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Duisburg Hafen: Erich Staake geht im November - Nachfolger steht fest

Umstrittener Duisburger Hafenchef : Erich Staake geht im November – Nachfolger steht fest

Erich Staake, Chef des Duisburger Hafens, scheidet im November altersbedingt aus. Wegen der Vorwürfe gegen ihn könnte er aber auch früher gehen. Nun steht fest, wer sein Nachfolger wird: ein Vorstandskollege.

Das Gerangel um Duisburgs Hafenchef Erich Staake findet nun teilweise ein Ende. Der Aufsichtsrat des Unternehmens hat am Dienstag seinen Vorstandskollegen Markus Bangen  zum Nachfolger von Staake ab dem 1. Dezember ernannt – dann also, wenn der amtierende Hafenchef aus Altersgründen sowieso  das Unternehmen verlässt. Die Wahl von Bangen erfolgte einstimmig. Sie wurde also sowohl von der schwarz-gelben Landesregierung als auch von der SPD-regierten Stadt Duisburg unterstützt. Das  Land hält zwei Drittel der Hafenanteile, die Stadt ein Drittel.

Weil der designierte neue Chef – ein 1972 geborener Jurist – schon seit dem Jahr 2000 beim Hafen tätig ist und seit 2008 dort im  Vorstand sitzt, wäre es für den Aufsichtsrat somit jederzeit möglich, den 67 Jahre alten Staake wegen der verschiedenen Vorwürfe gegen seine Person freizustellen, weil Bangen sofort einspringen könnte.

Neu in den Vorstand kommt der Logistikexperte Carsten Hinne. Der promovierte 46-jährige Betriebswirt soll offenbar dafür sorgen, die von Staake initiierten Güterbahnverbindungen nach Asien und speziell nach China weiter auszubauen: Hinne hat sich bei seinem bisherigen Arbeitgeber, der Deutschen Bahn, um die Anbindung von Asien an das europäische Schienennetz für Güterzüge gekümmert. Staake hatte erreicht, dass immer mehr Güter per Zug aus Asien in Duisburg ankommen und dort auf Lkw und andere Züge umgeladen werden.

Der Druck, Staake eventuell vorzeitig abzulösen, bleibt hoch. Nachdem unsere Redaktion berichtet hatte, dass er sich im Januar dank einer persönlichen Seilschaft hatte impfen lassen, hatte dies der Aufsichtsrat scharf kritisiert. Dessen Vorsitzender ist Hendrik Schulte, Staatssekretär im NRW-Verkehrsministerium.

Die SPD-Landtagsfraktion will nun mit  mehreren Anfragen erfahren, wie sich die Landesregierung und NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) zu einer Reihe weiterer Vorwürfe gegen Staake verhalten. Die SPD fragt, wie es möglich war, dass Staake im Jahr 2020 trotz Corona-Krise mehr als 25.000 Euro für Bewirtungskosten abrechnete und wo 156 Flaschen Wein geblieben sind, die das Unternehmen bestellt hatte. Staake hatte erklärt, die Flaschen seien zum Teil verschenkt worden und zum Teil noch da. Basis der SPD-Anfragen sind Berichte über ein vertrauliches Gutachten der Wirtschaftsprüfungsfirma Deloitte, die untersuchte, ob bestimmte Vorwürfe gegen Staake zutreffen.

Die SPD will auch erfahren, wie das Land die Bestellung von Hunderten Zigarren durch  den Hafen bewertet. Sie fragt, was davon gehalten wird, dass für 122.000 Euro Luftfilteranlagen gegen Coronaviren bei einer Frau bestellt worden waren, die zeitweise eine gute Beziehung zu Staake gehabt hatte und die er von einem Fahrer einmal für eine private Reise abholen ließ. „Heißt die  Landesregierung Vetternwirtschaft gut?“ lautet die Überschrift einer der SPD-Anfragen. Staake hatte unserer Redaktion mitgeteilt, bei der Luftfilterbestellung seien mehrere Angebote eingeholt worden. Es sei „sehr ärgerlich“, falls diese Unterlagen „verschwunden“ seien.

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Die SPD will auch erfahren, ob zwei Verkäufe von teuren Firmenwagen des Hafens an Staake und seine Ehefrau nach Auffassung der Landesregierung korrekt gelaufen seien, das Gutachten von Deloitte hatte hier kein Fehlverhalten gefunden. Gespannt sein darf die SPD auch auf die Antwort auf ihre Frage, ob nun doch geplant sei, Staake als Berater des  Hafens anzuheuern, wenn er Ende November sowieso geht. Ob er eventuell vorher den Schreibtisch räumen muss, hängt wohl davon ab, was Deloitte in der Schlussfassung des Gutachtens festhält. Minister Wüst hat angedeutet, er halte sich alle Optionen offen.