen Auswirkungen auf die Landwirtschaft führen könnte.

(mro/REU)
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